Fuchs in der Tierart Wildtierstation

Meilenstein in der Schweiz: Ständerat für Importverbot von Pelzprodukten „aus tierquälerischer Produktion”

VIER PFOTEN: EU-Kommission muss nachziehen, Österreich den Druck erhöhen

Bern/Wien - Der Ständerat, eine der beiden Kammern des Schweizer Parlaments, hat sich gestern mit überwältigender Mehrheit (43 zu 1 Stimmen) für ein Importverbot von Pelzprodukten „aus tierquälerischer Produktion“ ausgesprochen. Als letzten verfahrensrechtlichen Schritt braucht es noch die Schlussabstimmung am 2. Oktober in beiden Räten, also auch im Nationalrat. Diese Abstimmung gilt weitgehend als Formsache, da der Nationalrat das Verbot bereits im Herbst 2025 befürwortet hatte und sich nun nur noch mit geringfügigen Änderungen befasst. Für VIER PFOTEN ist das ein Meilenstein. Die Tierschutzorganisation, die in der Schweiz eine Niederlassung hat, setzt sich seit Jahrzehnten für ein generelles Verbot von Import und Produktion von Pelzprodukten ein. In Österreich war der Kampf gegen die Pelzproduktion – damals gab es hierzulande noch Pelzfarmen – eine der ersten Kampagnen von VIER PFOTEN nach der Gründung 1988.

„Diese Abstimmung ist ein unglaublicher Erfolg für den Tierschutz und ein starkes Signal gegen die industrielle Pelztierhaltung und den Pelzhandel in ganz Europa. Die Schweiz geht hier mit gutem Beispiel voran, und wir fordern die Europäische Kommission auf, diesem Beispiel zu folgen. Die EU muss endlich ein vollständiges Zucht- und Verkaufsverbot für eine Branche erlassen, die immenses Tierleid verursacht, Risiken für die öffentliche Gesundheit birgt und im Übrigen in der EU von geringer wirtschaftlicher Bedeutung ist“, sagt VIER PFOTEN Kampagnenleiterin Veronika Weissenböck.

Dieser Entwurf des Schweizer Bundesrates, der Regierung des Landes, stützt sich auf die Prinzipien der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH), einschließlich des so genannten „Five-Domains“-Modells, das Ernährung, Umwelt, Gesundheit, Verhalten und mentalen Zustand als Schlüsselelemente des Tierwohls anerkennt.

Der Ständerat hat den Gesetzesvorschlag trotz der Versuche der Pelzbranche, ihn deutlich abzuschwächen, angenommen. Die Branche wollte die Kontrolle darüber, was als "tierquälerisch" gilt, an private bzw. branchennahe Institutionen auslagern. „Dass der Ständerat heute dieses Schlupfloch rigoros abgelehnt und die Kontrollen fest in staatlicher Hand belassen hat, bedeutet: Das Gesetz behält seine Zähne“, sagt Weissenböck. Das Importverbot wird voraussichtlich am 1. Juli 2029 in Kraft treten.

Evidenz spricht eindeutig für Verbot

Im Juli 2025 kam die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zu dem Schluss, dass Tierwohl in der Käfighaltung – auf der die gesamte Pelztierhaltungsbranche nach wie vor basiert – selbst unter Einhaltung besserer Standards nicht gewährleistet werden kann. Eine im Oktober 2025 veröffentlichte unabhängige wirtschaftliche Analyse ergab, dass sich der europäische Pelzsektor in einem massiven Niedergang befindet und wirtschaftlich nicht tragfähig ist. Im August 2025 wurde der Amerikanische Nerz – eine der wichtigsten für die Pelzproduktion gezüchteten Arten – in die EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten aufgenommen, was die ökologischen Risiken dieser Branche unterstreicht. Zudem fordert eine wachsende Zahl von Expert:innen ein Verbot, um Risiken für die öffentliche Gesundheit zu verringern; dies wird durch zahlreiche Ausbrüche während der Covid-Pandemie sowie durch Ausbrüche der hochpathogenen Vogelgrippe in Pelztierfarmen belegt. Heutzutage wird Pelztierhaltung nur noch in einigen wenigen EU-Mitgliedstaaten betrieben, während der Handel damit jedoch im gesamten Binnenmarkt fortgesetzt wird. In Österreich ist die Pelztierhaltung bereits seit 2005 bundesweit verboten, Import und Handel sind aber freilich ebenso weiterhin legal.

„Unsere Forderung ist durchaus auch an die österreichische Politik gerichtet: Sie muss sich gegenüber der EU-Kommission an vorderster Front dafür einsetzen, dass ein EU-weites Verbot endlich beschlossen wird. Der Druck muss deutlich erhöht werden“, sagt Veronika Weissenböck.

Maderhund im Käfig

Unser Kampf gegen Pelz


VIER PFOTEN setzt sich seit seiner Gründung im Jahr 1988 für die Abschaffung der Pelzindustrie ein

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Über VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler und Freund:innen in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Heim-, Nutz- und Wildtiere – wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans – aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Kambodscha, im Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA und Vietnam sowie 13 Schutzzentren und Partnerprojekten für notleidende Tiere sorgt VIER PFOTEN weltweit für rasche Hilfe und langfristige Lösungen.

 

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