Pferde
2012-06-12
Wildpferde im Donaudelta
Ein artenreiches Biosphärenreservat
Das rumänische Donaudelta wurde als einziges Flussdelta der Welt zur Gänze zum Biosphärenreservat erklärt und ist das zweitgrößte Feuchtbiotop Europas. Der Wald von Letea liegt im Nordosten des rumänischen Donaudeltas. Dieses Gebiet umfasst 2.825 Hektar und viele seltene und besondere Pflanzenarten kommen nur in dieser einzigartigen Landschaft vor.
Das Donaudelta ist Weltkulturerbe und erhielt als Biosphärenpark Anerkennung, als es 1990 in das UNESCO Biosphären Programm aufgenommen wurde. Gegründet 1938, ist diese Landschaft somit das älteste Naturschutzgebiet Rumäniens.
Woher kommen die Pferde in Letea?
Historische Dokumente belegen, dass die Vorfahren der heutigen Pferdepopulation vor 300-400 Jahren durch die Tataren in den Norden des Donaudeltas kamen und heimisch wurden. Nach dem Zusammenbruch der landwirtschaftlichen Kolchosen 1989 wurden weitere Tiere von der Bevölkerung im Gebiet freigelassen. Auch wurden Tiere von ihren Besitzern in das Flussdelta gebracht, um illegal dort zu grasen. Das Zusammenspiel dieser Umstände führte zu einem bemerkenswerten Ansteigen dieser von Huzulen geprägten Pferdepopulation.
Mit dem wachsenden Bestand stieg auch der Bedarf an Futter- und Weideland und die Tiere wanderten immer weiter in den streng geschützten Waldbereich des Biosphärenreservats hinein, wo sie auch Baumrinden und seltene, geschützte Pflanzen fraßen. Schätzungen zufolge lebten 2010 rund 1.500 Tiere in diesem Gebiet. Die Behörden und Umweltschützer sahen damals ein darin und beschlossen die Pferde zu töten.
Eine nachhaltige Lösung für alle
VIER PFOTEN reagierte sofort: Durch intensive Verhandlungen mit den zuständigen Personen und Behörden konnte das Töten der Tiere gestoppt werden. In Kooperation mit den Verantwortlichen wurde eine Vereinbarung und ein Aktionsplan für die Wildpferde erarbeitet:
- Da nur eine gewisse Anzahl von Pferden von den bestehenden Ressourcen leben kann, wird die Geburtenrate mittels Verhütung* vermindert, um die Tiere langfristig vor Mangelernährung und Hunger zu bewahren.
- Ein Tierärzteteam von VIER PFOTEN kümmert sich um kranke und alte Pferde.
- Bei Futterknappheit bringt VIER PFOTEN Heu für die Tiere.
- Das „Danube Delta National Institute for Research and Development“ (DDNIRD) erstellt eine mehrjährige Studie um die nachhaltig positive Auswirkung der Geburtenkontrolle der Pferde auf die Flora und Fauna zu belegen. Da es sich hierbei um ein einzigartiges Projekt handelt ist dies auch aus wissenschaftlicher Sicht gesehen interessant und sinnvoll.
Ziele von VIER PFOTEN
Mit diesem Projekt zeigt VIER PFOTEN gemeinsam mit den zuständigen Behörden, dass diese wunderbaren wildlebenden Pferde einen Beitrag zur biologischen Vielfalt in dieser einzigartigen Naturlandschaft leisten, so wie sie es schon die letzten Jahrhunderte getan haben.
VIER PFOTEN kümmert sich auch in Zukunft um das Wohlergehen, den Schutz und die Versorgung dieser faszinierenden und sensiblen Lebewesen.
*Eine empfängnisverhütende 2-3 Jahre wirksame Impfung, wird an so viele Stuten als möglich verabreicht. Diese Impfung ist für ähnlich komplexe Situationen entwickelt worden und von Wildpferde-Spezialisten angesehen und im Vergleich zu einer normalen Kastrations-Operation eine harmlosere, günstigere und schnellere Methode. Die Kastration der Hengste ist in diesem Fall keine Alternative, da sie wesentlich aufwändiger und risikoreicher für das einzelne Tier sowie teurer und zeitintensiver wäre. Wenn nur ein einziger Hengst nicht gefangen und kastriert würde, könnte dieser Hengst alleine in einer Saison bis zu 50 Stuten decken und so für viele Nachkommen sorgen.
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