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Gerettet aus den Kriegswirren von Mossul (Teil 2)

24.10.2017

Rettungsmission für Bärin Lula & Löwe Simba in Mossul (Irak)

Wir kehrten Mossul den Rücken, hatten aber bereits einen Plan im Kopf. Zwei Tage Vorbereitungen später machte sich unser Team erneut auf in die vom Krieg gebeutelte Stadt. Das gleiche Prozedere wie schon zwei Tage zuvor: Wir passierten vier Checkpoints, ließen uns sämtliche für die Ausreise notwendigen Dokumente von hohen Militärsangehörigen gegenzeichnen. Bis zum späten Abend musste wir warten, bis wir alles beisammen und uns auf zu Lula und Simba machen konnte. Eile war geboten. Denn in weniger als zwei Stunden würde der letzte Checkpoint aus Mossul hinaus erneut seine Pforten schließen. Außerdem trat ab 19 Uhr eine offizielle Ausgangssperre für sämtliche sich in Mossul aufhaltenden Personen ein. Wir mussten also so schnell, es ging aus der Stadt raus. Im Zoo verlief erneut alles wie am Schnürchen. Kein Wunder: Seit vielen Jahren schon ist Amir in Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt für uns unterwegs, um Wildtiere aus Zoos zu retten. Nach weniger als einer Stunde waren beide Tiere verladen und wir bahnten uns unseren Weg Richtung Checkpoint. Was wir nicht ahnten: Auch dieses Mal würden wir nicht passieren dürfen.

Stopp für neun lange Tage

Warum wir auch dieses Mal mit Lula und Simba nicht ausreisen durften, konnte uns auch bei diesem erneuten Versuch niemand genau sagen. Was folgte waren stundenlange Verhandlungen, die darin gipfelten, dass beide Tiere zumindest am Checkpoint bleiben durften. Amir und ein weiterer unserer Kollegen blieb bei ihnen und harrte die Nacht dort aus. Zuvor organisierten die restlichen Team-Mitglieder noch Futter und frisches Wasser für die beiden Wildtiere. Was weder Amir, noch das restliche Team ahnten: Es würde nur eine von insgesamt neun langen Nächten werden, die wir an diesem Checkpoint verbringen würden.

Jeden einzelnen Tag das selbe Spiel. Quasi: Täglich grüßt das Murmeltier im Irak. Wir machten uns bereit, die Stadt zu verlassen, fuhren den LKW an die Grenze, zeigten unsere Dokumente vor und verhandelten. Stundenlang. Unermüdlich. Und jeden einzelnen Tag kamen wir zu dem gleichen Ergebnis: Die beiden Tiere durften nicht ausreisen. Warum? Das konnte uns auch am achten Tag noch niemand sagen.

Obwohl die Situation mehr als schwierig war, dachte niemand von uns ans Aufgeben. Lula und Simba fütterten wir mit frischem, wasserreichen Obst, spritzten sie mit dem Schlauch, den uns Soldaten zur Verfügung stellten ab und kühlten somit ihre Käfige. Ein Soldat brachte an einem Tag sogar zwei tote Hühner für Simba mit. Wir nahmen sie dankend an.

An jedem einzelnen Tag fuhr Amir ins Hauptquartier des Militärs um dort mit den höchsten Vertretern der irakischen Armee zu verhandeln. Sein unermüdlicher Einsatz sollte aber erst nach neun langen Tagen belohnt werden. Denn auf einmal hieß es plötzlich "Freie Fahrt!"

Warum? Das wissen wir bis heute nicht. War uns aber auch egal. Hauptsache raus aus dem Kriegsgebiet. Hauptsache zwei Tiere vor dem sicheren Hungertod gerettet und hauptsache so schnell wie möglich einen Cargo-Flug in Richtung Jordanien finden, der bereit ist, einen Löwen und einen Bären mitzunehmen. Und es ging tatsächlich schneller als gedacht: Bereits am nächsten Tag am Abend befanden sich Lula und Simba in Transportboxen, die für einen Flug zugelassen waren. Keine 24 Stunden nach ihrer Rettung aus Mossul verließen die beiden den Irak für immer. Was für eine Erleichterung!

Heute leben beide Tiere in Al Ma'wa - einem Schutzzentrum für gerettete Wildtiere, das wir gemeinsam mit der Princess Alia Foundation in der Nähe von Ammann (Jordanien) errichtet haben. Beide Tiere konnten sich rasch an ihre neue Umgebung und die artgemäße Unterkunft gewöhnen und genießen heute ein Leben fast wie in freier Wildbahn.

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