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Milchkühe

12.10.2017

Was steckt hinter Ihrem täglichen Glas Milch?

23,5 Millionen Milchkühe werden in der Europäischen Union gehalten. Größter Milchproduzent der EU ist Deutschland – in Österreich leben rund 540.000 Milchkühe. Der Großteil von ihnen leidet unter den Haltungsbedingungen. In modernen Ställen leben Milchkühe in sogenannten Liegeboxen-Laufställen. In Österreich werden jedoch noch die Hälfte aller Rinder an Ketten oder Halsrahmen fixiert im Stall gehalten. 

Dauerhafte Anbindehaltung von Rindern über 365 Tage im Jahr ist hierzulande immer noch erlaubt, wenn der Betrieb angibt, keine Möglichkeit zu haben, den Tieren Auslauf zu gewähren. Den bewegungsfreudigen, reinlichen und hoch sozialen Tieren ist es bei dieser Haltungsform nicht möglich, ihre natürlichen Bedürfnisse auszuleben. Sie werden beim Aufstehen und Hinlegen behindert. In den Ställen stehen die Tiere meist ohne ausreichend Einstreu. Durch die harte Liegefläche leiden die Tiere an schmerzhaften Liegeschwielen und  Gelenksentzündungen.

Nur eine Kuh, die kalbt, gibt Milch

Vielen Menschen ist nicht klar, dass Milchkühe nicht „einfach so“ Milch geben. Die Milch ist eigentlich zur Ernährung ihres Kalbes gedacht – es ist Muttermilch. Nur, wenn die Kuh ein Kalb zur Welt gebracht hat, produziert sie auch Milch. Zwar wurden Milchkühe auf eine enorme Milchleistung hin gezüchtet – Voraussetzung ist aber stets, dass sie ein Kälbchen hat. Eine Milchkuh wird in der Regel nach Eintreten der Geschlechtsreife sofort künstlich besamt. Zu diesem Zeitpunkt ist sie etwa 16 bis 18 Monate alt. Bringt sie das Kalb zur Welt, nimmt man es ihr nach wenigen Stunden oder Tagen weg – denn schließlich beansprucht der Mensch die Kuhmilch für sich. Für das Kalb ist sie zu wertvoll.

Die Trennung von Kuh und Kalb ist für beide eine erhebliche psychische Belastung Kühe sind ausgesprochen soziale Lebewesen und ihren Kälbern gegenüber sehr fürsorglich. Die Mutterkuh ruft oft verzweifelt nach ihrem Kalb und dreht sich immer wieder suchend nach ihm um. Wächst das Kalb nicht bei seiner Mutter auf, ist es oft krankheitsanfälliger. Es erhält nur Milchersatz aus einem Eimer – und das aus Zeitgründen meist nur zweimal pro Tag. Kann das Kalb am Euter der Mutter saugen, tun sie das sechs bis acht Mal am Tag. Bei der Milchersatzfütterung sind die Kälber entsprechend hungrig und trinken sehr hastig. Das kann zu lebensbedrohlichem Durchfall führen. Die Folge: Rund zehn Prozent der Kälber in Milchbetrieben sterben.

Durch die Trennung von der Mutterkuh wird das Kalb oft krankheitsanfälliger und entwickelt psychische Störungen. Normalerweise saugen Kälber 6-8 Mal pro Tag am Euter ihrer Mutter. Durch die Trennung von Kuh und Kalb direkt nach der Geburt muss das Kalb von Geburt an mit Milch aus dem Eimer getränkt werden. Dies geschieht nur 2 Mal am Tag. Die Kälber trinken dann hastig  große Mengen auf einmal. Dadurch bekommen viele Kälber lebensbedrohlichen Durchfall. Die Sterblichkeit von Kälbern auf Milchviehbetrieben liegt im Schnitt bei 10 Prozent oder mehr.

Nach der Geburt des letzten Kalbes wird eine Milchkuh so schnell wie möglich wieder besamt, damit sie möglichst viel Milch gibt. 

Kühe müssen immer mehr Milch geben

Die Milchleistung pro Kuh, das ist die Menge an Milch, die eine Kuh pro Jahr gibt, nahm in den letzten Jahren kontinuierlich zu. In Österreich liegt die Milchleistung im Schnitt bei 7.500 Litern. Es werden zu 80 Prozent Rinder der Rasse „Fleckvieh“ gehalten, die sowohl Milch geben als auch Fleisch ansetzen. Jedoch geht auch hierzulande der Trend in Richtung einer möglichst hohen Milchleistung. Die Tiere bekommen enorme Mengen Kraftfutter in Form von Getreide und Soja, um eine solch hohe Milchleistung zu erzeugen.  

Krank durch hohe Milchleistung

Diese Art der Fütterung ist nicht artgemäß, denn Rinder sind Wiederkäuer, deren Nahrungsgrundlage normalerweise Gras oder Heu sein sollte. Viele Kühe kommen körperlich mit der enormen Milchleistung nicht mit und leiden an lebensbedrohlichen Stoffwechselstörungen und schmerzhaften Euterentzündungen. Durch die hochkonzentrierte Fütterung kommt es bei vielen Tiere außerdem zu einer starken Übersäuerung des Pansens und zu schmerzhaften Erkrankungen der Klauen.

36 Prozent der Kühe lahmen deshalb. Lahmheiten bei Milchkühen haben stark zugenommen und sind nach Fruchtbarkeitsproblemen und Eutererkrankungen der dritthäufigste Grund, warum Kühe aufgrund von Krankheiten aussortiert und geschlachtet werden. Eine Milchkuh wird heute in Österreich im Schnitt nicht älter als sieben Jahre – und das, obwohl ein Rind erst mit fünf Jahren ausgewachsen ist und die natürliche Lebenserwartung von Rindern eigentlich bei etwa 20 Jahren liegt. 

bis zu 12.000 Liter Milch im Jahr

geben Hochleistungskühe. Vergleichbar ist diese körperliche Leistung mit einem Spitzensportler, der jeden Tag einen Marathon laufen muss.

Was Sie tun können

Wie Sie tierfreundliche Milchkuhhaltung unterstützen:

  • Informieren Sie sich beim Kauf von Milchprodukten über die Haltungsbedingungen der Tiere und verzichten Sie auf Produkte aus konventioneller Haltung.
  • Bevorzugen Sie stattdessen Produkte aus tierfreundlicher Haltung oder ökologisch erzeugte Produkte.
  • Protestieren Sie gegen qualvolle Haltungsbedingungen.
  • Versuchen Sie, Ihren Milchkonsum einzuschränken.
  • Kaufen Sie vermehrt pflanzliche Alternativen wie Hafer- oder Mandelmilch oder Produkte aus diesen. Mittlerweile gibt es eine große Auswahl an veganer „Milch“, veganem „Joghurt“ oder „Käse“.
  • Fragen Sie auch in Restaurants und Cafés nach der Herkunft der verwendeten Milch oder nach pflanzlichen Alternativen. Viele Gaststätten bieten zum Beispiel Pflanzenmilch statt Kaffeesahne an – oder wären bereit, sie bei entsprechender Nachfrage ins Angebot aufzunehmen.