Mops, Pekingese und Dackel mit Qualzuchtmerkmalen

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Qualzucht bei Hunden erkennen und gemeinsam verhindern

Permanente Atemnot, schmerzhafte Augenentzündungen, chronische Rückenprobleme: Tausende Hunde in Österreich leiden aufgrund von Qualzuchtmerkmalen unter schweren gesundheitlichen Problemen. Diese Erkrankungen sind kein Schicksalsschlag, sondern Folge gezielter Zucht. Obwohl das Tierschutzgesetz Qualzucht verbietet, ist sie weit verbreitet.

Qualzuchtmerkmale

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Qualzucht erkennen


Kurze Schnauzen, hervorstehende Augen, lange Rücken & kurze Beine. Lernen Sie hier, wie sich Qualzucht erkennen lässt und welche gesundheitlichen Folgen sie für Hunde hat. 

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Wie konnte es so weit kommen? 

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Entstehung der Qualzucht


Lesen Sie hier, wie die Idee geschlossener Zuchtbücher, Qualzucht und steigende Inzucht in der modernen Hundezucht zusammenhängen. 

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Das muss passieren

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Forderungen & Lösungen


Qualzucht ist zwar offiziell verboten, doch die Durchsetzung ist mangelhaft. Was Hundefreund:innen gegen Qualzucht tun sollten, erfahren Sie hier.

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Was ist Qualzucht?

Qualzucht bei Hunden bedeutet, dass Tiere auf eine Art und Weise gezüchtet werden, dass sie unter gesundheitlichen Problemen und Schmerzen leiden. Zumeist geht es dabei um ästhetische Vorlieben des Menschen: eingedrückte Nasen, viele Falten und Kulleraugen werden als besonders süß empfunden. Doch in Wirklichkeit führen diese Merkmale zu unermesslichem Tierleid.

Englische Bulldogge mit ausgeprägten Hautfalten im Gesicht und massivem Körperbau

Qualzuchtmerkmale erkennen und gemeinsam verhindern 

Qualzucht lässt sich nicht allein an der Hunderasse erkennen. Entscheidend ist eine Reihe von Merkmalen, die bei verschiedenen Rassen und auch bei Mischlingen auftreten können. Die folgenden 12 Merkmale sind ein klarer Hinweis, dass ein Hund von Qualzucht betroffen ist. 

Französische Bulldogge mit stark verkürzter Schnauze in Nahaufnahme
Kurze Schnauze
Eine zu kurze Schnauze gehört zu den gravierendsten Qualzuchtmerkmalen. Sie führt dazu, dass die Atemwege der Hunde verengt sind und die Tiere Atemnot haben.  Betroffene Hunde vertragen Hitze und körperliche Anstrengung schlecht, leiden unter Schlafstörungen und Erstickungsanfällen und haben ein höheres Risiko für Zusammenbrüche und einen plötzlichen Tod. Betroffen sind vor allem Tiere, deren Schnauzen kürzer als ein Drittel der Kopflänge sind. Dies ist häufig bei den Rassen Mops, Französische Bulldogge und Boston Terrier der Fall. 
Mops mit deutlich hervorstehenden Augen in Nahaufnahme
Hervorstehende Augen 
Wenn die Augenhöhle zuchtbedingt zu flach ist, stehen die Augen hervor. Diese “Kulleraugen” entsprechen zwar dem Kindchen-Schema, doch für die Tiere bedeuten sie häufige Hornhautgeschwüre, chronische Reizung oder Augenverletzungen. In manchen Fällen können die Tiere sogar erblinden. Bereits durch leichte äußere Einwirkung kann der Augapfel aus der Augenhöhle herausgedrückt werden. Betroffene Rassen sind zum Beispiel französische Bulldoggen, Chihuahuas und Pekingesen. 
Dackel im Profil, deutlich verlängerter Rücken und kurze Beine
Langer Rücken und kurze Beine
Die Kombination eines langen Rückens mit kurzen Beinen erhöht bei betroffenen Hunden die Belastung von Gelenken und Wirbelsäule stark. Brustkorb und Bauch befinden sich nah am Boden und die Beweglichkeit ist einschränkt. Bei vielen kurzbeinigen Hunden führt eine genetische Mutation nicht nur zu den gewünschten kurzen Beinen, sondern sorgt auch dafür, dass die Bandscheiben innerhalb der ersten Lebensjahre altern und instabil werden und das Risiko für schmerzhafte Bandscheibenerkrankungen deutlich erhöht ist. Diese können zur so genannten “Dackellähme” führen, einer dauerhaften Lähmung der Hinterbeine. Beispiele für betroffene Rassen sind Dackel, Welsh Corgi Pembrokes und Basset Hounds.
Englische Bulldogge mit ausgeprägten Hautfalten am ganzen Körper
Übermäßige Hautfalten 
Manche Hunde haben zuchtbedingt überschüssige Haut, die zu tiefen Hautfalten an Nase, Stirn, Beinen und weiteren Körperstellen führt. In diesen Falten sammeln sich Feuchtigkeit, Wärme und Bakterien an, so dass die Tiere unter schmerzhaften Infektionen und chronischen Entzündungen der Haut oder Augen leiden. Übermäßige Hautfalten finden sich beispielsweise bei Shar Peis, englischen Bulldoggen und neapolitanischen Mastiffs. 
Basset Hound mit deutlich hängenden Lidern
Hängende oder eingerollte Lider
Wenn die Augenlider hängen und dadurch die empfindliche Bindehaut freigelegt wird oder das Auge nicht mehr ausreichend geschützt ist, trocknet die Augenoberfläche leichter aus. Ist das Lid nach innen gerollt (Entropium) reiben Haare permanent am Auge und es kommt zwangsläufig zu Schäden an der Hornhaut. Betroffene Rassen sind beispielsweise der Bernhardiner, Basset Hound und Mops.  
Deutsche Dogge mit Qualzucht-Merkmal Riesenwuchs
Riesenwuchs
Riesenwüchsige Hunde haben eine übermäßige Körpermasse. Ihr schnelles Körperwachstum übersteigt häufig die Belastbarkeit von Skelett und Herz-Kreislauf-System. Die Folge sind orthopädische Erkrankungen, Herzkrankheiten und eine verkürzte Lebenserwartung. Betroffene Rassen sind beispielsweise die Deutsche Dogge, Bernhardiner und irische Wolfshunde.
Chihuahua mit Qualzucht-Merkmal Zwergwuchs
Zwergwuchs
Bei zwergwüchsigen Hunden wurde die Körpergröße durch Zucht extrem stark reduziert. Sie leiden häufig unter fragilen Knochen, einer dauerhaft offenen Fontanelle, Zahnfehlstellungen durch Platzmangel oder Problemen bei der Wärmeregulation. Häufig betroffene Rassen sind Chihuahuas, Zwergspitze (Pomeranians) und Yorkshire Terrier.  
Haarloser chinesischer Schopfhund auf Wiese
Haarlosigkeit
Haarlose Hunde wurden so gezüchtet, dass ihnen das schützende Haarkleid fehlt. Zu den gesundheitlichen Folgen für die Tiere zählen Sonnenbrand, Infektionen und eine beeinträchtigte Wärmeregulierung. Das angeborene Fehlen eines Fells ist häufig mit weiteren Defekten verknüpft, wie zum Beispiel fehlenden oder fehlgebildeten Zähnen. Betroffene Rassen sind beispielsweise der Chinesische Schopfhund, Xoloitzcuintle und der Peruanische Nackthund.
Dackel mit missgebildeten Beinen
Missgebildete Beine 
Missgebildete Beine treten auf, wenn die Zucht zu gebogenen, verdrehten oder verkürzten Gliedmaßen führt. Dieses gestörte Knochenwachstum kann chronischen Schmerzen, Gelenkinstabilität und früh einsetzende Arthrose zur Folge haben. Häufig betroffene Hunderassen sind Dackel, Basset Hound und Welsh Corgi. 
Zwei Hunde ohne Schwanz auf Treppe von hinten
Kein oder kurzer Schwanz
Eine sehr kurze oder fehlende Rute kann die Körpersprache und Kommunikation mit anderen Hunden beeinträchtigen. Hunde nutzen ihre Rute, um Stimmung, Erregung und soziale Signale auszudrücken.  Im Gegensatz dazu entsteht der Korkenzieherschwanz durch Fehlbildungen der Schwanzwirbel und ist häufig mit weiteren Wirbelmissbildungen entlang der Wirbelsäule verbunden. Solche Veränderungen können Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, neurologische Probleme oder Inkontinenz verursachen. Der Korkenzieherschwanz tritt häufig bei Französischen Bulldoggen, Englischen Bulldoggen und Boston Terrier auf. 
Boxer im Profil in Nahaufnahme mit deutlichem Unterbiss
Unterbiss
Bei Hunden mit einem Unterbiss ragt der Unterkiefer über den Oberkiefer hinaus und stört die normale Gebissstellung. Hunde mit Unterbiss leiden häufig unter Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme, Zahnerkrankungen und Verletzungen von Weichteilen. Häufig betroffene Hunderassen sind Boxer, Bulldoggen und Shih Tzu.
Englische Bulldogge im Profil in Nahaufnahme mit deutlichen Gesichtsfalten
Eingeschränkte Beweglichkeit
Ein zuchtbedingt zu dicker oder extrem kurzer Hals sowie übermäßige Bemuskelung führen zu einer eingeschränkten Beweglichkeit, so dass der Hund sein Hinterteil nicht mit dem Kopf erreichen kann. Betroffene Hunde sind in der Körperpflege eingeschränkt und zu normalen Verhaltensweisen nicht in der Lage, wie zum Beispiel den Boden zu erreichen. Häufig betroffene Rassen sind die Englische Bulldogge und American Pocket Bully.

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Diese Auswirkungen hat Qualzucht

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der kurzköpfigen Hunde 
haben Probleme mit der Wärmeregulation.1

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Krankheiten gehen bei Hunden auf Qualzuchtmerkmale zurück. 2

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der Hunde mit Korkenzieherschwanz haben Wirbelfehlbildungen. 3

Cavalier King Charles Spaniel

Gesundheitliche Folgen von Qualzucht

Extreme Zuchtmerkmale können die Gesundheit und Lebensqualität von Hunden stark beeinträchtigen

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Wie konnte es so weit kommen? 

So entstand Qualzucht

Hunde begleiten den Menschen seit Tausenden von Jahren. Ursprünglich wurden sie vor allem nach ihren Fähigkeiten ausgewählt, etwa als Hüte-, Jagd- oder Wachhunde. Entscheidend waren Gesundheit, Ausdauer und ein Verhalten, das den Menschen im Alltag unterstützte. Mit der Entstehung moderner Hunderassen rückte auch das äußere Erscheinungsbild immer mehr in den Mittelpunkt.  

Geschlossene Zuchtbücher 

Um dieses gewünschte Aussehen dauerhaft zu erhalten, wurden die Zuchtbücher vieler Rassen Mitte des 19. Jahrhunderts immer weiter geschlossen. Das bedeutete, dass nur noch Hunde derselben Hundepopulation miteinander verpaart werden dürfen. Neue, genetisch unverwandte Tiere konnten nicht mehr in die Population aufgenommen werden. Dadurch wird der Genpool immer kleiner. Hunde innerhalb einer Rasse sind zunehmend miteinander verwandt, was den Grad der Inzucht erhöht. Mit jeder Generation steigt dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass schädliche Erbanlagen von beiden Eltern vererbt werden und erblich bedingte Krankheiten häufiger auftreten. 

Wenn das Aussehen wichtiger wird als die Funktion

Gleichzeitig wurden bestimmte Merkmale immer stärker betont. Über Jahrzehnte wurden bevorzugt genau jene Hunde zur Zucht eingesetzt, die diese Merkmale am stärksten zeigten. Dadurch wurden ursprünglich vorhandene Unterschiede immer extremer. Aus einer etwas kürzeren Schnauze wurde eine extrem kurze Schnauze. Aus loserer Haut wurden tiefe Hautfalten. Aus einem etwas längeren Rücken entwickelte sich eine Körperform, die das Risiko für Bandscheibenvorfälle deutlich erhöht. Viele dieser Merkmale sind heute selbst die Ursache von Schmerzen, Atemproblemen oder anderen gesundheitlichen Einschränkungen. Das gewünschte Aussehen wurde zum Gesundheitsproblem.

Warum werden Qualzucht-Merkmale 
immer extremer? 

Mehrere Faktoren verstärken diese Entwicklung bis heute. 

Hundeausstellungen

Auf Hundeausstellungen werden Tiere anhand des Rassestandards bewertet. Besonders auffällige Merkmale stechen heraus. Erfolgreiche Rüden werden besonders häufig zur Zucht eingesetzt. Dadurch verbreiten sich ihre Gene überproportional stark in der Population (Popular-Sire-Effekt).

Medien und soziale Netzwerke

Filme, Werbung und soziale Medien beeinflussen, welche Hunde Menschen als besonders süß oder außergewöhnlich wahrnehmen. Hunde mit flachen Gesichtern, riesigen Augen oder sehr kleinen Körpern erzielen häufig besonders viel Aufmerksamkeit. Je stärker solche Bilder verbreitet werden, desto größer wird auch die Nachfrage nach genau diesen Merkmalen.

Einfluss der Käufer:innen

Letztlich entscheidet auch die Nachfrage darüber, welche Hunde gezüchtet werden. Solange extreme Merkmale als niedlich oder rassetypisch gelten und gekauft werden, besteht für viele Züchter:innen ein wirtschaftlicher Anreiz, genau diese Tiere weiter zu vermehren. Besonders trifft das auch auf den illegalen und skrupellosen Welpenhandel zu. 

Normalisierung des Problems

Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Viele Menschen erkennen gesundheitliche Einschränkungen gar nicht mehr als solche. Schnarchen wird als normales Verhalten angesehen, Atemnot als "typisch für die Rasse" oder tränende Augen als niedliches Merkmal. Was ursprünglich krankhaft ist, wird mit der Zeit als normal wahrgenommen. 

Gemeinsam Qualzucht verhindern

Eigentlich müsste die Sache klar sein: Laut Paragraph 5 Absatz 1 und 2 Ziffer 1des österreichischen Tierschutzgesetzes ist Qualzucht verboten. Doch das Qualzuchtverbot wird nur mangelhaft umgesetzt. Um Qualzucht zu beenden, müssen sich Hundefreund:innen besser informieren und die Politik muss das Qualzuchtverbot verschärfen und dessen Umsetzung verbessern.

Was Sie bei der Anschaffung eines Hundes beachten können 

  • Die beste Option ist, einen Hund aus dem lokalen Tierschutz 
    zu adoptieren.
  • Informieren Sie sich über Qualzuchtmerkmale und rassespezifische Gesundheitsrisiken.
  • Achten Sie darauf, dass qualzuchtbedingte Gesundheitsprobleme oft als rassetypisch bezeichnet werden, jedoch nicht unbedingt den tatsächlichen Gesundheitszustand eines Hundes widerspiegeln.
  • Wenn Sie einen Hund anschaffen, der nicht aus dem Tierschutz ist: Stellen Sie die Gesundheit über das Aussehen und fordern Sie von Züchter:innen transparente Nachweise zu Gesundheit, Wohlbefinden und genetischen Tests.
Hund mit Qualzuchtmerkmalen: Kurzer Schnauze, Keine Rute

Qualzucht und der illegale Welpenhandel

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Was politisch umgesetzt werden muss

  • Klare und rechtlich verbindliche Merkmalsliste definieren, die von Qualzucht betroffene Hunde von der Zucht ausschließt
  • Qualzuchtverbot durch Veterinärämter konsequent durchsetzen
  • Verpflichtende und regelmäßige behördliche Kontrollen aller gemeldeten Züchter:innen

Fragen und Antworten

Wissenswertes zu Qualzucht

Was versteht man unter Qualzucht?

Unter Qualzucht versteht man die gezielte Zucht von Tieren, bei der körperliche Merkmale oder erbliche Defekte bewusst in Kauf genommen oder sogar verstärkt werden, auch wenn diese Merkmale das Wohlbefinden, die Gesundheit oder Funktionalität des Tieres beeinträchtigen. Hunde leiden dann unter anatomischen oder genetischen Veränderungen, die Atmung, Fortbewegung, Kommunikation oder Sinnesleistungen einschränken und oft lebenslangen Schmerz oder Leiden verursachen. 

Wie ist Qualzucht entstanden? 

Qualzucht ist das Ergebnis gezielter Auswahl, bei der äußere Merkmale – kurze Schnauzen, übergroße Köpfe, große Augen oder extreme Fellformen – über Generationen bevorzugt wurden. Mode- und Social‑Media‑Trends haben diese Entwicklung beschleunigt. Gleichzeitig ermöglichten enge Genpools, Inzucht und fehlende genetische Diversität, dass Defekte fest verankert wurden. Der illegale Welpenhandel verstärkt dieses Problem zusätzlich, da dort ohne Rücksicht auf Gesundheit vermehrt wird.

Ist Qualzucht in Österreich verboten?

Ja, Qualzucht ist nach Paragraph 5 Absatz 1 und 2 Ziffer 1 des österreichischen Tierschutzgesetzes verboten. Es umfasst Züchtungen, bei denen vorhersehbar ist, dass sie bei den Tieren oder ihren Nachkommen Schmerzen, Leiden, Schäden oder Angst verursachen und dadurch die Gesundheit oder normale Körperfunktionen wesentlich beeinträchtigen. Als Beispiele nennt das Gesetz unter anderem Atemnot, Bewegungsstörungen, Hautentzündungen, Blindheit und Taubheit. 

Seit dem 1. Jänner 2025 gibt es in Österreich die Wissenschaftliche Kommission zur Umsetzung des Qualzuchtverbots. Sie soll die Umsetzung des gesetzlichen Verbots unterstützen, indem sie Qualzuchtmerkmale wissenschaftlich bewertet und Maßnahmen zur Vermeidung gesundheitlicher Beeinträchtigungen bei Tieren erarbeitet.

Allerdings wird das Qualzuchtverbot bislang nur unzureichend durchgesetzt. Es fehlen unter anderem klare, messbare und rechtlich verbindliche Kriterien zu Merkmalen, die auf Qualzucht hinweisen und gesundheitliche Probleme verursachen können. Solche Kriterien würden den Veterinärbehörden und auch Privatpersonen beim Vollzug des Qualzuchtverbots helfen. Obwohl Qualzucht gesetzlich verboten ist, ist sie bei Hunden und anderen Tieren nach wie vor weit verbreitet.

Gibt es ein Qualzuchtverbot auf EU-Ebene?

Noch nicht, doch es ist in Arbeit. Die EU hat im Frühjahr 2026 eine neue Verordnung zum Schutz von Hunden und Katzen beschlossen, die voraussichtlich 2028 in Kraft treten wird. Die neuen EU-Regeln enthalten unter anderem ein Verbot der Zucht mit Hunden mit extremen körperlichen Merkmalen und ein Inzuchtverbot. Die EU-Kommission ist damit beauftragt eine Liste vorzulegen, welche äußeren Merkmale (Phänotypen) und genetischen Merkmale (Genotypen) in Zukunft EU-weit von der Zucht ausgeschlossen werden. Damit würde Qualzucht erstmals durch ein EU-weites Gesetz reguliert.

Was ist Brachyzephalie?

Unter Brachyzephalie versteht man eine angeborene verkürzte Schädelform, bei der der Kopfknochen stark verkürzt ist. Das führt zu der typischen flachen Schnauze und oft hervorstehenden Augen. Da sich das umliegende Weichteilgewebe im Laufe der Zucht nicht im gleichen Maße verkleinert hat wie der Knochen, fehlt ihm der Platz. Die Folge sind stark verengte Atemwege, die den Tieren das Atmen massiv erschweren.

Welche Hunderassen sind besonders von Qualzucht betroffen?

Grundsätzlich können Hunde jeder Rasse oder auch Mischlinge von Qualzucht betroffen sein. Qualzucht lässt sich nicht anhand der Rasse feststellen. Vielmehr kommt es auf das Vorliegen bestimmter Merkmale an, wie zum Beispiel eine zu kurze Schnauze, hervorstehende Augen, oder übermäßige Hautfalten. 

Einige Hunderassen zeigen jedoch ein erhöhtes Aufkommen bzw. gezielte Zucht von Qualzuchtmerkmalen: Dazu gehören vor allem kurzschnäuzige (brachyzephale) Rassen wie die Französische und Englische Bulldogge sowie der Mops, bei denen die zu kurze Nase häufig mit chronischer Atemnot einhergeht. Auch Rassen mit extremen Körperproportionen, wie der Dackel mit sehr langem Rücken und kurzen Beinen oder der Shar Pei mit ausgeprägten Hautfalten, sind häufig betroffen.   

Sind Mischlinge per se gesünder?

Nicht automatisch. Aber Mischlinge profitieren tatsächlich oft von einer größeren genetischen Vielfalt. Durch den breiteren Genpool ist das Risiko geringer, dass zwei identische Defektgene aufeinandertreffen, weshalb bestimmte rassetypische Erkrankungen seltener auftreten können. Das gilt insbesondere für Hunde, die über Generationen hinweg aus vielen verschiedenen Linien entstanden sind oder sogar natürliche Selektion erlebt haben. Die Lebenserwartung von Hunden variiert stark je nach Rasse und reicht von etwa 12,72 Jahren beim Jack Russell Terrier bis zu nur 4,53 Jahren bei der Französischen Bulldogge, während Mischlinge im Durchschnitt bei rund 11,82 Jahren liegen.  

Wichtig ist jedoch die Unterscheidung zu sogenannten Designer Breeds (z. B. „Puggle“, „Labradoodle“, „Pomsky“). Hier werden gezielt zwei Rassen miteinander verpaart, die oft jeweils bereits eine hohe Krankheitslast oder Qualzucht-Merkmale aufweisen. Dadurch können sich unterschiedliche Probleme beider Rassen auf die Welpen übertragen, anstatt sich gegenseitig auszugleichen.  

Entscheidend ist daher nicht, ob ein Hund „reinrassig“ oder ein „Mischling“ ist, sondern ob die Elterntiere gesund sind, Qualzuchtmerkmale aufweisen, genetisch und veterinärmedizinisch getestet und verantwortungsvoll ausgewählt wurden.

Sind nur Hunde von Qualzuchten betroffen?

Nein. Qualzuchtprobleme betreffen auch Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen und andere Heimtiere. Auch bei Tieren in der Landwirtschaft treten Qualzuchtmerkmale auf – hier liegt der Fokus allerdings meist auf einer Steigerung von Leistung und Ertrag und weniger auf dem äußeren Erscheinungsbild. Deshalb sind diese Formen nur bedingt miteinander vergleichbar.

Mein Hund hat Qualzuchtmerkmale. Was kann ich tun, um seine Gesundheit zu verbessern?

Es ist schon einmal sehr gut, dass Sie sich damit auseinandersetzen und das Wichtigste ist jetzt, Ihren Hund bestmöglich im Alltag zu unterstützen. 

Je nach Merkmalen können Sie einiges tun, um seine Gesundheit zu fördern: 

  • Regelmäßige tierärztliche Kontrollen helfen, Probleme früh zu erkennen – auch solche, die sich langsam entwickeln.
  • Achten Sie auf eine gute körperliche Kondition: Übergewicht verschlechtert viele rassebedingte Probleme (z. B. Gelenke oder Atmung).
  • Passen Sie den Alltag an die Bedürfnisse Ihres Hundes an, z. B. Hitze und starke Belastung vermeiden, wenn die Atmung eingeschränkt ist.
  • Je nach Problem können gezielte Maßnahmen helfen, etwa Hautpflege bei Falten, Augenkontrollen oder physiotherapeutische Unterstützung bei Bewegungsproblemen.
  • In manchen Fällen ist es sinnvoll, frühzeitig eine Hundeversicherung abzuschließen, um auf mögliche Operationen und Tierarztkosten vorbereitet zu sein.

Ist es ok, wenn ich einen Hund mit Qualzuchtmerkmalen aus dem Tierschutz adoptiere?

Ja, absolut. Wenn ein Hund bereits existiert und im Tierschutz ist, steht nicht mehr die Frage im Raum, ob er gezüchtet werden soll, sondern wie man ihm ein möglichst gutes Leben ermöglicht. Gerade Hunde mit Qualzuchtmerkmalen profitieren oft besonders davon, in ein informiertes und engagiertes Zuhause zu kommen. 

Wichtig ist dabei vor allem, dass Sie sich der gesundheitlichen Risiken bewusst sind und bereit sind, darauf einzugehen (zum Beispiel durch angepasste Haltung, regelmäßige tierärztliche Betreuung und gegebenenfalls zusätzliche Pflege oder Kosten). Ein Tier aus dem Tierschutz aufzunehmen und gut zu versorgen, ist immer eine positive Entscheidung. 

Was sagen Tierärzt:innen zum Thema Qualzucht?

In Österreich wird Qualzucht von Tierärzt:innen als ernstes Problem anerkannt. Sie erleben die gesundheitlichen Folgen im Alltag und sprechen sich daher deutlich dagegen aus, solche Merkmale als „rassetypisch“ zu akzeptieren. Entsprechend hat sich die Tierärztekammer in der Vergangenheit mehrmals klar gegen Qualzucht positioniert.  Die Tierärzt:innen sehen weiterhin großen Aufklärungsbedarf zum Thema.

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Fachlich geprüft von Ulrike Lessiak, Tierärztin | Stand. 02.10.2026

Quellenverweis

1 Packer RMA et al. (2019): Great expectations, inconvenient truths, and the paradoxes of the dog-owner-relationship for owners of brachycephalic dogs.
2 Summers et al. (2009): Inherited defects in pedigree dogs. Part 1: Disorders related to breed standards.
3 Decker, Steven et al. (2024): Vertebral and spinal malformations in small brachycephalic dog breeds: Current knowledge and remaining questions. 

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