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VIER PFOTEN Einsatz im Irak: Hilfe für die Tiere in Mossul

2017-02-22
Zum ersten Mal in ihrem Leben hat Lula vor wenigen Minuten ein mit Gras bewachsenes Gehege betreten.
© VIER PFOTEN

Update, 2017/04/11 - Endlich! Happy End für Mossuls Zootiere Lula und Simba!

Die Rettungsmission für Bärin Lula und Löwe Simba aus dem zerbombten Montazah Al-Morour Zoo in Mossul (Irak) ist endlich geglückt. Monatelang mussten die Tiere hungern, in zerbombten Käfigen ohne artgemäße Versorgung in einem verwüsteten  Zoo in der kriegsgeschundenen Stadt Mossul dahinsiechen und neun Tage am Checkpoint nahe der Grenze zwischen dem vom irakischen Militär kontrollierten Gebiet und der Region Kurdistan ausharren. Jetzt sind sie endlich sicher in der Wildtierrettungs- und Rehabilitierungsstation New Hope Centre in Amman (Jordanien) angekommen. Heute morgen konnte das VIER PFOTEN Rettungsteam Lula und Simba in ihre Gehege entlassen, wo sie sich von den Strapazen unter dem Schutz und der Pflege von erfahrenen Tierärzten und Tierpflegern erholen können.

 

Dr. Khalil und sein Team verhandelten mit dem irakischen Militär und den Behörden und reisten zwei Tage später abermals in Mossul ein, um einen zweiten Rettungsversuch zu starten. Wieder wurden die Tierschützer und die Zootiere am Checkpoint nahe der Grenze von Mossul gestoppt. Tagelanges Warten, Organisieren und weitere Verhandlungen begannen, während Lula und Simba in ihren Transportkisten am Checkpoint festsaßen. Trotz der schwierigen Umstände konnte das VIER PFOTEN Team die Tiere gut versorgen und Futter und Wasser für sie organisieren. Dr. Khalil war während dieser schweren Zeit bei ihnen. 

 


Nach anfänglicher Unsicherheit hat auch Simba zögerlich die Dunkelheit ihrer Transportbox verlassen.
© VIER PFOTEN


Update, 2017/03/29 - Zuerst raus aus dem Zoo, dann zurück in den Zoo. Lula und Simba konnten leider nicht befreit werden. VIER PFOTEN vor Ort in Verhandlungen!



Gestern war einer der längsten und härtesten Tage in der VIER PFOTEN Geschichte. Zeitig in der Früh machte sich ein VIER PFOTEN Team von Erbil aus auf den Weg nach Mossul - eine Stadt, die im Moment Mittelpunkt eines erbitterten Kriegs ist. Alles verlief nach Plan. Unser Team konnte alle fünf Checkpoints auf dem Weg nach Mossul passieren.

 

In der Stadt trafen sie auf die irakische Armee, die dem Team vorerst volle Unterstützung gab. Das Militär begleitete unser Team auf dem Weg in den Zoo und war auch vor Ort, als die Tiere narkotisiert und auf den Truck geladen wurden. Sie eskortieren sowohl das Team als auch die Tiere aus Mossul heraus, bis es am ersten Checkpoint an der Grenze der Stadt kein Weiterkommen mehr gab.



Die Tierärzte Dr. Amir Khalil (l.) und Dr. Ovidiu Rosu bereiten Bärin Lula auf den Transport vor.
© VIER PFOTEN

Stundenlang wurde verhandelt ...

... doch am Ende stand das traurige Ergebnis fest: Die Tiere müssen zurück in den Zoo. Und unser Team zurück nach Erbil.

 

Schweren Herzens mussten sie sich von Lula und Simba verabschieden und ohne ihnen nach Erbil weiterreisen. Moment können wir leider nicht sagen, was der genaue Grund für diese Entscheidung war. Wir versuchen es zur Stunde aber herauszufinden.

 

Noch mehr Updates können Sie auf unserer Facebook Seite lesen.



© VIER PFOTEN


Der Gesundheitszustand des Löwen gibt Grund zur Sorge: Die Monate des Nahrungsentzuges haben ihn bis auf die Knochen abmagern lassen.
© VIER PFOTEN

VIER PFOTEN hilft Zootieren im vom Krieg verwüsteten Zoo in Mossul

Es kommt einem so vor, wie der Schauplatz eines Kriegsfilms. Doch mit Fiktion hat die Situation in Mossul nichts mehr zu tun. Seit Monaten bekämpfen sich dort Irakische Truppen und die Terrormiliz "Islamischer Staat". Die Opfer Frauen, Kinder, Männer - und TIERE. 

 

Der Zoo von Mossul gleicht einem Trümmerfeld. Kaum vorstellbar, dass es hier überhaupt noch Leben geben soll. Als unser VIER PFOTEN Tierarzt Dr. Amir Khalil den völlig zerstörten Eingang des Zoos passiert, traut er seinen Augen kaum. Der erfahrene Tierarzt ist Experte für Einsätze in Krisen- und Kriegsgebieten. Schon oft konnte er Tiere aus ihren misslichen Lagen befreien und vor dem sicheren Tod bewahren. Doch Mossul ist anders. Mossul ist zerstört. Zerstört von der Wucht einer kriegerischen Auseinandersetzung, deren Ende schwer vorhersehbar ist. Mittendrin Bär Lula und Löwe Simba - die letzten beiden Überlebenden aus dem Al-Nur Zoo in Mossul.

 

Und sie brauchen UNSERE Hilfe...



Neben der Unterernährung ist besonders der Zustand der Zähne des Bären mehr als besorgniserregend.
© VIER PFOTEN

Knapp dem Hungertod entkommen...

Unserem Nothilfeteam unter der Leitung von Dr. Amir Khalil bot sich ein Bild der Zerstörung. Gebäude und Gehege waren dem Erdboden gleich gemacht. Überall nur Schutt und Trümmer, die von der Gewalt der kriegerischen Auseinandersetzung zeugten. Der Großteil der Tiere aus dem Zoo in Mossul hatte nicht überlebt. Nur ein Bär und ein Löwe harren weiterhin in ihren Käfigen aus. Abgemagert bis auf die Knochen, schwach und kränklich. Uns war sofort klar: Diesen Tieren müssen wir sofort helfen...

 

Dr. Amir Khalil bereitete das Narkosemittel vor. Die Dosierung ist entscheidend. Da beide Tiere stark unterernährt sind, darf er die vorgeschriebene Menge nicht überschreiten. Das Gewicht wird geschätzt. Dr. Amir Khalil ist ein Experte auf seinem Gebiet. Seit Jahrzehnten ist er für VIER PFOTEN rund um den Globus im Einsatz für Tiere in Not. 

 

Zuerst ist der Bär Lulu an der Reihe. Ihr geschwächter Körper sackte nach der Verabreichung des Narkose-Mittels sofort zu Boden. Die Erstversorgung konnte beginnen. Dr. Khalil stellte eine Lungenentzündung fest, die zwar nicht lebensbedrohlich war, definitiv aber medikamentös behandelt werden musste. Der geschwächte Körper war in einem bemitleidenswerten Zustand. Unter dem dichten Fell waren die einzelnen Rippen klar ertastbar, die Zähne faul und mit schmerzhaften Zahnfleischentzündungen versehen. Es ist kaum vorstellbar, was Lula - neben der Mangelernährung - wohl für Schmerzen erleiden musste. 

 

Jetzt der zweite Überlebende: Ein ehemals stattlicher Löwe namens Simba, der nach drei Monaten des Nahrungsentzug einem Häufchen Elend glich. Bereits vor der Narkose war für Dr. Amir Khalil klar, dass der Löwe neben seiner offensichtlichen Unterernährung an schwersten Gelenksproblemen litt. Seine Hinterläufe sackten immer wieder ab, man merkte, dass er große Schmerzen haben musste. Auch seine Zähne waren in einem fürchterlichen Zustand. Leider ein sehr häufig auftretendes Problem bei Wildtieren in Gefangenschaft, die weder artgemäß gehalten, noch ernährt werden. 

 

Für den Moment geht es den beiden Tieren den Umständen entsprechend gut. Unsere Erstversorung hat ihnen Linderung beschwert. Nun ist es an der Zeit, sie wieder aufzupäppeln.

 


Die vergangenen Monate haben schwer an der körperlichen Gesundheit des Bären gezehrt: Er ist stark abgemagert und benötigte dringend medizinische Hilfe.
© VIER PFOTEN

Futter und Medikamente für die nächsten vier Wochen

Unser Einsatz im Zoo von Mossul soll natürlich nicht nur unmittelbar Erleichterung für die beiden Tiere bringen. Wir stellen Lulu und Simba auch Futter und medizinische Versorgung für die nächsten vier Wochen zur Verfügung. Die Fütterungen werden nach unserer Abreise jene freiwilligen Helfer vor Ort übernehmen, die uns auch während der Nothilfe-Mission zur Seite standen. 

 

Natürlich können wir nicht sagen, wie es in der Region weitergehen wird. Eines können wir aber garantieren: Für die nächsten Wochen müssen die Tiere aus dem Zoo von Mossul keinen Hunger mehr leiden.

 

Wir hoffen natürlich sehr, dass sich die Lage entspannt und sich die Tiere vom Stress und den Strapazen der vergangenen drei Monate vollständig erholen können. 

 

Bitte helfen Sie uns, damit wir auch weiterhin weltweit für Tiere in Not dasein können, wenn sie unsere Hilfe benötigen. Vielen Dank! 



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