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Alleingelassenes Fischotterbaby gerettet

2017-10-18

© VIER PFOTEN | Stefan Knöpfer

Ein lautes Fiepen ließ Spaziergänger zwischen Mistelbach und Wilfersdorf in Niederösterreich vor wenigen Tagen aufhorchen. Eine Dame machte sich schließlich auf die Suche nach dem Urheber und fand an der Uferböschung der Zaya ein jämmerlich weinendes Fischotterbaby. Sie brachte es in die von VIER PFOTEN geführte Eulen- und Greifvogelstation Haringsee (EGS).

 

Im Umkreis der Fundstelle wurde kein toter Fischotter gefunden. Damit können wir nur spekulieren, was dem Muttertier zugestoßen ist. Möglicherweise ist das kleine Waisenkind ein Opfer des Managementplans des Landes Niederösterreich. Dieser genehmigt die Tötung von 40 Fischottern innerhalb eines Jahres. Offiziell dürfen nur männliche Tiere „entnommen“ werden. Es ist aber selbst für Experten äußerst schwierig, das Geschlecht festzustellen.

 

Der kleine männliche Otter war schon sehr ausgehungert. Das EGS Team fütterte ihn sofort mit einem Fläschchen Ersatzmilch. Wir schätzen sein Alter auf 10 Wochen. In diesem Alter verlassen Otterbabys ihren Bau nur, wenn ihre Mutter nicht mehr zurückkommt und sie sich auf die Suche nach ihr begeben.



© VIER PFOTEN/Stefan Knöpfer

Der Kleine hat sich von dem dramatischen Verlust seiner Mutter innerhalb kürzester Zeitgut erholt und entwickelt sich prächtig. Neben seiner Milchnahrung beginnt er sich langsam auch für feste Kost zu interessieren. Das Ziel des EGS Teams ist es, den kleinen Otter wieder auszuwildern, sobald er kein Fläschchen mehr braucht. Dazu suchen die Mitarbeiter um EGS Leiter Dr. Hans Frey derzeit intensiv nach einem geeigneten Gebiet.

 

Vor Erlass des Bescheids zur Tötung der Fischotter im Frühling dieses Jahres gab es heftige Proteste von Tier- und Artenschützern. VIER PFOTEN hatte gemeinsam mit dem WWF Österreich eine Petition ins Leben gerufen, die mehr als 22.000 Menschen unterschrieben haben. Beide Organisationen haben die Petition Anfang April dem zuständigen Landesrat Stephan Pernkopf übergeben. Bis heute gibt es trotz Anfrage von VIER PFOTEN keine Information der Landesregierung über die Anzahl der „entnommenen“ Tiere.

 

VIER PFOTEN hat bereits im Frühjahr darauf hingewiesen, dass die Tötungen verwaiste Fischotterbabys zur Folge haben werden. Und nicht alle haben das Glück, von engagierten Menschen gerettet zu werden. Dieser so genannte Management-Plan der Landesregierung ist und bleibt ein Skandal.


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