Rinder auf einem LKW

Jahresrückblick Tiertransporte: 2025 war ein weiteres Jahr des Schreckens

VIER PFOTEN: Auch in Österreich kommt es immer wieder zu Missständen

2.1.2026

Wien - Der Fall der „Spiridon II“ hat im November 2025 die Welt erschüttert: 2.900 Rinder aus Uruguay mussten nach einem Monat auf See vor der Küste der Türkei weitere 23 Tage an Bord eines Frachters wegen Problemen mit den Einfuhrpapieren ausharren. Die Zustände waren katastrophal: Die Tiere standen in ihren eigenen Exkrementen, über giftigen Ammoniakdämpfen, litten Hunger und Durst. Wie viele Rinder, viele davon trächtig, letztendlich starben und wie viele Kälber an Bord geboren wurden, ist unklar.

Eine Chronologie, die VIER PFOTEN erstellt hat, zeigt: „Spiridon II“ war kein Einzelfall in diesem Jahr. „Leider kommt es bei Tiertransporten regelmäßig zu unfassbarem Tierleid. Vor allem auf Schiffs- und bei Langstrecken-Transporten in EU-Drittstaaten sind schwere Missstände absolut keine Ausnahme. Wir können auch davon ausgehen, dass noch viel mehr passiert, als tatsächlich bekannt wird“, sagt VIER PFOTEN Kampagnenleiterin Veronika Weissenböck.

Tiertransporte: Dokumentierte Tragödien

Aber auch in Österreich wurden 2025 mehrere Missstände bei Tiertransporten gemeldet. Einige Beispiele: Im Oktober hat die Polizei auf einem Rastplatz in der Steiermark extrem durstige Jungtiere aus einem Tiertransporter befreit. Schon bei der Ankunft hörten die Beamten Schreie von Kälbern aus dem Fahrzeug. 

Im September wurde ein holländischer Lkw mit 730 (!) Ferkeln in Oberösterreich von der Polizei gestoppt. Nicht nur, dass die beiden Fahrer gegen Lenk- und Ruhezeiten verstoßen hatten, der Transporter war zudem massiv überladen. 200 Ferkel wurden an Ort und Stelle in ein anderes Fahrzeug verfrachtet. 

Im Februar wurde in der Steiermark ein Tiertransporter für eine Kontrolle angehalten. Die 265 Kälber waren nach Angaben der Landesverkehrskontrolle zum Teil sehr geschwächt und mussten versorgt werden. Manche der Tiere waren noch nicht einmal 14 Tage alt und daher viel zu jung für den langen Transport. Dadurch waren sie laut Polizei „unzumutbarem Leiden und Schmerzen“ ausgesetzt. Die Tiere waren zum Teil stark geschwächt. Deshalb wurde die Weiterfahrt untersagt.

Anstieg der österreichischen Tierexporte in EU-Drittstaaten

Auch zu den Langstrecken-Tiertransporten in EU-Drittstaaten trägt Österreich immer mehr bei, wie der aktuelle Jahresbericht der Rinderzucht Austria zeigt, der von einem Anstieg der Exporte von Tieren in Staaten außerhalb Europas spricht. 2024 wurden demnach insgesamt 27.000 Zuchtrinder per Lkw und teilweise auch weiter per Schiff exportiert. Rund 12.000 Zuchtrinder gingen in die Türkei, 7.100 nach Italien. Für Algerien werden in den ersten drei Quartalen 2025 bereits knapp 6.000 Exporte gemeldet, die natürlich via Schiff erfolgen. Damit wird die Tendenz fortgeführt: Laut Berichten des Trade Control and Expert System (TRACES) hat sich die Zahl der nach Algerien exportierten Tiere zwischen 2018 und 2023 verzehnfacht.

Schiffstransporte sind besonders problematisch. Weissenböck: „Dass die Zeit am Schiff laut EU-Tiertransportverordnung nach wie vor nicht zur Transportzeit mitgerechnet wird, ist ein Skandal. Die Bedingungen auf den Schiffen sind oft katastrophal: Die Transporte dauern tage- bis monatelang, die Schiffe sind meist alt, übervoll, oft völlig ungeeignet für die Transporte, die Tiere verletzen sich häufig oder sterben. Beim Be- und Entladen in den Häfen erleiden viele Tiere unfassbare Grausamkeiten - in Drittländern und in der EU.“

Für VIER PFOTEN ist klar: Dieser Wahnsinn muss endlich gestoppt werden. „Wir fordern ein sofortiges Verbot von Tiertransporten in EU-Drittländer, sowohl auf dem See- als auch auf dem Landweg“, sagt Weissenböck.

Rinder auf einer Farm

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VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler und Freund:innen in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Heim-, Nutz- und Wildtiere – wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans – aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Kambodscha, im Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA und Vietnam sowie 13 Schutzzentren und Partnerprojekten für notleidende Tiere sorgt VIER PFOTEN weltweit für rasche Hilfe und langfristige Lösungen.

 

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