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Ferkel mit Muttersau

Mutterinstinkt und ferkelverhalten

Wie Ferkel in der Landwirtschaft aufwachsen und was die möglichen Probleme in der Intensivtierhaltung sind

7.2.2022

Nach einer Trächtigkeit von etwa 115 Tagen („drei Monate, drei Wochen, drei Tage“) bringt ein weibliches Hausschwein normalerweise zehn bis 14 Ferkel zur Welt. Drei bis vier Tage vor der Geburt zeigt die Sau deutliche Unruhe und eine starke Absonderungstendenz. In der Natur oder in naturnaher Freilandhaltung verlässt sie dann die Rotte und sucht sich einen geeigneten Platz zum Anlegen eines Wurfnestes. Andere Schweine werden von ihr nicht mehr geduldet und aggressiv vertrieben.

Trächtige Sauen, die auf Spaltenböden stehen, haben keinerlei Nistmaterial zur Verfügung. Die Motivation ein Nest zu bauen ist jedoch genetisch verankert und wird auch von den konventionell gehaltenen Sauen gezeigt. Wenn im Kastenstand auch noch ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist, steigt ihr Stresspegel. Die Tiere zeigen entsprechend auffällige Verhaltensstörungen wie zum Beispiel stereotypes „Leerwühlen“ oder „Stangenbeißen“. Bietet man den Sauen Stroh als Einstreu, nimmt ihre Unruhe ab.

Die Geburt im Kastenstand

Die Geburt dauert in etwa drei bis sechs Stunden, abhängig davon, wie oft die Sau bereits abgeferkelt hat und ob alles reibungslos abläuft. Die bereits in der Entwicklung sehr fortgeschrittenen Ferkel werden mit offenen Augen und Ohren geboren und können bereits wenige Minuten nach der Geburt laufen. Sie befreien sich selbst aus den Fruchthüllen. Raue Einstreu wie zum Beispiel Stroh erleichtert diesen Vorgang. Bei Fehlen derartigen Materials können die Ferkel binnen kürzester Zeit ersticken. Das erste, was ein neugeborenes Ferkel versucht, ist an die Zitzen der Mutter zu gelangen um dort die sogenannten Biestmilch aufzunehmen. Zur Orientierung wird die Körperwärme und der Geruch der Mutter genutzt. 

Unmittelbar nach der Geburt verlässt die Sau kurz das Wurfnest, um zu koten und zu harnen. Wird sie daran, wie im Kastenstand, gehindert, passiert es häufig, dass sie die Defäkation in ihrer Not so lange zurückhält, bis sich eine Verstopfung ergeben kann.

Unter den Ferkeln beginnt sich bereits kurz nach der Geburt eine Saugordnung herauszukristallisieren: Die vordersten Zitzen der Sau werden von den kräftigsten und vitalsten Ferkeln besetzt, den schwächsten Ferkeln gehören die hintersten Zitzen. Die erste Woche verbringen die Ferkel dicht aneinander im Nest. In der zweiten Woche verlassen sie erstmalig das Nest, um die Umgebung zu erkunden und mit Artgenossen zu spielen.

Muttersau mit ihren Ferkeln

In natürlichem Umfeld bleiben Ferkel etwa drei bis vier Monate bei der Mutter.

Reizarmut in Ställen kann zu Schwanzbeißen bei Ferkeln führen

Unter natürlichen Gegebenheiten bilden mehrere Sauen nach etwa zwei Wochen eine so genannte „Säugegemeinschaft“. Wurfübergreifende Rangbeziehungen zwischen den Ferkeln können spielerisch geklärt werden. Während dieser Zeit stehen Sau und Ferkel ständig in visuellem und akustischem Kontakt. Hat sich ein Ferkel verirrt, ruft es nach seiner Mutter. In der Natur oder in naturnaher Freilandhaltung bleiben die Ferkel bis zu einem Alter von etwa drei bis vier Monaten bei der Sau. Obwohl Ferkel in den ersten sieben Wochen auf die Muttermilch angewiesen sind, beginnen sie in der zweiten Woche mit der Aufnahme fester Nahrung.

Werden die Ferkel, wie in der Intensivtierhaltung üblich, bereits in einem Alter von 21 bis 28 Tagen abgesetzt, leiden sie unter dem plötzlichen Verlust ihrer Mutter und dem Wegfall der Muttermilch. Außerdem bleibt ihr ausgeprägtes Saugbedürfnis unbefriedigt. Die Ferkel führen dann verstärkt Ersatzhandlungen durch und besaugen Objekte oder die weichen Körperteile ihrer Geschwister. Bei diesen noch sehr jungen Tieren ist zudem die Entwicklung des Darms noch nicht so weit fortgeschritten, um gänzlich auf die Milchaufnahme verzichten zu können und auf die alleinige Aufnahme von Futter umgestellt zu werden. Ferkeldurchfälle sind deshalb häufig eine Folge des Absetzens und Umstellens auf das erste Mastfutter, die oftmals mit Antibiotika behandelt werden.  

In der Reizarmut der Ferkelaufzuchtställe kann der Schwanz von Artgenossen einen sehr attraktiven beweglichen Umgebungsreiz darstellen. Anfangs noch spielerisch, wird das Verhalten der Ferkel mit der Zeit gröber. Ernsthafte Verletzungen, Infektionen bis hin zum völligen Verlust können die Folge sein. Im schlimmsten Fall tritt nach einer Infektion eine vollständige Lähmung der Hinterhand auf. Daher werden verschiedene Eingriffe bei Schweinen in der Intensivtierhaltung durchgeführt, um sie der Haltung anzupassen – wie beispielsweise das Schwanzkupieren.

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