Kälber sind keine Fracht: Zu Beginn der Export-Hochsaison stellt Brittany Ferries den Profit über das Tierwohl
Trotz monatelanger Gespräche und praktikabler Alternativen verweigert die Reederei Brittany Ferries einen Stopp der Transporte von nicht-entwöhnten Kälbern
Zu Beginn der Hochsaison der Exporte nicht entwöhnter Kälber von Irland nach Frankreich bestätigte Brittany Ferries, dass es trotz schwerer Tierschutz- und rechtlicher Bedenken daran festhalten wird.
Diese Entscheidung bedeutet, dass auch weiterhin sehr junge Kälber unter langen Schiffsfahrten leiden müssen. Die Tiere werden zur Mast in die Niederlande, Spanien, Polen und andere EU-Länder transportiert. Sie werden ihren Müttern in Irland weggenommen und zur Fracht degradiert. Sie werden auf Reisen geschickt, auf denen sie nicht gefüttert werden können und auf denen ihnen, die noch auf Milch angewiesen sind, die Befriedigung ihres grundlegendsten Bedürfnisses verwehrt wird.
Die EU-Verordnung 1/2005 beinhaltet strikte Vorgaben für den Transport nicht entwöhnter Kälber, darunter etwa, dass sie nach neun Stunden gefüttert werden müssen, wann immer es notwendig ist. Auf Routen, die oft mehr als 18 Stunden lang sind, ist dies aber unmöglich. Das bringt Brittany Ferries in die Bredouille, da das Unternehmen de facto das EU-Gesetz bricht.
Eine klare Entscheidung, das Tierwohl zu ignorieren
Seit vergangenem Herbst diskutieren VIER PFOTEN und die Tierschutzorganisationen Compassion in World Farming und Welfarm mit dem CEO und dem Senior Management von Brittany Ferries. Wir haben evidenzbasierte Vorbehalte vorgebracht und das Unternehmen aufgefordert, den Transport nicht entwöhnter Kälber zu stoppen.
Obwohl anfangs unseren Argumenten gegenüber aufgeschlossen, hat Brittany Ferries seine Position letztlich klar gemacht: Es wird sich nicht zu einem Transportstopp verpflichten. Für VIER PFOTEN und die anderen involvierten NGOs ist diese Entscheidung sehr enttäuschend und nicht zu rechtfertigen. Daher wurden die Gespräche mit dem Unternehmen beendet.
Brittany Ferries hat sehr wohl nachhaltige Optionen, um aus diesem grausamen Geschäft auszusteigen. Es machte allerdings deutlich, dass seine Entscheidung im Endeffekt auf eines hinausläuft: Profit.
Was passiert nun?
Wir werden niemals schweigen, wenn wehrlose Geschöpfe leiden. Unternehmen wie Brittany Ferries müssen Verantwortung übernehmen und diesen grausamen Handel beenden. Und wir müssen sie für ihre Geschäfte zur Rechenschaft ziehen.
Vor kurzem hat eine Umfrage ergeben, dass 83 Prozent der EU-Bürger:innen der Ansicht sind, dass sehr junge und nicht entwöhnte Tiere keine Langstreckentransporte erdulden sollten. Dieses Ergebnis zeigt deutlich, dass dieses Thema den Menschen nicht egal ist und dass sich etwas ändern muss. Brittany Ferries Kund:innen in Irland, Frankreich, Großbritannien und darüber hinaus sollten über die geschäftlichen Entscheidungen des Unternehmens Bescheid wissen, daher ist es unerlässlich, ihnen das wahre Ausmaß des Leidens der Kälber vor Augen zu führen.
Um den notwendigen Druck zu erzeugen, brauchen wir eure Hilfe.
Das entscheidende Timing
Die meisten nicht entwöhnten Kälber werden von Brittany Ferries und seinem Konkurrenten Irish Ferries zwischen März und Mai von Irland nach Frankreich transportiert. VIER PFOTEN und NGOs in ganz Europa können es nicht akzeptieren, dass weiterhin Kälber auf Reisen geschickt werden, auf denen sie stundenlang ohne Futter auskommen müssen, was klar den grundlegenden Tierschutzstandards widerspricht.
Ein Stopp dieser Transporte hängt von einem entscheidenden ersten Schritt ab: Brittany Ferries vom Ausstieg überzeugen.
Brittany Ferries liegt viel an einem guten Image, an seinen Umwelt- und seinen Sozialstandards. Es ist Zeit, dass das Unternehmen diese Standards auch auf Tiere ausweitet und diese grausamen Transporte beendet.
