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Wildtiere in Zirkussen

29.5.2017

Elefanten, Großkatzen und andere Wildtiere können in fahrenden Zirkussen nicht artgemäß gehalten werden

Ein fahrender Zirkus kann auf die anspruchsvollen Bedürfnisse von Wildtieren keine Rücksicht nehmen. Der Betrieb wechselt ständig den Standort, Käfige und mobile Gehege müssen Platz sparend transportiert und schnell auf- und abgebaut werden. Eine artgemäße Haltung von Wildtieren in Zirkussen ist nicht möglich.

Mittlerweile haben 17 EU-Staaten die Haltung von Wildtieren in fahrenden Zirkussen untersagt (wie in Österreich) oder zumindest eingeschränkt. Im Jahr 2016 kündigten Norwegen und Schottland entsprechende Schritte an.

Tierquälerei in der Manege

In Österreich ist der Einsatz von Wildtieren im Zirkus bereits seit 2005 gesetzlich verboten. Leider trifft dies nach wie vor nicht auf alle Länder der europäischen Union zu. VIER PFOTEN setzt sich daher vehement für ein EU-weites Verbot von Wildtieren im Zirkus ein. Ein Zirkus ist kein adäquates Zuhause für Wildtiere: Sie vegetieren in viel zu kleinen Käfigen vor sich hin, haben kaum bis gar keinen Auslauf und werden entgegen ihrer Natur mit Artgenossen, anderen Tierarten oder alleine gehalten. Dies sind nur einige wenige Beispiele der tierquälerischen Haltung von Wildtieren im Zirkus. 

Ihre Dressur kann nur durch Schmerzen funktionieren. Wie sonst könnte man großen Wildtieren wie Elefanten beibringen, unnatürliche und belastende Tricks in der Manege aufzuführen? Die wenige Zeit, die sie außerhalb von Gitterstäben verbringen dürfen, werden entweder für das qualvolle Training oder den Auftritt vor Publikum genutzt. Lärm, Lichteffekte und Menschenmassen stressen die sensiblen Tiere. Das und die viel zu beengte Unterbringung sowie der fehlende Auslauf führen bei Wildtieren in den häufigsten Fällen zu schweren Verhaltensauffälligkeiten und stereotypen Verhaltensmustern. 

Zirkustiere leiden ihr gesamtes Leben. Am Ende des Leidensweges ist für das wohl verdiente Gnadenbrot meist kein Geld vorhanden. Tiere, die nicht mehr funktionieren, werden schlichtweg entsorgt: Entweder eingeschläfert oder verkauft - ihr Verbleib ist ungewiss. 

Nur ein konsequentes Haltungsverbot von Wildtieren im Zirkus kann das Leid dieser Tiere beenden. 

Warum Wildtiere nicht
in den Zirkus gehören

  • Das ständige Reisen:  Bis zu 40 Mal pro Saison wechseln Zirkusse ihren Standort. Durch den damit verbundenen ständigen Auf- und Abbau der Gehege verbringen die Tiere viel zu viel Zeit in engen Transportboxen. Studien haben zudem gezeigt, dass zum Beispiel das Hin- und Her-Gehen im Käfig zunimmt, je länger die jeweilige Reisezeit des Zirkusses zum nächsten Gastspielort beträgt. Viele Tiere leiden durch den Stress unter Verhaltensstörungen.

  • Umgebung im Zirkuszelt: Stetiger Lärm durch die Musik, Ansprachen und lautstarken Applaus, unnatürliches Licht sowie hohe Temperaturen im Zirkuszelt: Das alles hat mit einem naturnahen Umfeld nichts gemeinsam.

  • Große Langeweile – wenig Platz: Wildtiere wollen das tun, was sie auch in der freien Natur tun würden: Je nach Art wollen sie jagen, fressen, klettern, graben, baden und vieles mehr. In den engen Käfigen in meist städtischer Umgebung ist dafür jedoch schlicht kein Platz. Lediglich einen kleinen Teil des Tages sind sie während des Trainings oder in der Manege beschäftigt. Viele Tiere zeigen Verhaltensstörungen als Folge von Langeweile und Platzmangel.

  • Atypische Sozialstrukturen: Tiere werden im Zirkus häufig in unnatürlichen Gruppenkonstellationen gehalten. Löwen leben in der Freiheit in Gruppen von bis zu 30 Tieren. Tiger hingegen sind Einzelgänger. Im Zirkus wird bei der Haltung jedoch keine Rücksicht auf diese Umstände genommen.

  • Unnatürliche Kunststücke: Häufig wird von Befürwortern gesagt, dass die Aufführungen in der Manege eine wertvolle Bereicherung im bewegungsarmen Alltag der Tiere darstellen. Die unnatürlichen Bewegungsabläufe können jedoch kaum als verhaltensgerechte Beschäftigung bezeichnet werden und das tagtägliche Aufführen der immer gleichen Kunststücke hat oft körperliche Folgen wie beispielsweise Arthrose.

  • Fragwürdige Aufzucht der Tiere: Wildtiere wurden in vielen Fällen zu früh vom Muttertier getrennt und von Menschenhand aufgezogen. Dadurch tolerieren sie Menschen in naher Umgebung eher, als ihre in Freiheit lebenden Artgenossen. Diese unnatürliche Prägung auf Menschen macht die Wildtiere erst dressierbar. Haben Tiere jedoch ein unnatürliches Verhältnis zum Menschen, führt das in vielen Fällen zu einer fehlenden Sozialisierung mit Artgenossen sowie zu Verhaltensstörungen. Wo die Tiere geboren wurden und was mit ihnen passiert wenn sie zu alt für die Manege werden, erfahren die Zirkusbesucher nicht.

  • Schlechte Ernährung und Haltung: Viele Zirkustiere befinden sich in schlechter gesundheitlicher Verfassung, werden falsch ernährt und bei Krankheiten unzureichend betreut. Oft mangelt es an Wissen und Geld für die Tierbetreuung.

  • Ausbleibende Konsequenzen: Werden bei Kontrollen Defizite festgestellt, wechseln manche Zirkusse einfach den Ort und entziehen sich so dem Einfluss der Veterinärbehörden. Selbst bei groben Verstößen gegen das Tierschutzgesetz sind Behörden oft die Hände gebunden. Denn geeignete Unterbringungsmöglichkeiten wie Auffangstationen oder freie Plätze in gut geführten Tierparks fehlen. Deshalb können Tiere oft nicht beschlagnahmt werden und müssen weiter unter den erbärmlichen Umständen leiden.

Das Leid der Großkatzen im Zirkus

Viel zu kleine Käfige, ein Leben auf Rädern, schmerzhafte Trainings – so sieht das Leben einer Großkatze im Zirkus aus. Löwen und Tiger sind besonders beliebte Zirkustiere. Aber auch Leoparden, Jaguare, Pumas und sogar Geparden – die schnellsten Säugetiere unserer Erde – fristen ihr Leben eingesperrt in winzigen Käfigen hinter Gittern. Abwechslung, wie die Dressuren immer wieder gerne von Seiten des Zirkus beschrieben werden, gibt es nicht. Die majestätischen Wildtiere harren teilweise jahrzehntelang auf viel zu kleinen Käfigwägen aus. Gegen diese Quälerei setzt sich VIER PFOTEN bereits seit Jahren ein. Denn ein Wildtier hat in einem Zirkus nichts verloren. Und obwohl bereits einige europäische Länder wie Österreich reagiert und sich für ein Wildtierverbot im Zirkus ausgesprochen haben, fahren dennoch Jahr für Jahr etwa 300 Zirkusse mit Wildtieren quer durch die EU.

Kein Tiger springt in freier Wildbahn durch einen Reifen oder balanciert auf einem Ball. Solche Dressurnummern, die gerne im Zirkus gezeigt werden, sind das Ergebnis fragwürdiger Trainingsmethoden, die nur mit Gewalt von Menschen durchgesetzt werden können. Eine willkommene Abwechslung, wie es von Zirkus-Seite gerne behauptet wird, stellen solche Trainings für eine Großkatze niemals dar. Gerade die Dressur von Wildtieren wie Tigern und Löwen kann nur mittels menschlicher Dominanz und mit Schmerz passieren.

„Wildtiere sind im Zirkus heute nicht mehr akzeptabel, denn die Erkenntnisse über die Bedürfnisse von Wildtieren haben sich stark erweitert.“

Prof. Mantel, Präsident der Bundestierärztekammer in Deutschland

VIER PFOTEN fordert

  •  ein EU-weites Verbot der Haltung von Wildtieren in Zirkussen mit angemessener Übergangsfrist.
  • die unmittelbare Beschlagnahmung und adäquate Unterbringung von Zirkustieren aus besonders schlechter Haltung
  • die Einführung einer Positivliste für domestizierten Tierarten, die in Zirkusbetrieben gehalten werden dürfen. Strenge Vorgaben müssen ihre artgemäße Haltung sicherstellen. Zirkusse, die diese Anforderungen nicht einhalten können, sollen völlig auf Tiere verzichten.
  • kurzfristig ein Nachzucht- und Nachstellverbot

Helfen Sie den Wildtieren im Zirkus

Ein Zirkus ist ein Ort zum Lachen und Träumen. Aber Wildtiere gehören nicht in einen Zirkus! Dass es auch anders geht, zeigen Zirkusse, die mit einem Programm ohne Tiernummern große Erfolge feiern, wie etwa der deutsche Zirkus „Flic Flac“ oder der kanadische „Cirque du Soleil“.

Was Sie tun können

  • Unterschreiben Sie unsere Petition für ein Wildtierverbot im Zirkus.
  • Besuchen Sie keine Zirkusse, die Wildtiere mitführen.
  • Erklären Sie Ihren Kindern, warum Tiere im Zirkus leiden müssen – auch nicht im Urlaub oder im Ausland.
  • Machen Sie vor einem Zirkusauftritt die örtlichen Medien auf die Probleme und Aspekte des Tierschutzes aufmerksam.
  • Informieren Sie VIER PFOTEN, wenn Sie von einem Zirkus mit schlechten Haltungsbedingungen erfahren.

Keine Wildtiere in deutschen Zirkussen

Bitte unterzeichnen Sie unsere Petition!

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