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Apathisches Büffel-Kalb aus Vollspaltenboden

Erneut schwere Missstände auf Italiens Büffelfarmen

24.10.2019

VIER PFOTEN Supermarktumfrage: Büffelmozzarella nicht so edel wie sein Ruf

Wien/Battipaglia (Kampanien) - VIER PFOTEN macht abermals auf die verheerenden Tierschutzmängel auf vielen Büffelfarmen in Italien aufmerksam. Neues Material, das der Organisation zugespielt wurde, zeigt abgemagerte und kranke Tiere in verdreckten Ställen. Diese Zustände zeichnen ein wenig luxuriöses Bild des weltweit beliebten Edelprodukts ‚Mozzarella di Bufala Campana DOP‘. Im Rahmen einer aktuellen Umfrage hat VIER PFOTEN die Maßnahmen von 13 Supermarktketten im deutschsprachigen Raum für mehr Tierwohl bei der Büffelhaltung bewertet. In Österreich zeigt sich, dass die Supermärkte ihre Bemühungen um Mindeststandards in den letzten Jahren stark verbessert haben. Dennoch kann VIER PFOTEN Büffelmozzarella nach wie vor nicht mit gutem Gewissen empfehlen.

Büffelmozzarella als Edelprodukt - danach sieht diese Haltung nicht aus

„Die Zustände auf den Farmen sind schockierend. Supermärkte, Händler und Produzenten vermarkten Büffelmozzarella als hochwertiges Produkt. Dann müssen aber auch die Haltungsbedingung entsprechend hochwertig sein“, sagt Nina Jamal, Leiterin der Nutztierkampagnen bei VIER PFOTEN.

VIER PFOTEN hat bei Spar, REWE und Hofer Tierwohlkriterien, Kontrollen und die Rückverfolgbarkeit in der Lieferkette abgefragt. „Positiv ist, dass der Handel einige konkrete Maßnahmen in die richtige Richtung gesetzt hat“, sagt Jamal. „Leider zeigen die Bedingungen vor Ort aber, dass die Büffelhaltung nach wie vor von einem Top-Standard weit entfernt ist.“ Zum derzeitigen Zeitpunkt rät VIER PFOTEN daher jenen Konsumenten, die nicht auf Mozzarella verzichten wollen, auf Bio-Produkte aus Kuhmilch zu setzen.

Seit VIER PFOTEN im Jahr 2014 seine Arbeit zu Büffelmozzarella begann, gab es einige positive Veränderungen. So streben Farmen mittlerweile aus Eigeninitiative bessere Haltungsbedingungen an, und Supermärkte stellen Tierwohlforderungen an ihre Lieferanten. Auf vielen italienischen Büffelfarmen zeichnet sich allerdings noch immer ein grausames Bild ab: Die Tiere werden in kleinen, verdreckten Ställen gehalten, ohne Zugang zu Weideflächen. Oft fehlt den Wasserbüffeln auch Zugang zu Wasser oder Schlamm, in dem sie sich, ihren natürlichen Instinkten entsprechend, baden und abkühlen können. Einige der Tiere waren stark unterernährt.

Vernachlässigte Büffel mit verwachsenen Klauen stehen im Dreck

VIER PFOTEN fordert Supermärkte und Einzelhändler auf, ihre Marktmacht zu nutzen: „Sie sollen eigenständige Kontrollen durchführen“, sagt Jamal. „Außerdem müssen sie viel vehementer auftreten, um die Einhaltung verbindlicher Tierschutzkriterien sowie unabhängige Kontrollen auf den Betrieben durchzusetzen.“

Männliche Kälber als lästiges Abfallprodukt

Bereits im August 2018 machte eine von VIER PFOTEN ebenfalls in Italien durchgeführte Recherche das Leid der männlichen Büffelkälber deutlich. Als wertloses Nebenprodukt betrachtet, werden die Jungtiere oft bewusst vernachlässigt. Sterben sie nicht an den Folgen der schlechten Haltungsbedingungen, werden sie durchschnittlich 30 Tage nach ihrer Geburt geschlachtet. Doch die Situation der männlichen Kälber verbessert sich langsam: Mittlerweile erhalten Bauern laut einer staatlichen Verordnung eine kleine Prämie, wenn sie das Kalb ordnungsgemäß zum Schlachter bringen. Außerdem sorgt eine neue Checkliste der italienischen Regierung dafür, dass die speziellen Tierwohlkriterien für Wasserbüffel bei Kontrollen berücksichtigt werden.

Lebloses Büffel-Kalb wird entsorgt

Das Geschäft mit der Büffelmilch

Kampanien ist mit 90 Prozent der Büffelmilchgewinnung die produktionsstärkste Region Italiens. 74 Prozent der rund 400.000 in Italien lebenden Wasserbüffel werden in Kampanien gezüchtet. Insgesamt gibt es landesweit über 2.200 Büffelfarmen. Die überwiegende Mehrheit davon – 77 Prozent – sind reine Milchproduzenten, 14 Prozent sind reine Fleischproduzenten, und nur neun Prozent nutzen die Tiere sowohl für die Milch- als auch Fleischproduktion. Büffelmozzarella aus Kampanien trägt das DOP-Siegel (Denominazione di Origine Protetta, geschützte Herkunftsbezeichnung) und ist der Exportschlager Zentral- und Süditaliens. Hauptabnehmer des Luxuskäses sind Frankreich, Deutschland,  Großbritannien, USA, Schweiz und Spanien.

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Mag. Elisabeth Penz

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Über VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
VIER PFOTEN ist eine international tätige Tierschutzorganisation mit Hauptsitz in Wien. Die 1988 von Heli Dungler gegründete Organisation hat das Ziel, Tieren in Not mit nachhaltigen Kampagnen und Projekten zu helfen. Grundlagen dafür sind wissenschaftliche Expertise, fundierte Recherchen sowie intensives nationales und internationales Lobbying. Der Fokus liegt auf Tieren, die unter direktem menschlichen Einfluss stehen: Streunerhunden und -katzen, Nutz-, Heim- und Wildtieren wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans aus nicht artgemäßer Haltung. Mit Büros in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Belgien, Bulgarien, Großbritannien, Kosovo, den Niederlanden, Australien, Südafrika, Thailand, der Ukraine, Ungarn, den USA und Vietnam sorgt VIER PFOTEN für rasche und direkte Hilfe für Tiere in Not. www.vier-pfoten.at