Braunbär im Blagoevgrad Zoo in Bulgarien

VIER PFOTEN stellt veterinärmedizinische Unterstützung für den Zoo Blagoevgrad in Bulgarien zur Verfügung

#ChangeForZooAnimals

In Zusammenarbeit mit dem Zoo Blagoevgrad und der Gemeinde Blagoevgrad hat VIER PFOTEN den Zoo bei der Behandlung von zwei männlichen Bären, Yancho und Borko, unterstützt. Der Wildtierarzt Marc Gölkel vom Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research (IZW), mit dem VIER PFOTEN zusammenarbeitet, hat Maßnahmen zur Geburtenkontrolle durchgeführt. Damit soll ein verantwortungsvolles Management durch Planung und effektive Reproduktionskontrolle der Tiere unterstützt und gleichzeitig die bestehenden Ressourcen und Kapazitäten berücksichtigt werden. 

Bei den Maßnahmen stand dem IZW-Tierarzt ein Team des Zoos unter Dr. Svetoslav Dimitrov zu Seite, auch der Vertreter des regionalen Direktorats für Nahrungsmittelsicherheit in Blagoevgrad war anwesend. Alles lief ohne Komplikationen, und die nachfolgenden Beobachtungen ergaben, dass beide Bären sich guter Gesundheit erfreuten. 

Tierarzt Marc Goelkel untersucht einen Bären im Zoo von Blagoevgrad, um ihn zu kastrieren.

Planungs- und Kontrollmaßnahmen in der Zucht beugen dem Risiko der Inzucht vor und garantieren, dass keine Bären geboren werden, für die der Zoo nicht die nötige Umgebung und Pflege zur Verfügung stellen kann. 

Hintergrund

Mehr als zehn Jahre schon arbeitet VIER PFOTEN gezielt und engagiert zu Themen, die Zoos in Bulgarien betreffen. In dieser Zeit haben wir immer wieder die Probleme, die bei der Haltung von Großkatzen in den verschiedenen Zoos auftreten, angesprochen. Wir organisierten Vor-Ort-Inspektionen und halfen, sieben Löwen und neun Bären aus bulgarischen Zoos in unsere Schutzzentren und damit in ein artgemäßes Zuhause zu überstellen. 

Ein VIER PFOTEN Bericht zu Zoos in Bulgarien, der 2021 veröffentlicht wurde, zeigte die Missstände und furchtbaren Bedingungen, unter denen Wildtiere im ganzen Land gehalten werden. Jahrelang wurden Tiere in Zoos ohne Lizenz und in Verhältnissen gehalten, die den gesetzlichen Mindestanforderungen nicht entsprachen. 

Die größten systemischen Probleme:

  • Schlechte Haltungsbedingungen, großteils eine Folge einer völlig veralteten Infrastruktur in den Zoos. Tiere leben auf blankem Betonböden in Käfigen oder veralteten Gehegen, ohne angemessenes Beschäftigungsmaterial und ohne hygienische Standards. 
  • Fehlen eines verantwortungsvollen Managements für den Artenschutz, d.h. unkontrollierte Vermehrung, für die keine Ressourcen und Kapazitäten im Zoo vorhanden sind, und die gegenseitige Leihe von Zuchttieren. Zoos müssen Teil eines Artenschutzprogramms sein und artgemäße Haltungsbedingungen anbieten können. 
  • Reproduktion von Tieren derselben Familie (Inzucht), was ein hohes Risiko ernsthafter gesundheitlicher Probleme beim Nachwuchs mit sich bringt. 
  • Fehlende Bildungs-, Forschungs- und Artenschutz-Aktivitäten (Teilnahme an Artenschutzprogrammen und Forschung, Bildungszentren und Infotafeln und das Abhalten von Workshops, Vorträgen und Events für Kinder und Studierende, um das Halten von Wildtieren außerhalb ihres natürlichen Lebensraums zu rechtfertigen). Ein solches Defizit an Aktivitäten steht im Widerspruch zur EU-Zoorichtlinie, die Zoos zu einem Beitrag zu Artenschutz und Biodiversität verpflichtet und den Bildungsauftrag von Zoos in der Gesellschaft vorgibt. 
  • Zoos kommen ihren Lizenzverpflichtungen nicht nach, was auch dazu führt, dass die Bedingungen für die Tiere nicht verbessert werden und sie dadurch viele Jahre unter der schlechten Haltung leiden müssen. 

Der Bericht und die Empfehlungen von VIER PFOTEN für eine Verbesserung der Haltungs- und Pflegebedingungen für Tiere in bulgarischen Zoos wurden der EU-Kommission und den zuständigen nationalen Behörden unterbreitet. Wir konnten mehr als 51.000 Unterschriften für unsere Petition sammeln, in der wir Lösungen für die oben erwähnten Probleme und ein Ende der schlimmen Praktiken seitens des Ministeriums für Umwelt und Wasser und der Besitzer und Manager der Zoos fordern. 

Wir freuen uns, dass unsere #CloseCruelCages Kampagne mehr Bewusstsein seitens der lokalen Entscheidungsträger:innen geschaffen hat und dass einige unserer Empfehlungen aufgenommen wurden, einerseits in den Lizensierungs-Prozessen für Zoos, andererseits auch in den Kriterien für Förderungen im Zeitraum 2021-2027. Alle Gemeinden, in denen es Zoos gibt, haben sich im Rahmen ihrer Planung zur Implementierung diverser Maßnahmen verpflichtet, etwa beim Thema Tierbestand, Reproduktion und Artenschutz, aber auch, was Erweiterungen, Umstrukturierungen und generell eine Verbesserung der Haltungsbedingungen der Tiere betrifft.

Zoo Blagoevgrad

In unserem Zoo-Bericht wird dem Zoo Blagoevgrad beschieden, dass er sehr viel Verbesserungspotenzial hat. Er erhielt seine Lizenz 2021, allerdings mit unerfüllten Auflagen aus den vorhergehenden Lizenzen. Daher werden die Tiere weiterhin unter schlechten Bedingungen gehalten. Darunter sind etwa:

  • Zu wenig Grünflächen und zu wenig Beschäftigungsmaterial für die Löwen 
  • Keine geeignete Umgebung bzw. Gehege für das Amerikanische Bison 
  • Unzureichende Standards bei anderen Tierarten wie Wildschweinen, diversen Affenarten und Fasanen 
  • Fehlende Teilnahme an Forschungs- und Bildungsaktivitäten 

Einiges wurde bereits verbessert. Seit 2025 werden das Amerikanische Bison, der Mantelpavian, Wildschweine und Fasane nicht mehr im Zoo gehalten. Für Pflanzenfresser wurde ein neuer Bereich geschaffen, Beschäftigungsmaterial für Löwen eingeführt und die Ernährung sämtlicher Tiere verbessert. Der Entwicklungsplan des Zoos Blagoevgrad 2025-2034 verdeutlicht die unzureichenden Bedingungen für die Tiere und zeigt die geplanten Verbesserungen bei Infrastruktur und den Gehegen, um letztere artgemäßer zu gestalten. Die Zucht von Bären oder Löwen ist nicht mehr geplant, ebenso wenig die Aufnahme anderer großer Beutegreifer. 

Team in Bulgarien zur Unterstützung der Kastration der Bären im Zoo von Blagoevgrad

Die erfolgreiche Implementierung der medizinischen Abläufe im Oktober 2025 ist ein wichtiger erster Schritt hin zu einer wirklichen Wende und zeigt, dass das gemeinsame Ziel von VIER PFOTEN und dem Zoo Blagoevgrad, das Wohl der Zootiere zu verbessern, realistisch ist. Wir hoffen, dass dies der Beginn einer Kooperation ist, die die wichtigsten Empfehlungen aus dem VIER PFOTEN Bericht umsetzt. Die wichtigsten davon sind ein Ende der Haltung von großen Beutegreifern unter unzureichenden Bedingungen, strenge Kontrollen der Lizenzen bzw. der Einhaltung von Standards, den Lebensraum der Tiere mit gezielten Investitionen und Trainings zu verbessern sowie eine aktive Teilnahme an Artenschutz- und Bildungsaktivitäten.  

VIER PFOTEN wird die Entwicklung und die Umsetzung der gesteckten Ziele laut Planungsdokumenten im Sinne von #ChangeForZooAnimals weiter beobachten. 

Löwenjunges in einem Käfig mit Betonboden in einem Zoo in Bulgarien

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