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Häufige fragen zu „Kultiviertem Fleisch

2.7.2019

Sie werden überrascht sein!

Was ist „Kultiviertes Fleisch“?

„Kultiviertes Fleisch“ (auch bekannt als Kunst- / schlachtfreies / zellbasiertes / In-vitro-Fleisch oder Clean Meat)  ist Fleisch, das in einer Zellkultur und nicht im Körper eines Tieres wächst. Mit dieser bahnbrechenden Technologie ist es gelungen, ein Fleischprodukt ohne Tierschlachtung herzustellen. 

Was ist der Unterschied zwischen zellbasiertem, im Labor gewachsenen, Kunst-Fleisch oder Clean Meat? 

Das Kind hat viele Namen, aber sie meinen alle dasselbe. Der Begriff „Kultiviertes Fleisch“ ist jedoch am neutralsten, beschreibt den Prozess der Herstellung am besten und macht es daher attraktiver für den Verbraucher. Laut Barb Stuckey, Präsidentin und Chief Innovation Officer von Mattson, „funktioniert der Begriff „kultiviert“ wirklich. In einem Kultivator werden die Zellen gezüchtet; Kultivierung ist der Prozess, bei dem die Zellen vermehrt werden; und kultiviert kann das Endprodukt beschreiben: Fleisch, Geflügel, Fisch oder Meeresfrüchte.“*

Wie funktioniert die Herstellung?

Im Rahmen der Entwicklung von „Kultiviertem Fleisch“ gibt es verschiedene Produktionsmethoden, die von weltweit führenden Start-ups eingesetzt werden. Um ein Steak oder ein Hamburger-Patty herzustellen, wird in der Regel eine kleine Probe von Stammzellen des lebenden Tieres - meist aus magerem Muskel - in einem harmlosen Verfahren entnommen, ähnlich wie bei der Blutentnahme. Diese Zellen werden dann in einer Kultur außerhalb des Tieres reproduziert. Nachdem genügend Zellen gewachsen sind, werden sie in Gruppen zu kleinem Muskelgewebe zusammengesetzt. Das Ergebnis ist ein Produkt aus 100 Prozent echtem Fleisch.

Innovative Verfahren entwickeln sich jedoch schnell, so dass es neue Wege gibt, Fleisch herzustellen, ohne eine Biopsie an einem lebenden Tier durchführen zu müssen. So arbeiten einige Start-ups beispielsweise daran, Hühnerfleisch aus nur einer einzigen Feder zu entwickeln. 

Welche Vorteile haben Tiere davon? 

Um „Kultiviertes Fleisch“ zu produzieren, muss kein Tier geschlachtet werden, aber wir sind uns des Wohlergehens der übrigen Tiere insgesamt noch nicht bewusst. Sobald „Kultiviertes Fleisch“ auf dem Markt ist, könnte es das Potenzial haben, herkömmliche tierische Fleischprodukte zu ersetzen, die aus Massentierhaltung stammen. So könnte langfristig die Zahl der Nutztiere deutlich reduziert werden, was sowohl für die Tiere selbst als auch für Umwelt und Klima von Vorteil wäre.

Ist „Kultiviertes Fleisch“ gentechnisch behandelt? 

Nach Angaben europäischer Hersteller und Wissenschaftler ist „Kultiviertes Fleisch“ nicht gentechnisch verändert. Es kann aus den gleichen unveränderten Zellen wie herkömmliches Fleisch bestehen: Zellen aus Muskel-, Fett- und Bindegewebe.

In anderen Ländern außerhalb der EU, in denen die genetische Veränderung eine zulässige Methode ist, sagen Unternehmen, dass Gentechnik die Forschung zu „Kultiviertem Fleisch“ und/oder dessen Herstellung voranbringen könnte. Es ist jedoch noch mehr Forschungsarbeit erforderlich, um festzustellen, in welcher Weise genetische Veränderung vorteilhaft sein und welche Auswirkungen sie haben könnten.

Müssen Tiere in irgendeiner Art und Weise bei der Herstellung von „Kultiviertem Fleisch“ leiden? 

Derzeit liegen noch nicht ausreichend Informationen darüber vor, wie Tiere ausgewählt und für die Gewinnung ihrer Stammzellen verwendet werden und wie oder wo sie gehalten werden. 

Um sicherzustellen, dass die Zellen nach ihrer Entnahme wachsen, muss ihnen ein Wachstumserum zugesetzt werden. Zu Beginn der Gesamtproduktion von „Kultiviertem Fleisch“ war die Standardergänzung fetales Kälberserum - auch bekannt als fetales Rinderserum - ein Produkt, das grausam aus den Föten von Kühen gewonnen wird, die bei der Schlachtung als schwanger befunden wurden und das als reiche Nährstoffquelle gilt. Um das Serum zu erhalten, wurde eine Nadel zwischen die Rippen des Fötus direkt in sein Herz eingeführt. Es bleibt fraglich, ob diese Föten vor der Serumgewinnung bereits an Anoxie (Sauerstoffmangel) gestorben sind oder nicht, oder ob sie während des Prozesses noch lebten. Aus der Sicht des Tierschutzes ist dies eine grausame Methode, die nicht mit den Tierschutznormen vereinbar ist und daher von Tierschutzorganisationen nicht unterstützt werden kann. Neue Entwicklungen in der Herstellung machen den Einsatz von tierischem Serum (Rinder-Fötusserum) für die Herstellung von „Kultiviertem Fleisch“ jedoch unnötig, da es durch pflanzliche oder synthetische Alternativen ersetzt wird. 

Kann man es gefahrlos essen?

„Kultiviertes Fleisch“ wird in einem Verfahren hergestellt, das dem Brauen von Bier, der Wirkung von Hefe bei der Brotherstellung und anderen Lebensmitteln aus großen Zellkulturen ähnelt. Durch die Herstellungsmethode ist es auch möglich, zusätzliche Komponenten wie Geschmacksträger oder Vitamine hinzuzufügen. 

Da es in einer sauberen Umgebung hergestellt wird und strenge Sicherheitsvorschriften erfüllen muss, bevor es auf den Markt kommt, ist es sicher für den menschlichen Verzehr. Auch aus diesem Grund ist der Begriff Labor-Fleisch weder zu bevorzugen noch korrekt, da zellulare Landwirtschaft im Produktionsmaßstab nicht im Labor stattfinden wird.

Werden für die Produktion irgendwelche Antibiotika verwendet? 

Bei der Produktion von „Kultiviertem Fleisch“ ist der Einsatz von Antibiotika nicht notwendig.

Wann ist mit einer Markteinführung zu rechnen?

Es gibt verschiedene Zeitangaben der produzierenden Unternehmen. Das Unternehmen „Mosa Meat“, das an Rindfleisch arbeitet, plant bis 2021 die ersten „Clean Meat“ -Burger in High-End-Restaurants anzubieten. Andere, wie das amerikanische Start-up-Unternehmen JUST, erwarten, dass sie ihr Hühnerprodukt innerhalb der kommenden ein bis zwei Jahre auf den Markt bringen. Es ist das Ziel, dass die Preise im Vergleich zu herkömmlichen Fleischprodukten wettbewerbsfähig sind, wenn sie in größerem Umfang eingeführt werden. 

Was sind die ökologischen Vorteile von „Kultiviertem Fleisch“ ? 

Der Konsum von Fleisch und anderen tierbasierten Produkten nimmt vor allem in den Entwicklungsländern rasant zu. Neueren Studien zufolge wird sich der Bedarf an Fleisch bis 2050 verdoppeln. Hinzu kommt die Tatsache, dass viele Tiere durch diese Industrie enormem Leid ausgesetzt sind. Die steigende Nachfrage nach Fleisch- und Milchprodukten wirkt sich auch nachteilig auf Umwelt und Klima aus. Weltweit stammen 14,5 % der gesamten vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen aus der Tierproduktion. Vor allem die Rindfleisch- und Milchindustrie spielt aufgrund der hohen Nachfrage nach Futtermitteln sowie der Freisetzung von Methan, dem Hauptverursacher des Klimawandels, eine große Rolle. Und sogar 70 % der Ackerfläche werden für die Viehzucht genutzt. Für die Herstellung von 1 kg Rindfleisch benötigt werden 15.000 Liter Wasser benötigt.

Wie vorläufige Lebenszyklusanalysen ergeben haben, könnte „Kultiviertes Fleisch“ zu einer erheblichen Einsparung des Land- und Wasserverbrauchs von bis zu 90 % führen. Treibhausgasemissionen und Energieverbrauch können reduziert werden, wenn konventionelles Fleisch durch „Kultiviertes Fleisch“ ersetzt wird. Dies ist jedoch abhängig von der Fleischart selbst und der Verbrauchsmenge pro Land. Was die Treibhausgase betrifft, so reduziert „Kultiviertes Fleisch“ den Methanausstoß, da nur wenige Kühe für die Gewinnung des Muskelgewebes benötigt werden. Die gleichen Effekte können auch auf andere Fleischprodukte wie Hühner- oder Schweinefleisch übertragen werden.

Welche Unternehmen arbeiten daran?

In verschiedenen Teilen der Welt, vor allem in den Niederlanden, den USA und Israel, gibt es einige Start-ups, die an der Entwicklung von „Kultiviertem Fleisch“ arbeiten. Um einige von ihnen zu nennen: Memphis Meat (USA), Hampton Creek (USA), New Harvest (USA), Modern Meadow (USA), Mosa Meat (NL), Meatable (NL), SuperMeat (ISR), Aleph Farms (ISR), Future Meat Technologies (ISR), Meat the Future (ISR), Integriculture Inc (Jap), Innocent Meat (GER) und viele mehr.

Unterstützt VIER PFOTEN die Entwicklung von „Kultiviertem Fleisch“? 

Als Tierschutzorganisation schätzt und unterstützt VIER PFOTEN den wissenschaftlichen Fortschritt, der darauf abzielt, das Leiden von Nutztieren in Intensivhaltungssystemen zu verringern oder zu beseitigen und die Zahl der geschlachteten Tiere langfristig drastisch zu reduzieren. „Kultiviertes Fleisch“ hat das Potential, ein Konkurrent der Massentierhaltung zu werden und möglicherweise die Lebensmittelindustrie zu revolutionieren. Da sich  „Clean Meat“ jedoch noch in der Entwicklungsphase befindet, beobachtet VIER PFOTEN die (Markt-)Entwicklungen und den gesamten Prozess genau, da die zukünftigen Folgen für Nutztiere noch nicht vorhersehbar sind. 

Warum konzentriert sich VIER PFOTEN nicht nur auf pflanzliche Alternativen als die tierfreundlichste Lösung? 

VIER PFOTEN ist ein Verfechter eines tierfreundlichen Lebensstils und fördert die Reduzierung von tierischen Produkten und die Entscheidung für eine mehr pflanzliche Ernährung.

Betrachtet man den gesamten Fleischkonsum, der kontinuierlich steigt, so ist Fleisch eines der beliebtesten Lebensmittel weltweit und es ist unwahrscheinlich, dass jeder auf eine vegane Ernährung umsteigen wird. Da „Kultiviertes Fleisch“ echtes Fleisch ist, könnte es ein Weg sein, die Grausamkeiten gegen Nutztiere zu minimieren und das Ende der intensiven Landwirtschaft und der Massentierhaltung zu beschleunigen. Denn Fleisch kann in großen Mengen geliefert werden, ohne dass Milliarden von Tieren dafür gezüchtet, aufgezogen, gehalten und geschlachtet werden müssen, wie es heute der Fall ist. 

Wird „Kultiviertes Fleisch“ auch für Heimtiernahrung getestet? 

Ja. Der kanadische Tiernahrungshersteller Because Animals wird ab 2021 erstmals eine begrenzte Menge Katzenleckerlis aus kultiviertem Fleisch herausbringen.