Alpaka auf dem Bioland Betrieb Lindenhof bei Neu Ulm

Alpaka- und Lamawanderungen

Wanderungen mit Alpakas und Lamas erfreuen sich großer Beliebtheit. Wir zeigen, worauf Sie als Tierfreund:in achten sollten!

Alpakas und Lamas wirken auf den ersten Blick ruhig, freundlich und gutmütig – Eigenschaften, die sie für Freizeitaktivitäten, wie gemeinsame Wanderungen, attraktiv erscheinen lassen. Diese Wahrnehmung und vermeintlich äußere Erscheinung führen jedoch häufig zu einer Fehleinschätzung der tatsächlichen Bedürfnisse und Belastungsgrenzen der Tiere. 

Alpakas

Alpakas sind von Natur aus Fluchttiere mit einem vorsichtigen, zurückhaltenden Charakter und reagieren in Stresssituationen nicht mit offensichtlicher Gegenwehr oder typischen Stresszeichen, sondern mit starker innerer Anspannung oder vermeintlich plötzlichen Fluchtreaktion. Das heißt Stress und Angst sind bei Alpakas häufig nicht sofort sichtbar, können aber erhebliches (vor allem inneres) Leiden verursachen.

Viele der Tiere sind oft nicht oder nur unzureichend an engen menschlichen Kontakt gewöhnt. Dazu kommt, dass die Tiere  regelmäßig negative Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, etwa durch die für sie sehr belastende Schur, bei der sie auf flachem Untergrund angebunden und/oder manuell runtergedrückt werden. Dies kann sogar noch durch grobe oder unsachgemäße Handhabung und schmerzhafte Verletzungen nach Abwehrbewegungen verstärkt werden. Solche vorherigen oder aktuellen negativen Erlebnisse können zu anhaltender Angst, Verunsicherung und Leiden führen, auch wenn dies nach außen nicht (sofort) sichtbar ist. Herkunft und Haltungsbedingungen sind entscheidend für das Wohlbefinden der Tiere.

Alpaka auf dem Bioland Betrieb Lindenhof bei Neu Ulm

Alpakas leben stark hierarchisch organisiert und stammen aus in teils mit Feuchtgebieten durchzogenen Hochebenen mit hohem Eiweißgehalt im Futter. Sie haben daher sehr spezielle Ernährungsbedürfnisse und diese sind dementsprechend in Mitteleuropa schwer zu erfüllen. Dazu kommt, dass in Stresssituationen in der Gruppenhaltung, zum Beispiel bei der Fütterung rangniedrige Tiere leicht verdrängt werden können und die Tiere oft mangelernährt sind. Des Weiteren kann es zu sozialem Stress kommen, wenn bei den Wanderungen die verschieden ranghohen Tiere zu eng beieinander geführt werden oder immer wieder ranghohe und -niedrige Tiere kombiniert werden. Oder wird beispielsweise ein Alpaka allein oder nur mit einem weiteren Tier geführt, verstärkt dies aufgrund der starken Herdenbindung häufig Unruhe und Nervosität bei den Tieren. 

Obwohl Alpakas oft als ideale Tiere für Trekkingangebote dargestellt werden, zeigt die Praxis, dass sie für längere Wanderungen oder anspruchsvolles Gelände kaum geeignet sind. Zudem sind Alpakas keine Lastentiere; sie können kaum Gewicht tragen und eignen sich somit auch nicht für Packtouren. Ihre Körperkonstitution ist nicht auf langandauernde, gleichmäßige Bewegung ausgelegt, vielmehr bevorzugen sie kurze, ruhige Wege mit vielen Pausen. Steile Anstiege, felsige Passagen oder sehr lange Wandertage führen rasch zu Überforderung. Dazu lassen sich Alpakas zwar mit positivem Training an das Gehen am Halfter gewöhnen, bleiben jedoch dauerhaft sensibel gegenüber ungewohnten Situationen, neuen Umgebungen oder unerwarteten Geräuschen. Auf Wanderungen kann dies dementsprechend zu erheblichem Stress, Unsicherheit oder sogar Panik-/Fluchtreaktionen führen, die plötzliche Unfälle oder Verletzungen der Teilnehmer:innen begünstigen können.

Zusammengefasst, kann dauerhafter Stress bei Alpakas zu schweren gesundheitlichen Problemen führen; in extremen Fällen kommt es zu einem Kollaps, kurzzeitiger Bewusstlosigkeit oder zum Tod infolge stressbedingter Magengeschwüre. Ihre generelle Eignung für die immer beliebter werdenden Alpakawanderungen ist also mehr als fragwürdig.

Lamas

Oft werden Alpakas und Lamas zusammen gehalten und für Wanderungen eingesetzt und/oder es wird Lama Trekking Wandern angeboten. Grundsätzlich gilt jedoch auch bei Lamas, dass ihre Eignung stark vom Umgang, der Haltung und der konkreten Durchführung abhängt, etwa ob beim Wandern ausreichend Pausen gemacht werden und ob die Tiere die Situation sichtbar entspannt und stressfrei bewältigen. 

Ursprünglich stammen Lamas aus kargen, bergigen Regionen und haben speziell angepasste Ernährungsweisen an diese Umgebung, leben jedoch in Mitteleuropa unter völlig anderen Umwelt- und Haltungsbedingungen – zum Beispiel Parasiten und andere Krankheiten in Europa stellen für sie mitunter große Probleme dar, was zu einem erhöhten, dauerhaften Grundstress führt.

Lamas schauen in die Kamera

Lamas sind größer und in der Regel ruhiger als Alpakas und besitzen von ihrer Konstitution her eine etwas bessere Eignung für längere Strecken sowie gegebenenfalls das Tragen leichter Lasten, dennoch bleiben sie sensible Herdentiere. Ihre beeindruckende Größe kann zudem bei Menschen Unsicherheit auslösen, was den Stress für die Tiere weiter erhöht. Auch bei Lamas ist daher kritisch zu hinterfragen, ob sie wirklich freiwillig und unbelastet an den Wanderungen teilnehmen oder ob der Einsatz ausschließlich menschlichen Vorlieben und Erwartungen folgt.

Insgesamt zeigt sich, dass Alpakas und Lamas nur mit speziellem Wissen und Management langfristig in gutem Tierwohlergehen in Europa gehalten werden können. Daraus folgend sind zusätzliche Wanderungen mit den Tieren nur in sehr eingeschränktem Rahmen und unter strengen tierwohlorientierten Bedingungen vertretbar. In vielen Fällen überwiegen jedoch die Risiken für das körperliche und psychische Wohlbefinden der Tiere (und damit auch das Unfallrisiko für potentielle Wander-Teilnehmer:innen), sodass solche Angebote größtenteils kritisch zu bewerten und aus Tierschutzsicht problematisch einzustufen sind.

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