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Fragen und Antworten


Natürlich fragen Sie sich, warum wir ein Gütesiegel für Fleisch launchen. Im Video unten beantworten wir schon einmal die wichtigsten Fragen. 

Weitere Fragen finden Sie anschließend aufgelistet unter dem Video.



 

  1. Warum launcht VIER PFOTEN ein Gütesiegel für Fleisch und andere tierischen Produkte?
  2. Wofür steht das VIER PFOTEN Tierschutzlabel?
  3. Was bringt das Label den Nutztieren?
  4. Warum ein zweistufiges Label?
  5. Welche ALMO-Produkte sind wo genau und ab wann/seit wann erhältlich in Österreich?
  6. Was genau zeichnet die ALMO-Rinder aus?
  7. Was unterscheidet ALMO-Fleisch von Bio-Fleisch? 
  8. Was unterscheidet ALMO-Fleisch von Fleisch aus konventioneller Haltung?
  9. Was unterscheidet die Silber- und die Gold-Stufe des TSK Labels von Bio-Fleisch?
  10. Welche „tiergerechte“ Kriterien gelten bei der Schlachtung? Welche beim Transport?
  11. In den Richtlinien von „Tierschutz-kontrolliert“ werden die Anbindehaltung bei Milchkühen sowie die betäubungslose Ferkelkastration explizit ausgeschlossen. Wird VIER PFOTEN damit überhaupt Partner finden? Ist so etwas umsetzbar oder schlicht unrealistisch?
  12. Was bedeutet der Begriff „tierbezogene Parameter“?
  13. Wer darf das Label nutzen?
  14. Verdient VIER PFOTEN an dem Label?

1. Warum launcht VIER PFOTEN ein Gütesiegel für Fleisch und andere tierischen Produkte?


VIER PFOTEN setzt sich seit Jahrzehnten für Tiere in der Landwirtschaft ein und kritisiert die unwürdigen Bedingungen, unter denen sie gehalten werden und leiden müssen.

Es gibt zwar ein Tierschutzgesetz in Österreich, allerdings ist dies gerade im Nutztierbereich für VIER PFOTEN unzureichend. Zudem wird die Einhaltung des Gesetzes nicht ausreichend kontrolliert. Eine gesetzlich vorgeschriebene Tierschutzkennzeichnung wird es weder national noch auf EU-Ebene in absehbarer Zeit geben. So bleibt derzeit nur die freiwillige Kennzeichnung. Dies hat zur Folge, dass es am Markt viele verschiedene Labels gibt.

 

Als Tierschutzorganisation fühlen wir uns deshalb verpflichtet, einen neuen Weg zu gehen. Um Verbrauchern eine Möglichkeit zu bieten, artgemäße Tierhaltung zu unterstützen und Produkte kaufen zu können, die von Tieren stammen, die unter tierfreundlicheren Bedingungen leben, braucht es eine klare Kennzeichnung solcher Erzeugnisse. Derzeit hat der Konsument noch zu wenige Möglichkeiten, Produkte aus artgemäßer Tierhaltung zu erkennen. Deshalb haben wir ein Label erarbeitet, das tierfreundlicher erzeugte Produkte kennzeichnet und nach strengen Tierschutz-Kriterien vergeben wird.

 

Unser Ziel ist es, die Lebens-, Transport- und Schlachtbedingungen von möglichst vielen  Tieren in der Landwirtschaft nachhaltig zu verbessern und langfristig die Standards in der Tierhaltung neu zu definieren und umfassend zu verändern.


2. Wofür steht das VIER PFOTEN Tierschutzlabel?

 

Das Label „Tierschutz-kontrolliert“ steht für wesentliche Verbesserungen in der Haltung von Nutztieren. Die Stufe „Silber“ steht für eine Kennzeichnung für bessere Lebensbedingungen in der konventionellen Haltung und betrifft damit die Mehrheit der Nutztiere . „Gold“ steht für eine Tierhaltung nach höchstmöglichen Tierschutzstandards und mit Auslauf im Freien.

 

Oberste Priorität bei beiden Stufen hat die massive Verbesserung in allen Bereichen der Tierhaltung: größeres Platzangebot, Stallstrukturierung, Beschäftigungsmaterial, feste Gruppen, Tageslicht, Auslauf, eine Begrenzung der Transportzeiten auf das geringstmögliche Maß (maximal acht Stunden) sowie strenge Kriterien für die Schlachtung. Professionelle Kontrollen durch unabhängige Kontrollstellen/Prüforgane sichern die Einhaltung der Produktionskriterien.


3. Was bringt das Label den Nutztieren?

 

Das Label bringt Tieren eine wesentliche Verbesserung ihrer Lebensbedingungen und weniger Leid bei Transport und Schlachtung.

 

In der konventionellen Haltung leben die Tiere in der Regel in strukturlosen Ställen. Mastrinder und Schweine werden auf harten Beton-Spaltenböden gehalten, ohne Zugang zu Stroh oder sonstigem kaubaren Beschäftigungsmaterial. Schweine werden ohne Betäubung kastriert, ihnen werden die Schwänze kupiert. Intensiv gehaltene Masthühner wachsen schneller als ihr Skelett das Gewicht tragen kann – viele können daher zum Ende der Mast kaum noch laufen. Sie leben in extremer Enge, viele von ihnen sind schwer krank und sterben noch vor dem Schlachttermin.

 

All dies ist nach unseren Kriterien nicht erlaubt. Ein größeres Platzangebot, Stallstrukturierung, Beschäftigungsmaterial, feste Gruppen, Tageslicht und Auslauf ermöglichen den Tieren wesentliche Verbesserungen ihrer Lebensbedingungen.

Im Rahmen von regelmäßigen und unabhängigen Kontrollen wird auch erstmalig eine Beurteilungsmethode für das Wohlbefinden der Tiere umgesetzt. Die Tiere werden am Betrieb und am Schlachthof nach den Grundsätzen des wissenschaftlich entwickelten Welfare Quality®-Systems bzw. so genannten tierbezogenen Parametern beurteilt.


4. Warum ein zweistufiges Label?

 

Die Entscheidung für ein zweistufiges System ist eine grundsätzliche. Man kann sich natürlich entscheiden, als Tierschutzorganisation nur eine wirklich „optimale“ Tierhaltung auszuzeichnen. Dann muss man akzeptieren, dass die verbesserten Lebensbedingungen nur eine vergleichsweise kleine Anzahl von Tieren betreffen.

VIER PFOTEN will möglichst vielen Tieren helfen. Durch die Auszeichnung von „Silber“-Produkten können wir Standards auf breiter Basis anheben und die Tierhaltung für sehr viele Tiere verbessern. Auch wenn bei „Silber“  nicht alle Kriterien erfüllt werden, die zu einer wirklich optimalen Tierhaltung gehören, verbessert sich die Lebensqualität der Tiere doch deutlich.


5. Welche ALMO-Produkte sind wo genau und ab wann/seit wann erhältlich in Österreich?

 

Es werden 3 ALMO-Produkte erhältlich sein: Faschiertes vom Almochsen, Rindsschnitzel von der Schulter, Bratenfleisch vom Vorderviertel – verpackt im Selbstbedienungs-Sortiment.

Die Produkte sind österreichweit bei Penny und Merkur erhältlich ab 5. Juni.


6. Was genau zeichnet die ALMO-Rinder aus?

 

Die Rinder leben in den Sommermonaten auf österreichischen Almen. Ihre Ställe sind weitaus größer und bieten mehr Platz als gesetzlich vorbeschrieben. Es müssen zudem ausreichend Bewegungs- und Liegeflächen angeboten werden. Die Anbindehaltung, die laut Gesetz zulässig wäre, ist komplett verboten. Auch dürfen keine vorbeugenden Antibiotika verabreicht werden. Und: Die Transportzeiten dürfen nicht länger als vier Stunden betragen.

 

Das alles wird in unangemeldeten Kontrollen regelmäßig kontrolliert. Dabei wird nicht nur der Stall, sondern vor allem auch das Wohlbefinden des Tieres begutachtet. 


7. Was unterscheidet ALMO-Fleisch von Bio-Fleisch? 

 

ALMO ist nicht gleich Bio, wobei es bei ALMO strengere Vorgaben bezüglich Transport und Schlachtung als bei Bio gibt.

Auch bei den Eingriffen gibt es in den „Tierschutz-kontrolliert“- Richtlinien eine genaue Anleitung, wie das Enthornten erfolgen muss(Enthornung nur mit Schmerzausschaltung (Leitungsanästhesie) , Sedierung und zusätzlicher Schmerzbehandlung mittels nicht-steroidaler Entzündungshemmer (NSAIDs) durch den Tierarzt erlaubt.) Zum Vergleich: BioAustria, die größte Bio-Vereinigung in Österreich, fordert lediglich die Enthornung durch Ausbrennen mit einem Brennstab nach wirksamer Betäubung und Schmerzausschaltung  durch den Tierarzt.

Auch bei der Kastration liegen bei „Tierschutz-kontrolliert“ genaue Anforderungen vor: Die Kastration ist bei Rindern nur nach wirksamer Sedierung, Schmerzausschaltung (Lokalanästhesie) und zusätzlicher Schmerzbehandlung mittels nicht-steroidaler Entzündungshemmer (NSAIDs) durch den Tierarzt oder einen gewerblichen Viehschneider zulässig. In den BioAustria Richtlinien darf die Kastration nach wirksamer Betäubung/Schmerzausschaltung erfolgen.

Fazit: Die „Tierschutz-kontrolliert“-Richtlinien beschreiben detaillierte Anforderungen, wie die Eingriffe durchzuführen sind.

Warum ALMO-Produkte keinBio-Siegel tragen, liegt hauptsächlich daran, dass bei Bio besondere Vorgaben an die Futtermittel gemacht werden(nur Bio-Futter erlaubt), während bei ALMO zwar konventionell hergestelltes Futter erlaubt ist, jedoch Mindestvorgaben für den Anteil an Raufutter (Grünfutter, heu, etc.) und Maximalangaben bezüglich des Einsatzes an Kraftfutter gemacht werden.


8. Was unterscheidet ALMO-Fleisch von Fleisch aus konventioneller Haltung?

 

Bei ALMO gelten wesentlich strengere Vorgaben als gesetzlich vorgeschrieben:

 

 

 

Gesetz Österreich (1. THVO)

TSK Silber

Vollspaltenböden zulässig

Nur im Fressbereich Spalten zulässig, ansonsten planbefestigt

Anbindehaltung grundsätzlich zulässig (wobei eher bei Milchkühen ein Problem)

Keine Anbindehaltung

 

GVO freies Futter

Zulässige Eingriffe sind:

  • Die Enthornung oder das Zerstören der Hornanlage, wenn

- der Eingriff bei bis zu zwei Wochen alten Tieren durch Ausbrennen mit einem Brennstab, der über eine exakte Zeitsteuerung sowie eine automatische Abschaltung des Brennvorganges verfügt, fachgerecht durchgeführt wird, oder

- der Eingriff durch Ausbrennen mit einem sonstigen Brennstab nach wirksamer Betäubung vorgenommen wird, oder

- der Eingriff durch einen Tierarzt nach wirksamer Betäubung durchgeführt wird.

  • Das Kupieren des Schwanzes von Kälbern im Ausmaß von höchstens 5,00 cm, wenn der Eingriff durch einen Tierarzt nach wirksamer Betäubung durchgeführt wird und eine betriebliche Notwendigkeit zur Minderung der Verletzungsgefahr für die Tiere gegeben ist.
  • 3. Die Kastration männlicher Rinder, wenn der Eingriff durch einen Tierarzt oder einen Viehschneider, der dieses Gewerbe auf Grund der Gewerbeordnung 1994, BGBl. Nr. 194, zuletzt geändert durch BGBl.
  • Enthornung nur mit Schmerzausschaltung (Leitungsanästhesie) , Sedierung und zusätzlicher Schmerzbehandlung mittels nicht-steroidaler Entzündungshemmer (NSAIDs) durch den Tierarzt erlaubt.
  • Kastration nur nach wirksamer Sedierung, Schmerzausschaltung (Lokalanästhesie) und zusätzlicher Schmerzbehandlung mittels nicht-steroidaler Entzündungshemmer (NSAIDs) durch den Tierarzt oder einen gewerblichen Viehschneider
  • Kein Kupieren des Schwanzes

 

Platzangebot:

Tiergewicht *1)                Mindestfläche *2)

___________________________________________________________

bis 350 kg                           2,00 m2/Tier

___________________________________________________________

bis 500 kg                            2,40 m2/Tier

___________________________________________________________

bis 650 kg                             2,70 m2/Tier

___________________________________________________________

über 650 kg                          3,00 m2/Tier

______________________________________

Gesamtfläche (ohne Auslauf)

bis 200 kg               2,5

 

 

bis 350 kg                  4

 

               ab 350 kg                   5; mindestens 1m² je 100kg  Lebendgewicht

 

 

Bei Gruppenhaltung in Liegeboxenlaufställen auch höhere Maße bei Liegenboxen als gesetzlich gefordert

 

 

Detaillierte Angaben zu Stalleinrichtung (z.B. Tränken, die das Saugtrinken ermöglichen)


9. Was unterscheidet die Silber- und die Gold-Stufe des TSK Labels von Bio-Fleisch?

 

Der Haupt-Unterschied zwischen der „Silber“-und der „Gold“-Stufe bei „Tierschutz-kontrolliert“ liegt darin, dass beim „Gold“-Standard bspw. die Enthornung der Tiere gänzlich verboten ist, während sie beim „Silber“-Standard unter Betäubung erlaubt ist und dass bei „Gold“ Kälber aus Muttergebundener- oder Ammenkuhhaltung stammen müssen, während dies bei „Silber“ nur eine Empfehlung ist. Weiters ist der Auslauf während der Stallperiode bei der „Gold“-Stufe verpflichtend, wobei dieser bei „Silber“ nur empfohlen wird.


10. Welche „tiergerechte“ Kriterien gelten bei der Schlachtung? Welche beim Transport?

 

Transport:

Verladung: Boden trittsicher, max. Steigung 20° (ab 10° müssen Querlatten auf Ladeklappe angebracht sein; Mindesthöhe über Widerrist 20 cm; Transportfahrzeuge müssen optimale Klimatisierung gewährleisten; Verladezeitpunkt sollte im Sommer in den kühleren Nacht- oder Morgenstunden liegen. Bei extremen Außentemperaturen muss Schlachtung verschoben werden ; Vorgaben Ladedichte; Abtrennungen alle 3 m im Transportfahrzeug; Transportzeit max. 4 h, die Tiere sollten max. 6 h im Fahrzeug sein; Gesundheitszustand der ankommenden Tiere muss geprüft werden; Ebenerdige Entladung möglichst ohne Neigung und Gefälle (Neigung maximal 20°)

 

Schlachtung:

Rinder müssen im Falle einer Nottötung aus Einzelgängen herausgezogen werden können; Rinder werden nach Entladung bis zum Eintreten des Ruheverhaltens ständig kontrolliert; unverträgliche Tiere dürfen nicht zusammen aufgestallt werden; Platzbedarf: Alle Rinder müssen sich gleichzeitig hinlegen und ungehindert aufstehen können; Penetrierender Bolzenschuss mit größenangepasster Kopffixierung  und Entblutung; Betäubungskontrolle anhand von Protokoll; Entblutung erfolgt innerhalb von spätestens 60 Sek. nach der Bolzenschussbetäubung; Kontrolle: Effektivität der Tötung muss anhand einer in den SAA festgelegten Stichprobe regelmäßig geprüft und dokumentiert werden; Erhebung tierbezogener Parameter am Schlachthof; Kontrolle mind. einmal im Jahr unangemeldet.


11. In den Richtlinien von „Tierschutz-kontrolliert“ werden die Anbindehaltung bei Milchkühen sowie die betäubungslose Ferkelkastration explizit ausgeschlossen. Wird VIER PFOTEN damit überhaupt Partner finden? Ist so etwas umsetzbar oder schlicht unrealistisch?

 

Beides ist auf jeden Fall umsetzbar. In Deutschland beispielsweise kooperiert VIER PFOTEN mit „casagusta“, ein gutes Beispiel für Best Practice in der Schweinehaltung. Die Ferkelkastration wird hier nicht praktiziert. Und ebenfalls in Deutschland gibt es eine Kooperation mit „de öko Melkburen“, deren Haltung (ohne Anbindung) ebenfalls den Richtlinien von VIER PFOTEN entspricht.


12. Was bedeutet der Begriff „tierbezogene Parameter“?

 

Tierbezogene Parameter können für die direkte Erfassung des Zustandes der Tiere herangezogen werden. Sie geben somit Auskunft über den Gesundheitszustand und das Befinden der Tiere und somit auch über die Auswirkungen des Haltungssystems,  der Stalleinrichtung, des Herdenmanagements sowie der Mensch-Tier-Beziehung).


13. Wer darf das Label nutzen?

 

Wir arbeiten grundsätzlich mit jedem zusammen, der glaubhaft und ehrlich Verbesserungen in seiner Tierhaltung ausprobieren möchte. Egal ob es sich hierbei um Biobetriebe handelt, die eine „Gold“-Auszeichnung anstreben, oder um einen großen Konzern, der eine alternative Tierhaltung starten und ausbauen möchte. Unser Ziel ist, dass sich große Konzerne, die sehen, dass alternative Tierhaltung sehr wohl möglich ist, dafür entscheiden, ihre gesamte Tierhaltung auf höhere Standards umzustellen und damit nachhaltig einen Beitrag zum Tierschutz leisten.


14. Verdient VIER PFOTEN an dem Label?

 

Nein. VIER PFOTEN erhebt im Zuge der Lizenzvergabe eine Gebühr für die Nutzung der Wort-Bild-Marke „Tierschutz-kontrolliert“. Diese Einnahmen werden dazu verwendet, die von VIER PFOTEN durchgeführten Überkontrollen der Betriebe zu finanzieren, decken dabei aber nur einen Teil der Gesamtkosten ab.


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