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Löwenjagd

grausame Löwenindustrie in Südafrika

19.10.2017

Das blutige Geschäft mit der Gatterjagd auf Löwen

Südafrika ist nicht nur ein beliebtes Urlaubziel für Tier- und Naturliebhaber. Auch viele Jäger von Großwild zieht es jedes Jahr an die Südspitze des afrikanischen Kontinents. Besonders Löwen sind ein beliebtes Souvenir.  6.000 bis 8.000 Löwen leben aktuell auf etwa 250 Farmen in Südafrika. In den vergangenen sieben Jahren hat sich die Zahl der Löwen in Gefangenschaft verdoppelt. Rund 1.000 Tiere werden jährlich von Jagdtouristen erlegt – ein einträgliches Geschäft. 

Die brutale Gatterjagd

Eine besonders brutale und unfaire Jagdmethode stellt die so genannte „Gatterjagd“ – im Englischen „Canned Hunting“ – dar. Der Name verrät es bereits: Löwen werden in Gehegen gejagt, aus denen sie nicht flüchten können. Damit garantieren Betreiber den Touristen einerseits den sicheren Abschuss, andererseits können auch weniger erfahrene Jagdtouristen hier „leichte Beute“ machen. 

Löwen werden auf so genannten "Canned Hunting"-Farmen per Hand aufgezogen, um später keine natürliche Scheu vor dem Menschen und damit dem Jäger zu haben. Auf vielen Farmen werden die Tiere sogar mit Ködern gelockt oder medikamentös ruhiggestellt, um den Jagderfolg auch für ungeübte Schützen zu ermöglichen. Denn auf Löwenjagd darf in Südafrika prinzipiell jeder gehen. Ein Jagdschein oder ein Nachweis für Jagderfahrung sind in den meisten Fällen nicht nötig. 

Gatterjagd ist ein Hobby für die wohlhabende Minderheit, denn ein Abschuss kann bis zu 45.000 Euro kosten. Die Kosten richten sich dabei nach Geschlecht und körperlichem Zustand des Tieres. Je stattlicher ein Löwe desto tiefer müssen Jäger für die Trophäen in die Tasche greifen.

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Südafrikas Löwenindustrie

Nicht nur die Jagd auf die Zuchtlöwen ist aus Tierschutzsicht als zutiefst unethisch abzulehnen. Für die Löwen in den südafrikanischen Zuchtfarmen beginnt der Leidensweg bereits kurz nach der Geburt. Oft schon drei Tage nach der Geburt werden die Löwenbabys von den Muttertieren getrennt. Abgesehen vom seelischen Leid der Tiere hat diese Praxis fatale Konsequenzen: Durch die fehlende Muttermilch treten vielfach Mangelerscheinungen auf. Die Jungtiere leiden unter Knochendeformationen, Atem- und Verdauungsproblemen, Schilddrüsenproblemen, Kalziummangel und vielen weiteren Krankheiten, die sie als ausgewachsene Tiere stark belasten.

Auch die Haltungsbedingungen für die Jungtiere sind oft völlig inakzeptabel: Wasser, Futter oder Schatten sind in vielen Gehegen Mangelware. Im schlimmsten Falle werden weibliche Jungtiere kurz nach der Geburt getötet, da sie für die Jagd seltener nachgefragt werden.

Die männlichen Löwenbabys werden als Touristenmagneten missbraucht. Durch die Handaufzucht werden sie gezielt auf den Menschen geprägt. Überall in Südafrika finden sich Angebote, Löwenbabys zu streicheln, zu fotografieren oder mit halbwüchsigen Löwen spazieren zu gehen. Für die mutterlosen Löwenbabys ist dies purer Stress: Jungtiere haben ein enormes Ruhebedürfnis, der ständige Kontakt zu Menschen und die schlechte Haltung führen zu massiven Verhaltensstörungen. Auch ihre körperliche Entwicklung wird stark beeinträchtigt. Zudem werden immer wieder Menschen von jungen Löwen angegriffen und verletzt.

Gatterjagd Löwe

Das Leid der Zuchtlöwinnen

Nicht nur die männlichen Löwenbabys, auch die Mütter leiden in dieser Tierindustrie Südafrikas. Die Zuchtlöwinnen sind bald nach der Wegnahme ihrer Jungen wieder empfängnisbereit und werden sofort neu gedeckt. Als “Gebärmaschinen“ missbraucht, sind sie dem andauernden Trauma ausgesetzt, ihre Babys zu verlieren. Da die Löwinnen viel öfter Nachwuchs zur Welt bringen als unter natürlichen Bedingungen, sind sie nach wenigen Jahren ausgelaugt und schwach, ihre auf diese Weise gezüchteten Jungtiere haben ebenfalls eine schlechte Konstitution.

In freier Wildbahn bekommen Löwinnen etwa alle zwei Jahre Junge - auf den Zuchtfarmen müssen sie alle sechs Monate werfen. Ausgelaugte oder kleine Löwinnen enden nicht selten als „Sonderangebot“ für Jäger oder werden getötet um ihre Knochen zur Herstellung von "Medizin" zu verkaufen.

Löwenzüchter tarnen sich als Tierschützer

Arglose Touristen glauben oft, mit dem Besuch von Zuchtfarmen zu helfen, die Bestände von wildlebenden Löwen zu erhalten. Leider ist dies nur ein Trick, um das eigentliche, blutige Geschäft dahinter zu verschleiern.  Denn sobald die Löwenbabys zu erwachsenen Tieren herangewachsen sind, werden sie zum Abschuss freigegeben. Dies passiert meist nicht auf der gleichen Farm. Man unterscheidet zwischen den so genannten "Petting"-Farmen, also Zuchtfarmen, auf denen man die Tiere streicheln darf, und "Canned Hunting"-Farmen, auf denen sie ihr blutiges Ende finden.

Besonders perfide: Die Löwenzüchter bezeichnen sich selbst oft als „Naturschützer“ und behaupten gegenüber Touristen, dass die Tiere zur Auswilderung gezüchtet werden. Dies ist eine offenkundige Fehlinformation! In Gefangenschaft geborene Raubtiere, insbesondere Handaufzuchten, können nicht erfolgreich ausgewildert werden. Aus Europa werden häufig freiwillige Mitarbeiter als „Volunteers“ auf die Zuchtfarmen gelockt, zur Mitarbeit bei der Löwenaufzucht. Meist zahlen sie viel Geld für einen sechswöchigen Aufenthalt in einer sogenannten „Auffangstation“ oder einem „Wildreservat“.

Doch mit Tier- oder Artenschutz haben solche Angebote nichts zu tun: Die jungen Löwen leiden auf diesen Farmen. Wer hier ein Praktikum macht, unterstützt die grausame Löwenindustrie – wenn auch unwissend und ohne böse Absicht. Die traurige Endstation eines südafrikanischen Zuchtlöwen ist in der Regel eine Canned Hunting Farm.

Großkatzen-schutzstation

Mit echtem Tierschutz haben die touristischen Löwenzuchten in Südafrika nichts zu tun. Wenn Sie sinnvolle Projekte für Löwen unterstützen möchten, legen wir Ihnen unsere Großkatzen-Schutzstationen wie LIONSROCK, FELIDA oder TIERART ans Herz.

Rechtslage zur Löwenjagd

Canned Hunting auf Löwen ist in Südafrika immer noch erlaubt, denn die Jagd- und Zuchtindustrie wehrt sich mit allen Mitteln gegen jede Einschränkung:

  • Im Jahr 2008 wurden die Löwen auf Druck der Züchter von der Liste der bedrohten Tierarten gestrichen. Mit dieser Liste (die sogenannte TOPS-Liste) wollte die südafrikanische Regierung Verbesserungen erreichen. Die auf der Liste genannten  Arten mussten für zwei Jahre selbstständig in einem natürlichen Lebensraum überleben, bevor sie geschossen werden dürfen. Ursprünglich standen auch Löwen auf der Schutzliste, bis sie durch die Einwirkung der Züchter entfernt wurden.
  • Im Juni 2009 hat das höchste Gericht im südafrikanischen Bundesland Free State entschieden, dass die Löwen wieder in die TOPS-Liste aufgenommen werden können. Doch auch gegen dieses Urteil hat die Vereinigung der südafrikanischen Löwenzüchter vor dem obersten Gericht des Landes Einspruch erhoben.
  • Im Jahr 2010 hat das oberste Gericht Südafrikas zu Gunsten der Raubtierhalter entschieden. Nach Ansicht des „Supreme Court of Appeal“ habe die zuständige südafrikanische Umweltministerin mit dem Beschluss, dass Zuchtlöwen nur nach 24 Monaten selbstständigen Überlebens in einem extensiven Ökosystem gejagt werden dürfen, „keine rationale Entscheidung“ getroffen. Somit bleibt die Jagd- und Zuchtindustrie weiterhin unreguliert, das Leid der unzähligen Löwen in Gefangenschaft geht weiter.

Zwar ist auch die TOPS Liste nicht das optimale Instrument zum Schutz der Großkatzen, denn die Jagd verbietet sie nicht. Doch die Aufnahme der Löwen in die Liste wäre ein wichtiger Schritt zum Schutz von in Gefangenschaft gehaltenen Löwen, mit der Folge, dass viele Löwenhalter ihr schmutziges Geschäft aufgeben würden. Zuchtlöwen bleiben aufgrund der verheerenden Gerichtsentscheidung also nach wie vor ungeschützt.

VIER PFOTEN setzt sich weiter für die Löwen auf den zahllosen südafrikanischen Farmen ein und fordert neue gesetzliche Regelung, die das endgültige Aus des Canned Huntings ermöglichen.

VIER PFOTEN fordert:

  • das vollständige Verbot von Gatterjagd in Südafrika.
  • ein Importverbot von Löwenjagd-Trophäen.
  • die Wiederaufnahme von Löwen in die „Threatened or Protected Species Regulation“
  • das Verbot kommerzieller Löwenzuchtfarmen.
  • das Verbot von Streichelangeboten mit Löwen.
  • die Erlaubnis der Handaufzucht von Löwen nur in Notfällen.