Schiffstransporter von Tieren

Tier-Tragödie bei Schiffstransport: Waldviertler Transportunternehmen muss vor Gericht

VIER PFOTEN: Verantwortliche müssen zur Rechenschaft gezogen werden.

Krems/Wien - Die Tier-Tragödie bei einem Schiffstransport von Uruguay in die Türkei vergangenes Jahr, bei der fast 3.000 teils trächtige Rinder unfassbare Qualen erleiden mussten und Hunderte Tiere starben, hat für das Waldviertler Transportunternehmen nun Konsequenzen: Nach der so genannten bereicherungsrechtlichen Klage eines türkischen Importeurs wird sich das Waldviertler Unternehmen Agro Breeding GmbH von Christian Klinger am 10. November 2026 vor Gericht verantworten müssen. Das türkische Unternehmen wirft der Agro Breeding GmbH vor, für einen Teil der Tiere keine Importbewilligung gehabt und sie darüber hinaus zwei Monate zu spät verschifft zu haben. Dabei geht es um Rückforderungen in Millionenhöhe. VIER PFOTEN kritisiert, dass in dieser Angelegenheit das Leid der betroffenen Tiere keine Rolle spielt, sondern es ausschließlich um ökonomische Interessen geht. Die Tierschutzorganisation fordert ein Verbot von Tiertransporten auf Schiffen sowie ein generelles Verbot von Tiertransporten in EU-Drittstaaten. Passend dazu ist das Timing: Dieses Wochenende, am 14. Juni, ist der Internationale Tag gegen Tiertransporte.

„Wir wollen sicherstellen, dass die Verantwortlichen für dieses unnötige Martyrium zur Rechenschaft gezogen werden. Schließlich wurden Lebewesen und keine Waren transportiert. Hunderte Tiere sind gestorben, aufgrund der Verspätung mussten viele hochträchtige Rinder die Reise antreten. Von den mehr als 100 Kälbern, die an Bord geboren wurden, dürfte ein beträchtlicher Teil nicht überlebt haben. Die Zustände waren katastrophal: Die Tiere mussten neun Wochen an Bord ausharren, standen kniehoch in ihren Fäkalien und litten Hunger und Durst. Es kann nicht sein, dass es für die Verantwortlichen hier keine Konsequenzen gibt“, sagt VIER PFOTEN Kampagnenleiterin Veronika Weissenböck.

Das Problem bei internationalen Tiertransporten ist, dass sie praktisch in einem rechtsfreien Raum stattfinden. Denn es gibt kein internationales Tierschutzgesetz. Die Standards der World Organisation for Animal Health sind nicht bindend. Aber auch österreichisches und EU-Recht sind aus Tierschutzsicht völlig unzureichend.

„ Vor allem bei Schiffstransporten zeigen sich erhebliche Defizite im Tierschutz, die sowohl auf regelmäßige Verstöße gegen das geltende Recht als auch auf niedrige gesetzliche Mindeststandards zurückzuführen sind. Denn leider ist der Handel mit Lebendvieh nur lukrativ, wenn Tierschutz, Sicherheit und Arbeitsbedingungen an Bord keine Rolle spielen”, sagt Weissenböck.

2024 wurden 3,06 Millionen lebende Tiere aus der EU in die MENA-Region exportiert, also in den Nahen Osten und nach Nordafrika. Das entspricht zwei Dritteln aller EU-Exporte. Diese Transporte finden hauptsächlich per Schiff statt.

Österreich hat 2025 8.029 Rinder in die MENA-Region exportiert (7.903 davon nach Algerien, 126 nach Tunesien). 10.092 Rinder, Schweine, Ziegen und Schafe (u.a. Aserbaidschan, Usbekistan etc.) sowie 528.890 Geflügeltiere wurden insgesamt in EU-Drittstaaten transportiert.

Derzeit wird in der EU die Tiertransportverordnung überarbeitet, die Verhandlungen hinter den Kulissen sind aber ins Stocken geraten. Der Vorschlag der EU-Kommission war dem Parlament und dem EU-Rat vorgelegt worden, wo aufgrund von tiefen politischen Spaltungen die Verhandlungen stagnierten. VIER PFOTEN drängt auf umfassende Verbesserungen für die Tiere. „Wir erwarten, dass die Akteure endlich in die Gänge kommen und Nägel mit Köpfen machen. Wir hoffen, dass es nicht weitere Tragödien braucht, damit endlich ein Verbot von Tiertransporten auf Schiffen sowie ein generelles Verbot von Tiertransporten in EU-Drittstaaten beschlossen wird. Die EU hat es in der Hand, derart krasse Fälle von Tierleid innerhalb der EU ein für alle Mal zu verhindern“, sagt VIER PFOTEN Kampagnenleiterin Weissenböck.

Kälber auf einer Weide

Viele Millionen Tiere erleiden Höllenqualen


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VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler und Freund:innen in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Heim-, Nutz- und Wildtiere – wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans – aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Kambodscha, im Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA und Vietnam sowie 13 Schutzzentren und Partnerprojekten für notleidende Tiere sorgt VIER PFOTEN weltweit für rasche Hilfe und langfristige Lösungen.

 

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