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Das Tierschutzkonzept

30.1.2020

Die Sichtweise von VIER PFOTEN

VIER PFOTEN hat sich verpflichtet, seine Arbeit nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu gestalten. Zu diesem Zweck empfiehlt VIER PFOTEN die Verwendung des "Fünf-Bereiche-Modells", das von Prof. Emeritus D.J. Mellor geschaffen und von VIER PFOTEN als Leitfaden für Beurteilungen des Tierschutzes weiter angepasst wurde.

Seit den 1990er Jahren hat die Wissenschaft unser Verständnis über den Tierschutz stark verbessert. Wir wissen jetzt viel mehr über die unangenehmen und angenehmen psychischen Erfahrungen, die Tiere machen können, und wie diese ihr Wohlbefinden beeinflussen. Dieses Wissen hat zur Entwicklung neuer Methoden geführt, die eine gründliche Bewertung des Tierschutzes ermöglichen. Solche Beurteilungen sind ein regelmäßiger Bestandteil des Tierschutzmanagements und zielen darauf ab, die praktische Pflege der Tiere zu verbessern.

Geleitet von den bekannten "Fünf Freiheiten" lag der Schwerpunkt der frühen Tierschutzarbeit darauf, negative Erfahrungen der Tiere (z.B. Durst, Hunger, Schmerz, Angst) zu vermeiden. Heute wissen wir jedoch, dass die Tiere nie ganz frei von diesen Erfahrungen sein können. Das liegt daran, dass diese negativen Erfahrungen notwendig sind, um die Tiere am Leben zu halten, indem man sie z.B. dazu bringt, Wasser zu trinken, Futter zu fressen, Verletzungen zu vermeiden und sicher zu bleiben. Darüber hinaus wissen wir jetzt auch, dass Tiere positive Erfahrungen machen können (z.B. angenehme Geschmäcker beim Fressen, körperliche Behaglichkeit, angenehme Gesellschaft, erregte Verspieltheit), die ihre Lebensqualität erhöhen.

Das Konzept der Fünf Freiheiten ist heute aufgrund einiger zentraler Punkte ein unzureichendes Instrument zur Beurteilung des Tierschutzes. Erstens bezieht sich das Konzept der Fünf Freiheiten nicht speziell auf positive Erfahrungen. Zweitens vernachlässigt es die Rolle, die einige negative Erfahrungen bei der Haltung von Tieren spielen. Drittens bezieht es sich nur auf einen kleinen Teil der psychischen Erfahrungen, die Tiere machen können. Daher ist eine Alternative zu den Fünf Freiheiten erforderlich.

Das Modell der fünf Bereiche ist ein modernes Instrument zur Anleitung systematischer und gründlicher Bewertungen von Tierschutzstaaten. Das Modell beinhaltet das Verständnis, dass mentale Erfahrungen, seien sie negativ oder positiv, ein Spiegelbild der inneren Zustände eines Tieres (z.B. Dehydrierung, die zu Durst führt; Verletzung, die Schmerzen verursacht) oder der äußeren Umstände (z.B. Bedrohung durch einen Angriff, der zu Angst führt; Anwesenheit von Artgenossen, die zu Freude an der Bindung führen) sind. Das Modell konzentriert sich daher auf die Identifizierung der inneren und äusseren Bedingungen, die zu psychischen Erfahrungen führen. Die Summe aller psychischen Erfahrungen stellt den Wohlfahrtsstatus eines Tieres zu einem bestimmten Zeitpunkt dar.

Unser Ziel ist es daher, negative Erfahrungen so gering wie möglich zu halten und den Tieren auch positive Erfahrungen zu ermöglichen, mit dem Ziel, eine insgesamt positive Lebensqualität zu erreichen.

Unten finden Sie eine Tabelle, angepasst an Mellor 2016, die fünf "Allgemeine Wohlfahrtsziele" enthält, die jeweils durch mehrere "Fokussierung der Wohlfahrtsziele" unterstützt werden. Die aufgeführten Bestimmungen sind darauf ausgerichtet, die entsprechenden Ziele und Vorgaben zu sichern. Einerseits sollen diese Wohlfahrtsziele und -vorgaben das Auftreten negativer innerer Zustände und äußerer Situationen und die damit verbundenen negativen Erfahrungen praktisch minimieren. Andererseits wird ein starker Schwerpunkt auf die Förderung positiver Erfahrungen gelegt. Es ist zu beachten, dass die festgelegten allgemeinen Wohlfahrtsziele parallel zu den fünf Bereichen des Modells verlaufen, die ursprünglich die neutralen Bezeichnungen "Ernährung", "Umwelt", "Gesundheit", "Verhalten" und "Seelischer Zustand" erhielten.

Allgemeine WohlfahrtszieleSchwerpunkt WohlfahrtszieleMaßnahmen
Gute ErnährungDurst und Hunger verringern und das Essen zu einem angenehmen Erlebnis machen.Bereitstellung eines leichten Zugangs zu frischem Wasser und einer artgerechten Ernährung zur Erhaltung der vollen Gesundheit und Vitalität [a].
Gutes UmfeldMinimierung von Beschwerden und Belastung durch ungünstige Umweltbedingungen und Förderung des körperlichen Wohlbefindens.Bereitstellung eines geeigneten Außenzugangs und eines geeigneten Schutzes vor ungünstigen Witterungsbedingungen [b], und/oder durch die Bereitstellung von Wohnungen mit: verschiedenen Funktionsbereichen [c], komfortablen Ruhezonen und guter Luftqualität.
Gute GesundheitSchmerzen [d], Krankheiten und andere Beschwerden zu verringern und die Freude an Kraft, Stärke, Robustheit und harmonischer körperlicher Aktivität zu fördern.Vorbeugung oder rasche Diagnose und Behandlung von Krankheiten und Verletzungen sowie Anregung u.a. des richtigen Muskeltonus, der natürlichen Körperhaltung, der kardiorespiratorischen Funktion und der Prozesse des Verdauungssystems.
Angemessenes VerhaltenBedrohungen und unangenehme Verhaltens- und Bewegungseinschränkungen zu minimieren und das Engagement für lohnende Aktivitäten zu fördern.Bereitstellung von ausreichendem Raum, einer spezifischen Gesellschaft [e] und angemessen variierten Bedingungen [f], um artspezifische Verhaltensausprägungen zu ermöglichen.
Positive GeisteserfahrungenDie Erfahrung verschiedener Formen von Komfort, Freude, Interesse, Vertrauen und Kontrollgefühl zu fördern.Bereitstellung sicherer, artgerechter und artverwandter Gelegenheiten, angenehme Erfahrungen zu machen.

a) z.B. Rinder, Schafe und Ziegen, die Zugang zu Weideland haben, wo faserreiches Futter zur Verfügung steht, das eine Vielfalt an Texturen, Geschmäckern und Gerüchen bietet.
b) Und/Oder weil eine Unterbringung nicht notwendig ist, z.B. wenn auf der Weide ein geeigneter natürlicher/künstlicher Unterstand zur Verfügung steht. Es ist darauf zu achten, dass die angewandte Bewirtschaftung auf das entsprechende Wohlfahrtsziel ausgerichtet ist.
c) Es sollte darauf geachtet werden, dass artgerechte Funktionsbereiche zur Verfügung stehen. Einige Tierarten (z.B. Wasservögel, Büffel) benötigen neben dem Trinken auch Zugang zu Wasser für andere Zwecke.
d) z.B. als Folge von Verstümmelungen.
e) z.B. die Ermöglichung gemeinsamer vergnüglicher Aktivitäten wie Pflegen und Spielen.
f) z.B. Anreicherung.