Die Waldschule:
Die Lernziele für die Orang-Utan-Kinder sind:
- Klettern, Fortbewegung in den Bäumen, sich nicht verlaufen
- Nahrung finden und Nest bauen
- Orang-Utan-Manieren und Vorliebe für Orang-Utans (und nicht Menschen) als Freunde
- Vermeiden und Misstrauen gegenüber fremden Menschen
Für die Menschenaffen-Kinder ist es sehr wichtig, geliebt und beschützt zu werden. Da sind Menschenkinder und Orang-Utans gleich. Daher bilden Signe Preuschoft und ihr Team, ähnlich wie in SOS-Kinderdörfern, Gruppen von etwa vier bis sechs Kindern und mit jeweils drei bis vier menschlichen Bezugspersonen. Für die ersten vier Lebensjahre ist das dann die „Familie“ eines Orang-Utan-Waisen.
Je nach Alter, Selbstständigkeit und Wissensstand besuchen die Orang-Utan-Kinder unterschiedliche Schulstufen:
1) Kindergarten bzw. Vorschule (0 – 5 Jahre)
2) Grundschule (4 – 7 Jahre)
3) Mittelschule (6+ Jahre)
In Samboja ist das Klassenzimmer ein Wald. Der Tagesablauf gestaltet sich ähnlich wie in einer Dorfschule, wo alle Schüler in einem Klassenzimmer sind. Die „Schulkinder“ lernen voneinander und von den Menschen.
In Kindergarten bis Grundschule lernen die Affen-Kleinkinder die Grundlagen für das Überleben im Wald: Klettern, Nahrung finden, Nester bauen.
In der Mittelschule kommen die Waisen in die Pubertät. Sie sind noch unerfahren, streifen aber schon alleine herum. Um sie gut auszubilden, wird ihnen viel Freiheit gelassen. Die Pfleger folgen ihnen aber von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, von einem Schlafnest zum nächsten. Wenn diese Orang-Utans später auswildern werden, dann ist nur das Gelände fremd. Mit der Situation und ihren Betreuern sind sie aber schon vertraut.Auf diese Weise ermöglichen die Betreuer von VIER PFOTEN und BOS den Orang-Utans einen sanften Übergang von der Kindheit bis zur Selbstständigkeit und reduzieren so die Gefahren, denen sie während der Auswilderung ausgesetzt sind.
Die Auswilderung:
Die erste Auswilderung von Orang-Utan-Waisen aus der Waldschule von Samboja ist für Anfang 2011 geplant. Es werden zunächst 4-5 Tiere in die Freiheit des Waldes entlassen. BOS hat hierzu ein abgelegenes Waldgebiet am Rande der Berge nordöstlich von Samboja von der Regierung gepachtet. Hier werden in den nächsten Monaten Beobachtungspfade freigeschlagen, um den Affen nach der Auswilderung folgen und sie so betreuen zu können.
In der lokalen Bevölkerung nahe dem Auswilderungsgebiet (dort leben Dayak- und Punan-Völker) werden waldkundige Menschen für die Betreuung der Affen angeworben und im direkten Kontakt mit ihren zukünftigen Schützlingen in Samboja ausgebildet. So werden aus den früheren Jägern der Orang Utans in Zukunft die neuen Beschützer der Tiere...
Die Orang-Utans, die ausgewildert werden, erhalten Mini-Sender, damit man sie anpeilen und wiederfinden kann. Die Sender wurden in Zusammenarbeit mit dem Wiener Institut für Wildtierbiologie entwickelt. Das Betreuungs-Team wird die Affen in den ersten drei Monaten beständig beobachten und notfalls betreuen - bis sie sich allein zurecht finden.
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