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Erste Bärenrettung in vietnam

Hai Chan, Thai Van und Thai Giang leben jetzt in unserem BÄRENWALD Ninh Binh

Wir wussten, dass es ein schwieriges und vor allem langwieriges Unterfangen werden würde, als wir uns dazu entschlossen, einen neuen BÄRENWALD in Vietnam für ehemalige Gallebären zu errichten. Dennoch wollten wir die Herausforderung gerne auf uns nehmen. Immerhin leben auf vietnamesischen Gallebären-Farmen an die 1.300 Bären, denen früher - und teilweise auch heute noch illegal - Gallensaft abgezapft wurde, um ihn als medizinisches Wundermittel in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) zu verkaufen. Wir starteten im Mai 2017 eine internationale Kampagne, um auf das Leid dieser Bären aufmerksam zu machen. Bei einem unserer ersten Besuche in Vietnam lernten wir die traurige Bärin Hai Chan kennen.

"Uns fielen sofort die beiden fehlenden Vorderpfoten auf, als wir die lethargische Hai Chan zum ersten Mal sahen. In ihrem nur wenige Quadratmeter kleinen Käfig lag sie rücklings und blickte mit ihren traurigen Augen ins Leere. Uns war klar: wir müssen sie aus diesem Käfig holen!"

Carsten Hertwig, VIER PFOTEN Bären-Experte

Doch es sollte noch einige Monate bis zu ihrer Rettung dauern. Denn die Mühlen in Vietnam mahlen langsam. Wie in anderen Ländern auch kommt für uns nur eine Kooperation mit den Behörden und der Regierung infrage, bevor wir Tierrettungen vornehmen. So auch in Vietnam. Dennoch bedurfte es vielen, langwierigen Verhandlungen, bis wir schlussendlich das finale "go" für die Rettung der traurigen Bärin erhalten hatten. Unser BÄRENWALD Ninh Binh war in der Zwischenzeit soweit fertig, um die ersten Gallebären willkommen zu heißen.

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Endlich frei

Unser Team reiste bereits einige Tage vor der eigentlichen Rettung nach Vietnam, um für die Bärin alles vorzubereiten. Neben Hai Chan sollten noch zwei weitere Bären - Thai Van und Thai Giang - ihre Käfige auf einem Firmengelände verlassen und in unseren BÄRENWALD transferiert werden.

Alles verlief nach Plan. Unser Team erreichte den Hof, auf denen die beiden Bären auf wenigen Quadratmetern lebten. 15 lange Jahre sollen die beiden so verbracht haben. Ob und wie oft ihnen Gallensaft abgezapft wurde, wissen wir nicht. Doch wir gehen davon aus, dass sie dafür eingesperrt wurden. Nach der erfolgreichen Narkotisierung durch die mitgereiste Wiener Tierärztin Dr. Johanna Painer folgte eine kurze Untersuchung. Die Tiere waren in einem bemitleidenswerten Zustand. Es war uns schon vor der Rettung klar, dass sie einige Wochen auf unserer Quarantänestation verbringen werden, bevor wir sie - zum ersten Mal in ihrem Leben - in ein großes Freigehege entlassen können. Nach dem medizinischen Check wurden die beiden Tiere in Transportboxen verladen und wir verließen ihr "Zuhause" für alle Zeit.

Dann folgte die Rettung von Hai Chan. So viele Monate hatten wir auf diesen Tag gewartet; ja regelrecht entgegengefiebert. Jetzt war es endlich soweit. Die Bärin, deren Vorderpfoten wohl aus Profitgier amputiert wurden (in Vietnam werden Bären ihre Tatzen abgeschnitten, um daraus Bärenwein oder Bärentatzensuppe zu machen), lag traurig und völlig ruhig in ihrem Käfig. Wir arbeiteten schnell und konzentriert. Ein präziser Schuss mit dem Blasrohr reichte und das Narkosemittel war erfolgreich verabreicht. Dann der große Moment: wir öffneten ihren Käfig. Jenen Käfig, der für über zehn Jahr ihr Heim war.

Bei der Untersuchung gleich ein Schock: Hai Chan war erst kürzlich wieder "gemolken" (so nennt man das Abzapfen des Gallensafts mittels Nadel) worden. Frische Narben an ihrer Gallenblase bewiesen die tierquälerische Prozedur, der die Bärin wohl ihr gesamtes Leben lang ausgesetzt war. Auch Hai Chan wird auf Grund ihres schlechten Gesundheitszustand erst einige Zeit in unserer Quarantänestation verbringen, wo man sie langsam aufpäppeln und an ein Leben in einem naturnahen und Bären-gerechten Gehege gewöhnen würde. Man muss sich vorstellen: Hai Chan hat wohl nie gelernt auf ihren amputierten Stümpfen zu laufen. Sie wird Zeit und Hilfe benötigen. Doch wir sind zuversichtlich, dass sie es schaffen und erfolgreich erlernen wird.

Nach der Untersuchung packten wir die Bärin im schlafenden Zustand in ihre Transportbox, verluden sie und warteten, bis die Narkosewirkung aufhörte. Dann ging es für alle drei Gallebären auf in ein neues Abenteuer: in wenigen Stunden werden ihre Käfige und die grausame Vergangenheit dort ein für alle Mal ein Ende nehmen.

Schluss mit bärenfarmen
in vietnam

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