Hund in einem Zwinger in Rumänien

Undercover-Recherche in rumänischen Hunde-Tierheimen zeigt schockierende Missstände

VIER PFOTEN: Kranke, abgemagerte und verwahrloste Tiere mit offenen Wunden und keinem Zugang zu Wasser

Bukarest/Wien - VIER PFOTEN hat im Zuge einer Undercover-Recherche schockierende Missstände in rumänischen Tierheimen aufgedeckt. Von neun öffentlichen Tierheimen, die Anfang des Jahres besucht wurden, entsprach die Mehrheit nicht den Mindeststandards für Tierschutz. Stattdessen fanden die Ermittler:innen ehemalige Streunerhunde in erbärmlichem Zustand vor: Sie waren abgemagert, fraßen ihren eigenen Kot, litten unter unbehandelten offenen Wunden und lebten zumeist in verschmutzten, viel zu kleinen Zwingern ohne ausreichenden Schutz vor Kälte oder Zugang zu Wasser. Diese Zustände spiegeln sich auch in der hohen Sterblichkeitsrate wider. Generell sind Tötungen von Streunerhunden nach einer Frist von 14 Tagen in einem Tierheim nach wie vor legal. Um dem Leid ein Ende zu setzen, fordert VIER PFOTEN die rumänischen Behörden auf, das systematische Einfangen und Töten der Tiere zu stoppen und stattdessen auf ein humanes Management mit Fokus auf Prävention, also Kastrationen, zu setzen.

„Es ist herzzerreißend, Hunde in öffentlichen Tierheimen unter erbärmlichen Bedingungen leiden zu sehen, während Millionen an Steuergeldern diese systematischen Missstände finanzieren. Das derzeitige Management der Streunerpopulation in Rumänien ist ganz klar gescheitert. Wir fordern eine Ende des massenhaften Einsperrens in engen Zwingern und der Tötung von Hunden. Die Regierung muss ihre Politik ändern und endlich humane und nachhaltige Methoden der Geburtenkontrolle durch Kastration etablieren, wie sie in vielen Ländern bereits erfolgreich und auch mit Hilfe von VIER PFOTEN etabliert wurden. Außerdem muss ein höheres Bewusstsein der Bevölkerung für verantwortungsvolle Tierhaltung gezielt gefördert werden“, sagt Manuela Rowlings, bei VIER PFOTEN für Streunertiere verantwortlich.

Eine Kultur der Vernachlässigung

In allen untersuchten Einrichtungen fanden die Ermittler:innen dieselben besorgniserregenden Zustände vor. So war die Fütterung unzureichend: Die Hunde erhielten meist nur Trockenfutter, das oft einfach direkt auf den Boden gestreut wurde, viele waren sichtbar untergewichtig. Auch der Zugang zu Trinkwasser war mangelhaft. In der Hälfte der besuchten Tierheime waren die Wassernäpfe eingefroren, in anderen waren sie leer. Die Gehege waren häufig mit Kot verschmutzt und überfüllt, was zu Aggressionen und Kämpfen unter den Hunden führte. Ein Hund hatte sich aufgrund der extremen Stresssituation sogar Teile seines Schwanzes abgebissen. Die Hunde litten zudem unter Haut- und anderen Krankheiten und wurden dennoch in vielen Fällen nicht von der Gruppe getrennt. Die Ermittler:innen stellten außerdem fest, dass die Hunde weder routinemäßig gegen Tollwut geimpft noch bei ihrer Ankunft kastriert wurden, was das ohnehin schon gravierende Problem der Überpopulation verschärfte. Einige wenige Tierheime erfüllten die Mindeststandards für Tierschutz nur dank des privaten Engagements einzelner Mitarbeiter, die auf eigene Kosten zusätzliches Futter kauften, mit den Hunden Gassi gingen oder sie zur Adoption anboten.

Hund steht auf zugefrorenem Wassernapf

Alarmierende Sterberaten

Die hohen Sterberaten sind alarmierend. Ein besonders erschreckendes Beispiel ist das Tierheim Brăila City, in dem 2024 etwa 40 Prozent der insgesamt 1.035 Hunde starben, obwohl die Einrichtung keine Hunde euthanasiert. Im Tierheim Focasani wurde 2024 jeder zweite Hund (56 Prozent) eingeschläfert, 24 Prozent der insgesamt 1.114 Hunde starben eines „natürlichen“ Todes.

Hunde drängen sich am Zaun

Adoptionen nicht erwünscht

Die Recherche ergab außerdem, dass viele Tierheime nur sehr widerwillig Hunde zur Adoption freigeben. Die Hunde hatten weder Auslauf durch Mitarbeiter:innen oder Externe noch wurden sie auf eine Adoption vorbereitet. Stattdessen verbrachten sie ihre gesamte Zeit in kargen Zwingern, in denen es keine Beschäftigungsmöglichkeiten gab. In einigen Tierheimen verhielten sich die Mitarbeiter sogar feindselig gegenüber den Ermittler:innen, die sich als Interessent:innen für eine Adoption ausgaben. Adressen und Öffnungszeiten der Tierheime sind generell oft falsch oder schwer zu finden, und Anrufe bleiben unbeantwortet. Dies erschwert es Interessent:innen, Informationen über Hunde, die ein Zuhause suchen, und über den Adoptionsprozess zu erhalten.

scheuer Hund

Mangelnde Transparenz

Die Untersuchung befasste sich auch mit den öffentlichen Ausgaben für alle öffentlichen Tierheime in Rumänien sowie mit der Gesamtzahl der Hunde, die das System durchlaufen. Hierzu wurden Daten gemäß dem Informationsfreiheitsgesetz angefordert. Die zur Verfügung gestellten Daten zu Finanzierung, Aufnahme und Euthanasie von Hunden stimmten mit den öffentlich zugänglichen Informationen überhaupt nicht überein.

Hintergrund

Mit rund 500.000 streunenden Hunden und noch viel mehr Katzen hat Rumänien eine der größten Streunerpopulationen Europas. Um Einblicke in das rumänische Tierheimsystem zu gewinnen, initiierte VIER PFOTEN diese landesweite Untersuchung und recherchierte Daten durch offizielle Anfragen sowie Undercover Besuche in neun öffentlichen Tierheimen (Arad, Barlad, Brăila, Focsăsăni/Golesti, Galați, Hunedoara, Rămnicu-Sarat, Reșița, Tanganu). Ursprünglich waren zehn Tierheime für eine verdeckte Untersuchung ausgewählt worden, doch das Tierheim in Barlad verweigerte den Ermittlern jegliche Auskunft und den Zutritt, obwohl es Hunde zur Adoption anbietet. Die Recherche umfasste Ernährung, Haltungsbedingungen, Gesundheit, Verhalten und psychischem Zustand der Hunde. Diese Initiative ist Teil der kontinuierlichen Bemühungen von VIER PFOTEN, Veränderungen für Streunertiere in Rumänien zu bewirken. Die Tierschutzorganisation engagiert sich seit 1999 aktiv für den Schutz von Streunern in Rumänien.

Tierheimhund in Not

Jeder Betrag hilft!


Streuner in Not brauchen Ihre Hilfe

jetzt spenden
Mag. Elisabeth Penz

Mag. Elisabeth Penz

Press Officer Austria

elisabeth.penz@vier-pfoten.org

+ 43 (0)1 895 02 02 - 66

+ 43 (0)664 3086303

VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Linke Wienzeile 236, 1150 Wien

Über VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler und Freund:innen in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Heim-, Nutz- und Wildtiere – wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans – aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Kambodscha, im Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA und Vietnam sowie 13 Schutzzentren und Partnerprojekten für notleidende Tiere sorgt VIER PFOTEN weltweit für rasche Hilfe und langfristige Lösungen.

 

Informationen dazu und zu weiteren VIER PFOTEN Aktivitäten erhalten Sie laufend und, wann immer möglich, in Echtzeit auf unseren Social Media Kanälen:

InstagramFacebook, WhatsApp, Youtube und LinkedIn

Jetzt teilen!

Suche