
VIER PFOTEN arbeitet mit einem lokalen Partner im Libanon zusammen, um Tieren in Zeiten des Konflikts zu helfen
In den vergangenen vier Monaten haben VIER PFOTEN und Animals Lebanon gemeinsam daran gearbeitet, Tieren zu helfen, die vom anhaltenden Konflikt betroffen sind.
Von Beginn des Konflikts an war den Menschen im Libanon klar, dass diese Krise anders verlaufen würde. Am 2. März eskalierte der Konflikt rasch, und allein am ersten Tag wurden mehr als 30.000 Menschen vertrieben. Zwei Wochen später waren bereits eine Million Menschen aus dem Süden des Landes geflohen.
Trotz vereinzelter Hoffnungszeichen auf ein baldiges Ende des Konflikts werden viele Menschen weiterhin vertrieben, ganze Dörfer werden zerstört, und die Kämpfe dauern an. Für die Bevölkerung im Libanon ist dies eine verheerende Situation, für Tiere eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes. Bereits in den ersten Wochen wurden Tausende sogenannte Nutztiere als verendet gemeldet, während streunende Tiere verletzt, verängstigt und in verlassenen Städten und Dörfern ohne Zugang zu Nahrung zurückblieben.
Tiere wieder mit ihren Familien vereinen
In den ersten Tagen und Wochen bestand der dringendste Handlungsbedarf darin, möglichst viele Tiere zu retten. Viele wurden vermisst, wurden eingeschlossen, verletzt oder zurückgelassen, als Menschen ihre Häuser verlassen mussten. Teams unseres Partners Animals Lebanon kehrten in die betroffenen Gebiete zurück und durchsuchten Häuser, Gebäude und Straßen nach Tieren, die Hilfe benötigten.
Die Tiere wurden geborgen, versorgt und, wenn möglich, mit ihren Familien wiedervereint. Mehr als 60 Tiere konnten gerettet werden, darunter neun Katzen und Hunde, die zu ihren Familien zurückgebracht wurden.
Unterstützung für Familien und ihre Haustiere während der Vertreibung
Mit der Zeit veränderten sich die dringendsten Bedürfnisse, und eine neue Realität setzte ein. Familien, die gemeinsam mit ihren Tieren geflohen waren, lebten nun in Schulen, Zelten, Gemeinschaftsunterkünften oder improvisierten Notquartieren. Viele Menschen, die ihre Tiere mitnehmen konnten, hatten Schwierigkeiten, weiterhin für sie zu sorgen.
Über unseren Partner vor Ort stellten wir vertriebenen Familien und ihren Haustieren wichtige Hilfsgüter zur Verfügung, darunter Futter, Katzenstreu, Näpfe, Schlafplätze, Transportboxen und Decken. Diese Unterstützung hilft Tierhalter:innen, ihre Tiere auch während ihres Aufenthalts in Notunterkünften zu versorgen.
Insgesamt erhielten 340 vertriebene Familien diese Unterstützung. Darüber hinaus kümmerte sich Animals Lebanon vorübergehend um 63 Tiere, deren Familien sie während der Flucht nicht bei sich behalten konnten. Dadurch konnten die Tiere sicher versorgt werden, während ihre Familien mit den Herausforderungen und Unsicherheiten der Flucht zurechtkommen mussten.
Neue Risiken für Tiere auf der Flucht
Mit der Dauer der Flucht entstanden weitere Herausforderungen. Tiere, die zuvor in ruhigen Haushalten lebten, waren plötzlich von vielen Menschen, anderen Haustieren, streunenden Tieren, Lärm und ständiger Bewegung umgeben.
Menschen, die selbst von der Vertreibung betroffen waren, versuchten gleichzeitig, ihre Tiere ruhig, sauber, gut versorgt und sicher zu halten. Viele Familien kümmerten sich zusätzlich zu ihren eigenen Haustieren auch um streunende Tiere in ihrer Umgebung. Dadurch kam es unter anderem zu Flohbefall, problematischen Begegnungen zwischen Tieren sowie stressbedingten Symptomen wie Gewichtsverlust und Fellverlust.
Im Rahmen der Hilfsmaßnahmen wurden 45 Tiere kastriert, um langfristigen Herausforderungen unter diesen schwierigen Bedingungen entgegenzuwirken. Auch wenn diese Hilfe nicht immer sichtbar ist, machte sie für viele Tiere und ihre Familien den Unterschied zwischen Unterstützung und Hoffnungslosigkeit aus.
Das Wohlergehen von Tieren und Menschen ist eng verbunden
Als Tierschutzorganisationen konzentrieren sich VIER PFOTEN und Animals Lebanon in erster Linie auf das Wohl der Tiere. Gleichzeitig wissen wir, wie stark die Bindung zwischen Menschen und Tieren gerade in Krisenzeiten sein kann.
Für viele Familien ist ein Haustier oft eine der wenigen verbleibenden Verbindungen zu ihrem früheren Zuhause. Für Erwachsene und Kinder können Tiere Trost, Kraft und Freude spenden. Zu wissen, dass sich jemand um ihre Tiere kümmert, bedeutet für viele Betroffene eine enorme Erleichterung.
Deshalb ist es so wichtig, Tieren während der Flucht Schutz und Unterstützung zu bieten. VIER PFOTEN und Animals Lebanon leisten unverzichtbare Hilfe für Tiere und ihre Familien. Indem wir Tieren helfen, helfen wir auch den Menschen, die sie lieben und auf sie angewiesen sind.
Hilfe für streunende Tiere im Konfliktgebiet
Der Konflikt hat auch streunende Tiere schwer getroffen, die von ohnehin fragilen Versorgungssystemen abhängig sind. Als die Menschen fliehen mussten, die sich gewöhnlich um sie kümmerten, brachen diese Strukturen zusammen. Selbst wenn Futter vorhanden war, war es oft schwierig, die Tiere zu erreichen.
Gemeinsam mit Animals Lebanon unterstützte VIER PFOTEN die Koordination von freiwilligen Fütterungs- und Rettungsgruppen, um Tiere im Süden des Landes, in betroffenen Teilen Beiruts und in verlassenen Gemeinden zu versorgen. So konnten mehr als 1.000 Tiere erreicht werden, die andernfalls von Hunger bedroht gewesen wären. Für viele von ihnen war diese Hilfe die einzige Überlebenschance.
Tierärztliche Versorgung bleibt unverzichtbar
Zu Beginn der Krise lag der Schwerpunkt auf der Versorgung von Tieren, die durch Luftangriffe verletzt wurden oder aus den betroffenen Gebieten gerettet werden konnten. Im weiteren Verlauf wurden auch vertriebene Haustiere und streunende Tiere wegen Parasitenbefall, stressbedingter Erkrankungen und gesundheitlicher Probleme infolge der prekären Lebensbedingungen behandelt.
VIER PFOTEN und Animals Lebanon arbeiteten hierfür mit lokalen Tierärzt:innen zusammen, da tierärztliche Hilfe weiterhin zu den am häufigsten nachgefragten Unterstützungsleistungen gehört.
Gezieltes Kastrationsprogramm
Aufgrund der Krise setzte Animals Lebanon ein gezieltes Kastrationsprogramm um. Dr. Alicia, eine Tierärztin aus den USA, reiste in den Libanon und stellte ihre Zeit und ihr Fachwissen ehrenamtlich zur Verfügung.
Während ihres Einsatzes wurden Hunde und Katzen kastriert, darunter sowohl gerettete Tiere in der Obhut von Animals Lebanon als auch Haustiere vertriebener Familien. Gerade bei langanhaltender Flucht kann eine solche Präventionsmaßnahme zukünftiges Leid verhindern
Für Tiere da sein, wenn sie Hilfe brauchen
Durch die Zusammenarbeit mit Animals Lebanon gehört VIER PFOTEN zu den wenigen Organisationen, die Tieren im Land derzeit noch helfen können. Auch wenn nicht jede Situation gelöst und nicht jedes Tier erreicht werden kann, ist jedes gerettete und versorgte Tier ein Erfolg. Gemeinsam mit unserem Partner machen wir weiterhin einen Unterschied, Tier für Tier.
Echte Schicksale aus dem Libanon
Lernen Sie die Menschen und ihre Tiere kennen die von der Krise im Libanon betroffen sind.














