Von wegen Dreckschwein!
Wir haben das Schwein zur Sau gemacht. Doch dabei sind Schweine äußerst intelligente Tiere, mit deren Vielseitigkeit und Kontaktbereitschaft es kaum ein anderes Tier aufnehmen kann.
Das Schwein - völlig anders als sein Image
 Hausschweine sind domestizierte Wildschweine; der Übergang vom Wildtier zum Haustier erfolgte vor ca. 9.000 Jahren. Trotz langjähriger Domestikation hat sich ihr Verhalten nur wenig verändert. Anders als es ihnen ihr Image und die falsche Haltungsweise unterstellt, legen Schweine großen Wert auf Hygiene. Ihre Verhaltenssteuerung ist so angelegt, dass sie Verhaltensweisen aus verschiedenen Funktionskreisen (Ruheverhalten, Fressverhalten, Ausscheidungsverhalten) an verschiedenen Orten ausführen. Da Schweine nicht schwitzen können, dient das Suhlen vorrangig der Temperaturregelung. Gleichzeitig werden aber auch Fremdkörper und Ektoparasiten in den Schlamm eingeschlossen und später durch Scheuern entfernt.
Soziale IntelligenzAus fundierten wissenschaftlichen Arbeiten geht hervor, dass Schweine intelligente und sensible Tiere mit einem ausgeprägten Sozialleben sind. Sie halten sich von Natur aus in kleinen Gruppen in unübersichtlichem Gelände auf, ihr Körperbau ist an die Fortbewegung im Unterholz angepasst. Vermutlich haben Schweine deshalb eine ausführliche akustische Kommunikation entwickelt.  In der Gruppe gibt es eine stabile Rangordnung, wobei das Alter der Tiere den wichtigsten Rangfaktor darstellt. Zum Einzelgänger werden trächtige Sauen nur einige Tage vor und nach der Geburt der Ferkel. Dabei zieht sich die Sau zurück, erkundet einen geeigneten Wurfplatz und legt in einer flachen Mulde ein Wurfnest an. In den ersten Lebensmonaten der Ferkel besteht eine besonders enge Verbindung zwischen Mutter und Jungtieren. Die Bache bietet den Frischlingen nicht nur Schutz, sondern gewährt ihnen auch die nötige Hilfe für die Orientierung im Lebensraum, das Erlernen von Verhaltensweisen und das Sammeln von Erfahrungen als notwendige Ergänzung zum angeborenen Verhaltensinventar. Auch diese Verhaltensweisen sind beim Hausschwein erhalten geblieben.
Neugierige Allesfresser
Wildschweine ernähren sich von Samen, Früchten, Wurzeln, Gräsern und Pilzen, aber auch von Wirbellosen und kleineren Säugetieren. Sie verfügen vermutlich aufgrund ihres vielfältigen Speisezettels über einen ausgeprägten Geruchs- und Geschmackssinn ebenso wie über ein reiches Repertoire von Verhaltenselementen, die sie bei Nahrungssuche einsetzen können.  Im Gegensatz zum Menschen mit lediglich 8.000 Geschmacksknospen, beträgt die Anzahl derselben bei Schweinen rund 15.000. Zudem sind Schweine ebenso neugierige wie lernfähige Tiere. Sie haben einen starken Erkundungsdrang, den sie im Zuge eines ihrer bezeichnendsten Bedürfnisse, des Wühlens befriedigen. Für das Wohlbefinden des Schweins ist die Möglichkeit zur Erkundung notwendig. Können Schweine nicht ausgiebig, d. h. mindestens zwei Stunden pro Tag wühlen, versuchen sie, dieses Defizit durch eine Ausdehnung des Erkundungsverhaltens zu befriedigen. Dabei kann eine Umorientierung des Erkundungsverhaltens auf den Körper von Artgenossen stattfinden. Ein solches Fehlverhalten zeigt sich in Form des "Schwanzbeißens" bei dem sich die Tiere gegenseitig die Schwänze abbeißen.
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