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Schweinetransport

Schweinehaltung

Die intelligenten und geselligen Tiere können ihr natürliches Verhalten in der Intensivmast nicht ausleben

28.2.2022

Unter natürlichen Bedingungen verbringen Schweine drei Viertel ihres aktiven Tages damit, ihre Umgebung zu erkunden und nach Futter zu suchen. Schweine sind reinliche Tiere, sie würden niemals in ihre Schlafstätte koten oder urinieren. Da sie nicht schwitzen können, nehmen sie gern ein Bad im Schlamm, um sich abzukühlen. Freilandschweine zeigen dieses Verhalten bereits ab 18C°¹, trächtige Zuchtsauen nutzen die Gelegenheit sogar im Winter, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Als gesellige Wesen leben sie in größeren Gruppen und stimmen ihre Aktivitäten aufeinander ab. Nur kurz vor der Geburt verlässt die Sau die Gruppe und baut ein Nest. Sie säugt unter natürlichen Gegebenheiten ihre Ferkel rund 15 Wochen lang.

Bisher berücksichtigt die auch in Österreich gängige intensive Schweinehaltung kaum eine der natürlichen Verhaltensweisen der Tiere – im Gegenteil: Mit den 0,7 m², die einem Tier in der österreichischen Mast zum Leben zur Verfügung stehen, haben diese intelligenten Tiere kaum Möglichkeiten, sich ihren Lebensraum zu gestalten. Der Platz reicht gerade aus, dass alle Tiere gleichzeitig liegen können.² Einen Kotplatz anzulegen ist auf dieser geringen Fläche nicht möglich. Rund 70% der Tiere werden in Österreich auf sogenannten Vollspaltenböden gehalten.³ In diesen einstreulosen Systemen leiden die Tiere unter den Ammoniakdämpfen, denen sie ständig ausgesetzt sind, da sie über ihren eigenen Exkrementen leben müssen. Die Folge davon können Lungenerkrankungen sein.⁴ Das Fehlen von artgemäßen Beschäftigungsmaterial führt zu Verhaltensstörungen und in weiterer Folge zu gesundheitlichen Problemen.

Wichtige Grundbedürfnisse wie Sozial-, Erkundungs-, Nahrungssuch-, Körperpflege- und Nestbauverhalten können sie nicht ausleben. Die Folgen sind schwere physische und psychische Schäden.

Schweine in Intensivtierhaltung

Millionen Schweine leiden in der Intensivmast.

Massenware Schwein: Billigfleisch um jeden Preis

Die Österreicher lieben Schwein – auf dem Teller. Ob zu Wurst, Kotelett oder Schnitzel verarbeitet: Im Schnitt isst jeder Österreicher rund 35,4 Kilogramm⁵ Schweinefleisch pro Jahr und liegt damit weit über dem Durchschnitt der Industrieländer.⁶

Aus Kostengründen ist die Schweineerzeugung mehr und mehr produktionsteilig organisiert. Spezialisierte Betriebe halten nur Sauen für die Ferkelaufzucht. Die jungen Tiere gehen dann weiter in andere Betriebe, in denen sie bis zur Schlachtung gemästet werten. Ein Schwein wird deshalb im Laufe seines Lebens mindestens zweimal aus seinem bekannten Umfeld gerissen und transportiert.

So leiden Schweine in der Intensivtierhaltung

In Österreich werden knapp drei Millionen Schweine gehalten.⁷ Moderne Schweinerassen werden für die Fleischproduktion auf hohen Fleischansatz mit möglichst kurzer Mastdauer gezüchtet. Um dem Verbraucherwunsch nach billigem Fleisch gerecht zu werden, ist die Ausstattung der Ställe vor allem darauf ausgerichtet, möglichst viel Schweinefleisch in kürzester Zeit zu möglichst geringen Kosten zu produzieren.

Bisher berücksichtigt die intensive Schweinehaltung kaum eine der natürlichen Verhaltensweisen der Tiere – im Gegenteil: Wichtige Grundbedürfnisse wie Sozial-, Erkundungs-, Nahrungssuch-, Körperpflege- und Nestbauverhalten können sie nicht ausleben. Mastschweine werden mit hochkonzentrierten Futterrationen gemästet. Raufutter oder Einstreu zum Wühlen und Spielen wird nur selten angeboten. Die Folgen sind schwere physische und psychische Schäden.

Die nicht artgemäße Aufstallung der Tiere führt zu Stress und macht die Schweine krankheitsanfällig, was zu einem erhöhten Medikamenteneinsatz führt. Häufige Erkrankungen sind beispielsweise Schwanzspitzennekrosen, Lungenentzündungen und Magengeschwüre. Nach etwa 160 bis 180 Lebenstagen ist das Schwein mit 110 Kilogramm Lebendgewicht schlachtreif und wird auf seine letzte Reise zum Schlachthof geschickt.

Schwache Ferkel werden häufig getötet:

Auch die Ferkel leiden, denn die Anzahl der Ferkel pro Sau wurde mit den Jahren züchterisch weiter erhöht.  Die eingesetzten Sauenrassen gebären mittlerweile auch bei uns zum Teil mehr Ferkel, als sie versorgen können. Eine Sau hat 14 Zitzen. Tiere der heute eingesetzten Rassen können jedoch auch 16 Ferkel oder mehr pro Wurf bekommen.⁸ Dies hat zur Folge, dass vermehrt Ferkel mit einem niedrigen Geburtsgewicht geboren werden und somit auch mehr schwache Ferkel, die eine Sonderbetreuung benötigen würden. Aus Zeitgründen wird hierauf häufig verzichtet und die Ferkel werden stattdessen aussortiert und – oftmals unsachgemäß – getötet.

Ferkelkastration und Schwanzkupieren ohne Betäubung

Verhaltensstörungen wie Schwanz- und Ohrenbeißen anderer Buchtengenossen sind direkte Folgen einer nicht artgemäßen Haltung und Fütterung. Anstatt die Haltungsbedingungen den Tieren anzupassen, werden Eingriffe an Schweinen vorgenommen. So schneidet man beispielsweise schon den Ferkeln die Schwänze ab. 

Und das, obwohl das routinemäßige Kupieren von Schwänzen bei Schweinen seit 1994 EU-weit nicht mehr erlaubt ist. Die Europäische Kommission hat zwar mehrere Mitgliedstaaten ermahnt, sich an die geltenden Rechtsvorschriften zu halten, zögert bislang jedoch, Konsequenzen zu ziehen.

Ein weiterer schmerzhafter Eingriff ist die betäubungslose Ferkelkastration. Der Grund: Bei potenten Ebern kann ein unangenehmer Geruch beim Erhitzen des Fleisches auftreten. Das ist jedoch sehr selten. Geruchsbelastetes Fleisch könnte bereits am Schlachthof aussortiert und kalt verarbeitet werden, zum Beispiel als Wurst. Doch das ist zu aufwändig.

In engste Käfige gepfercht: Kastenstand für Sauen

Zuchtsauen müssen in kürzester Zeit so viele Ferkel wie möglich gebären, mit fatalen Folgen für ihre Gesundheit: Durchschnittlich 50 Prozent der Sauen müssen jährlich aufgrund von Fruchtbarkeitsstörungen und Gesundheitsschäden aussortiert und geschlachtet werden.

Während der Ferkelaufzucht und im Deckzentrum wird die Sau in einen engen Metallkäfig gezwängt. Dieser Käfig ist nur so groß wie sie selbst – sie kann sich noch nicht einmal umdrehen. Zuchtsauen werden in diesem „Kastenstand“ fixiert, um zu verhindern, dass sie ihre Ferkel erdrücken. In Summe werden 95% der Zuchtsauen in der konventionellen Haltung durchschnittlich 22 Wochen im Jahr fixiert - ohne jegliche Bewegungsfreiheit.⁹

VIER PFOTEN fordert

...das Ende der grausamen Praktiken:

Sie lösen Angst, Schmerzen und Qualen aus und schwächen so das Immunsystem, verändern die Gehirnfunktion und das natürliche Verhalten der Tiere.

  • Generelles Verbot der Haltung von Sauen in Kastenständen, in allen Ländern. Es gibt viele tierfreundliche Alternativen dazu. Das System sollte an das Tier angepasst werden und nicht andersherum!
  • Freie Abferkelsysteme (mit Schutz vor Ferkelquetschung), in denen die Sau ein Nest bauen, sich bewegen und umdrehen sowie mit ihren Ferkeln und Artgenossen sozialisieren kann.
  • Begrenzung der individuellen Fixierung auf ein absolutes Minimum (stundenweise), z.B. nur für Behandlungszwecke und tierärztliche Eingriffe.
  • Verbot (und weitere Durchsetzungsmaßnahmen) von schmerzhaften Verstümmelungen wie Schwanzkupieren und betäubungsloser Kastration.
  • Eine intensive Kraftfutterfütterung muss vermieden werden.
  • Vollspaltenböden sollten nicht erlaubt sein.

...die Erfüllung der Grundbedürfnisse:

Wenn sie vernachlässigt werden, führt dies zu einem schlechten Wohlbefinden und damit zu Leiden, akuten Schmerzen, Ängsten und einem langfristig negativen Wohlbefinden. Grundbedürfnisse von Schweinen sind:

  • Schweine sind eine soziale Spezies und müssen in stabilen und angemessenen Gruppen gehalten werden - die Gruppenhaltung von Sauen und das Abferkeln in Gruppen sollte ein Standardverfahren sein. Wenn Gruppenabferkelung aus Managementgründen nicht möglich ist: zeitlich begrenzte Einzelabferkelung in Bewegungsbuchten (max. zehn Tage) mit Schutzvorrichtungen (Ferkelabweiser), um das Zerdrücken der Ferkel zu verhindern. 
  • In den Tagen vor der Geburt sollte im Abferkelbereich stets langes Stroh als Nistmaterial zur Verfügung stehen.
  • Schweine haben eine starke Motivation zur Futtersuche, die im Idealfall den größten Teil ihres Zeitbudgets am Tag in Anspruch nimmt. Das Wühlen ist einer der auffälligsten und wichtigsten Teile des Futtersuchverhaltens, und wenn es nicht erfüllt werden kann, führt dies zu vielen verschiedenen Gesundheitsproblemen (z. B. Stereotypien).
  • Eine schweinetaugliche Ernährung (mit hohem Faser- und Futteranteil) ist nicht nur für die Erhaltung der körperlichen Gesundheit der Tiere von entscheidender Bedeutung (sie beugt den heute häufigen Magengeschwüren vor), sondern gibt ihnen auch die Möglichkeit, ihr natürliches Wühlverhalten auszuleben.
  • Ausreichende Liegeflächen mit trockener und weicher Einstreu sind von entscheidender Bedeutung - harte Oberflächen führen bei den Sauen zu Schulterwunden (weil ihr Gewicht Druck auf die Schultern und die Wirbelsäule ausübt) und bei den Ferkeln zu offenen Wunden an den Gelenken (weil sie sich zum Säugen ständig hinknien).
  • Angemessener weicher Bodenbelag - die Klauen der Schweine sind an weiche und sumpfige Böden angepasst - harte Böden verursachen Fußprobleme, Lahmheiten und Schleimbeutelentzündungen.
  • Der Zugang zum Außenbereich sollte leicht zugänglich sein, damit die Tiere die Möglichkeit haben, die Außenwelt zu erleben und ihr Leben zu bereichern - die Tiere langweilen sich weniger und haben ihren Alltag besser im Griff, wenn sie verschiedene Umgebungen erleben können. Außenklima wirkt sich zudem postiv auf ein gestärktes Immunsystem aus.
  • Der Unterschlupf sollte Schutz vor extremen Witterungsbedingungen bieten, eine gute Luftqualität aufweisen und über leicht zugängliches Wasser und Futter verfügen.
  • Die Tiere sollten bei guter Gesundheit gehalten und bei Bedarf tierärztlich versorgt werden.

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Quellenverweis

1. Mayer, C., Hillmann, E., & Schrader, L. (2006). Verhalten, Haltung, Bewertung von Haltungssystemen. In Thünen-Institut, Schweinezucht und Schweinefleischerzeugung: Empfehlungen für die Praxis (pp. 94-122). Braunschweig: Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft.
2. Petherick, J. (1983). A biological basis for the design of space in livestock housing. In Farm Animal Housing and Welfare (pp. 103-120). Baxter, S.H.; Baxter, M.R.; MacCormack, J.A.C.;.
3. STATISTIK AUSTRIA, Agrarstrukturerhebung 2020.
4. GEMA. (2018). Erläuterungen zu ausgewählten Befunden der Schlachttier- und Fleischuntersuchung (SFU). Wien: VÖS Verband österreichischer Schweinebauern. 
5. Österreich - Pro-Kopf-Konsum von Fleisch nach Art 2020 | Statista 
6.
 Pro-Kopf-Konsum von Schweinefleisch weltweit bis 2030 | Statista 
7. 
https://www.statistik.at/web_de/statistiken/wirtschaft/land_und_forstwirtschaft/viehbestand_tierische_erzeugung/viehbestand/index.html
8. Hoy, S. (2016). Zucht auf höhere Ferkelzahlen aus Sicht des Tierschutzes. Nutztierschutztagung Raumberg-Gumpenstein, pp. 49-54.
9. Schlatzer, M., & Lindenthal, T. (2018). Analyse der landwirtschaftlichen Tierhaltung in Österreich - Umwelt- und Tierschutzaspekte. Wien: Universität für Bodenkultur - Zentrum für globalen Wandel und Nachhaltigkeit.
 

 

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