ÖVP Klubobmann Mag. Schneeberger will Hunde ermorden
Durch die Einführung einer Rasseliste in Niederösterreich und Wien wurde das „Kampfhunde“-Problem nicht gelöst – unschuldige HundehalterInnen müssen sich für ihre Hunde rechtfertigen und entschuldigen, selbst wenn diese wohlerzogen sind und alle Regeln eingehalten werden. Diese Diskriminierung stellt das Nervenkostüm auf eine harte Probe – leider können viele HundebesitzerInnen dem öffentlichen Druck nicht standhalten und geben ihre Hunde ab. Die Tierheime melden Aufnahmestopp für „schwer vermittelbare“ Hunde. Dazu zählen alle Hunde, die der Rasseliste zugeordnet werden können, unabhängig davon, ob sie verhaltensauffällig sind oder nicht. Denn zusätzlich zur vermehrten Abgabe der sogenannten Kampfhunde gesellt sich das Problem der „Unvermittelbarkeit“ hinzu. Es gibt faktisch keine Interessenten für „Listenhunde“, auch hier ist dem öffentlichen Druck die Schuld zu geben. Selbst Mischlinge, deren Rassezugehörigkeit nicht feststellbar ist, unterliegen dieser unfairen Diskriminierung.
Nun ist wiederum die Politik gefragt, diese Fehler wieder gut zu machen. Mag. Schneeberger, VP-Klubobmann des NÖ Landtags, vertritt eine unfassbare Meinung: anstatt an der Resozialisierung dieser Hunde zu arbeiten, somit die Vermittlungswahrscheinlichkeit zu erhöhen und ihnen zumindest ein einigermaßen erfülltes Leben zu bieten, spricht er sich in einem Artikel der NÖN für Euthanasie aus.
VIER PFOTEN reagierten sofort mit einem Offenen Brief:
Sehr geehrter Herr Mag. Schneeberger,
Bezugnehmend auf den Artikel in der NÖN von Tina Wessig möchte VIER PFOTEN zu Ihren darin enthaltenen Zitaten zum Thema „Kampfhunde“ Stellung nehmen.
Ihr Vorschlag, unvermittelbare Hunde einzuschläfern, verstößt gegen § 6, Absatz (1) des Bundestierschutzgesetzes:
Es ist verboten, Tiere ohne vernünftigen Grund zu töten.
Das von der Politik verursachte Problem - die Rasseliste und ihre Konsequenzen - auf Kosten der Tiere lösen zu wollen, ist widerwärtig. Dem stimmt im Übrigen auch Madeleine Petrovic, Geschäftsführerin des Wiener Tierschutzvereins, zu: „Der Klubobmann der größten niederösterreichischen Partei kennt offenbar das Tierschutzgesetz nicht. Hunde nur aufgrund ihrer Rassezugehörigkeit zu töten ist nicht einzusehen."
Es ist keine große Überraschung, dass sich die Tierheime in Wien und Niederösterreich nach Einführung der Rasseliste rapide füllten – mit eben genau jenen Hunden, die laut dieser Liste einer „gefährlichen“ Rasse angehören. In diesem Fall ist wohl schon von Fahrlässigkeit und Selbstverschulden zu sprechen. VIER PFOTEN spricht sich gemeinsam mit dem Wiener Tierschutzverein nochmals ausdrücklich gegen eine derartige Regelung aus, denn:
Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse lässt keinen Rückschluss auf ein erhöhtes Aggressionspotential zu, darin sind sich ExpertInnen einig. Vielmehr spielen Sozialisation, der Einfluss des/der BesitzerIn oder schlicht und einfach Unwissen über hundliche Verhaltensweisen und Bedürfnisse eine entscheidende Rolle, wenn es um Verhalten dem Menschen gegenüber geht. Es gibt keine per se „gute“ oder „böse“ Hunderasse!
Hier von einer „Flurbereinigung“ zu sprechen, also die damit verbundene Diskriminierung von HundehalterInnen zu befürworten, steht den individuellen Persönlichkeitsrechten der BesitzerInnen diametral entgegen. Es kann nicht sein, dass auf dem Rücken von unschuldigen Menschen und Tieren ein gesellschaftliches Problem ausgetragen wird. Betroffen sind diejenigen, die ihre Hunde brav angemeldet haben - die Hundekampf-Szene, die die Hunde als Statussymbol und Waffe missbraucht, meldet sich selten beim Magistrat.
Weiters mag es sogar der Hundekampf-Szene bekannt sein, dass jeder Hund potenziell zur Waffe erzogen werden kann – so verlagert sie ihren Fokus schließlich einfach auf andere Rassen oder Mischlinge (die übrigens die überwiegende Mehrzahl der Tierheiminsassen darstellen und schon allein den Ausdruck der "Rasseliste" ad absurdum führen).
Das Problem lässt sich gerade nicht dadurch lösen, weitere „Kapazitäten“ in Tierheimen zu schaffen, um vermeintlich gefährliche Hunde sicher verwahren zu können. Derartige „Lösungen“ kaschieren das eigentliche Problem – denn das liegt am anderen Ende der Leine. Kein Hund, egal welcher Rasse er angehört, ist von Geburt an aggressiv - und selbst bei stark verhaltensauffälligen Hunden sind durch die richtige Therapie - positive Verstärkung und Motivation - oft Wunder zu erreichen. VIER PFOTEN spricht sich für einen verantwortungsvollen und tiergerechten Umgang mit Hunden aus. Hierzu ist Wissen über hundliches Verhalten notwendig, das zukünftige BesitzerInnen vor der Anschaffung eines Hundes erwerben sollten. Hundebesitz bedeutet Verantwortung - eine Tatsache, die den Anhängern der Hundekampf-Szene leider oft nicht bewusst ist. Es sind also die Menschen, die für die Überfüllung der Tierheime sorgen, nicht die Hunde selbst!
VIER PFOTEN fordert die Revision Ihrer Aussagen - die Problematik ist selbst-produziert und darf nicht auf Kosten von Hundeleben "gelöst" werden!
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