
Trotz Hitzewelle werden unzählige Tiertransporte durchgeführt
VIER PFOTEN: Österreichische Gesetzeslage unzureichend, um Tierleid zu verhindern
Wien - In den kommenden Tagen werden in Österreich Temperaturen bis über 35 Grad erwartet, ein Ende der brütenden Hitze ist nicht in Sicht. Mitten in der ersten extremen Hitzewelle des Jahres finden EU-weit unzählige Tiertransporte auf den Straßen oder per Seeweg statt. VIER PFOTEN warnt: Hohe Temperaturen bedeuten für die Tiere nicht nur großen Stress, sondern können sogar lebensgefährlich sein. Die Tierschutzorganisation fordert ein generelles Verbot von Tiertransporten bei Außentemperaturen von über 25 Grad. Damit ist auch die zuständige Staatssekretärin für Tierschutz, Ulrike Königsberger-Ludwig, gefordert, das österreichische Gesetz nachzuschärfen und sich auch EU-weit dafür einzusetzen.
Jährlich werden über 1,5 Milliarden Geflügeltiere und über 46 Millionen lebende Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde grenzüberschreitend innerhalb der EU sowie in und aus Drittstaaten transportiert. Im Jahr 2025 exportierte Österreich 17,3 Millionen und importierte 24,1 Millionen lebende Tiere. Innerhalb Österreichs muss fast jedes Tier, das geschlachtet wird, zumindest einmal im Leben transportiert werden.
In der EU sind Tiertransporte über acht Stunden erlaubt, solange die Temperatur in den Fahrzeugen 30 Grad (mit 5 Grad Toleranz nach oben) nicht übersteigt. Bei kürzeren Strecken, also auch innerhalb Österreichs, gibt es überhaupt keine Obergrenze.
„Tieren fehlt wortwörtlich die Luft zum Atmen“
VIER PFOTEN Kampagnenleiterin Veronika Weissenböck: „Nicht nur die EU-Transportverordnung, sondern auch das österreichische Tiertransportgesetz ist völlig unzureichend und bedeutet daher für die Tiere eine einzige Tortur. Es ist ein unglaublicher Missstand, dass nach wie vor Langstreckentransporte u.a. in Drittstaaten genehmigt werden, obwohl auf der Strecke Temperaturen von bis zu 30 Grad und mehr zu erwarten sind. Erst bei Temperaturen über 30 Grad müssen die Transporte beispielsweise in der Nacht durchgeführt werden. Und dass auf Kurzstrecken überhaupt keine Temperaturregelungen gelten, ist einfach ein Witz und bringt Tiere unnötig in Lebensgefahr. Den Tieren fehlt wortwörtlich die Luft zum Atmen!“
„Kommt ein Tiertransport zum Stehen, zum Beispiel wegen Stau oder Wartezeiten, steigen die Temperaturen im Fahrzeug schnell um mehrere Grad. Zusätzlich produzieren die Tiere in den Fahrzeugen Wärme. Die Temperatur im Inneren ist deshalb fast immer höher als in der Umgebung. Die bei Langstrecken verpflichtenden Ventilatoren in den Lkws können im besten Fall die Luft bloß austauschen, nicht aber die Temperatur wirksam senken. Eine Senkung der Obergrenze von den bisher geltenden 30 Grad auf Außentemperaturen von zumindest 25 Grad wäre hoch an der Zeit. Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig kann damit auch ein wichtiges Signal an die EU senden, wo derzeit die EU-Tiertransportverordnung verhandelt wird, und sich für deutlich strengere Regeln einsetzen, die Tiere tatsächlich wirksam vor Hitze schützen“, so Weissenböck.
Hitzestress kann sehr schnell zum Herz-Kreislaufkollaps und damit auch zum Tod führen. Schweine können nicht schwitzen und regulieren ihre Körpertemperatur durch Baden, Wälzen und Suhlen, was auf Transporten natürlich unmöglich ist. Sie leiden dadurch schnell an Hitzestress.
Aber auch für Rinder ist ein Transport bei Hitze eine Qual. „Rinder haben eigentlich eine Wohlfühltemperatur von nicht mehr als 15 Grad. Kaum auszudenken, wie es ihnen ab 25 Grad auf einem Transporter geht. Rinder unter Hitzestress leiden an Muskelzittern, -krämpfen, Atemlähmung und schließlich sogar Kreislaufversagen, bis hin zum Tod“, erklärt VIER PFOTEN Kampagnenleiterin Weissenböck. Das betrifft vor allem viele österreichischen Zuchtrindertransporte in EU-Drittstaaten: 2025 wurden 9.399 Rinder exportiert, vor allem in Länder wie Algerien oder Aserbaidschan, wo die Temperaturen in der Regel höher als in Österreich sind.
Die optimale Temperatur für Geflügel im Stall ist 17 bis 20 Grad. Bei Hitzestress zeigen Hühner Schnabelatmung, was nichts anderes als ein Hecheln mit etwa 250 Atemzügen pro Minute ist. Sie spreizen die Flügel, um Wärme abzugeben – wofür aber natürlich in den engen Transportkisten, in die sie gepfercht werden, kein Platz ist.
„Wir sprechen von einem System, das in den letzten Jahrzehnten völlig außer Kontrolle geraten ist. Wir müssen wieder Verantwortung für unsere Tiere als fühlende Lebewesen übernehmen. Es kann nicht sein, dass wir sie im 21. Jahrhundert systematisch und ganz legal quälen“, so Weissenböck abschließend.
Wer an heißen Tagen einen Tiertransporter sieht, sollte aufmerksam bleiben und bei Anzeichen von Überhitzung rasch handeln. Wirkt ein Transporter verlassen, steht er im Stau und zeigen die Tiere deutliche Stresssymptome – etwa Apathie, Hecheln, Flügelabspreizen oder das Lecken an Metallstangen –, ist sofort die Polizei zu verständigen. Innerhalb kurzer Zeit kann Hitze für Schweine, Rinder oder Geflügel lebensbedrohlich werden. Wichtig ist auch, Beweise zu sichern: Fotos oder Videos des Kennzeichens, der Tiere und der Wasserversorgung helfen den Behörden, Missstände nachzuverfolgen. Zusätzlich sollten Hinweise an das zuständige Veterinäramt und die zuständige Tierschutzombudsstelle gemeldet werden.

Mag. Elisabeth Penz
Press Officer Austriaelisabeth.penz@vier-pfoten.org
VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
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Über VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler und Freund:innen in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Heim-, Nutz- und Wildtiere – wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans – aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Kambodscha, im Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA und Vietnam sowie 13 Schutzzentren und Partnerprojekten für notleidende Tiere sorgt VIER PFOTEN weltweit für rasche Hilfe und langfristige Lösungen.
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